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Das jüdische Echo · 1931-07-31 · 31 (31.7.1931) · p. Seite 439

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
31 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
Seite 439 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 439 Sitzung des Kuratoriums und des akademischen Rats der Hebräi* sehen Universität Z ii rieh, 26. Juli. (JTA.) Das Kuratorium und der akademische Rat der Hebräischen Universität in Jerusalem haben in Zürich unter dem Vorsitz des Rektors der Universität Utrecht, Prof. L. S. Ornstein, mehrtägige Beratungen abgehalten. Dr. Magnes, der unmittelbar vor Beginn der Konferenz aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt war, erstattete einen Bericht über die Entwicklung der Universität in den letzten zwei Jahren. In der auf den Bericht folgenden allgemeinen Aussprache wurde die Frage der künftigen Ausdehnung der Lehrtätigkeit, insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern, erörtert. Fs wurde beschlossen, den von einem englischen Freunde der Universität gestifteten Lehrstuhl für das Studium der Probleme des internationalen Friedens, dem Wunsche des Stifters entsprechend, „Chaim Weizmann-Lehrstuhl für Internationales Friedensrecht“ zu nennen. Die Besetzung des Lehrstuhls wurde einem Komitee des Kuratoriums übertragen. Auf Grund der Vorschläge des Subkomitees wurde beschlossen, systematische Kurse in Biologie als Hauptfach mit abschließenden Prüfungen und in Allgemeiner Physik als Nebenfach einzuführen. Ferner wurde beschlossen, Mathematik zu einem Hauptfach an der Universität zu erheben und im Rahmen des mathematischen Instituts eine Dozentur für angewandte Mathematik zu errichten, sobald die hierfür erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen werden. Sodann wurde die Frage der akademischen Verwaltung der Universität besprochen. Es wurde ein Subkomitee eingesetzt, das Schritte zur Sicherung des rechtlichen Status der Universität als einer akademische Grade verleihenden Institution einleiten soll. Schließlich wurden die Bezeichnungen der akademischen Grade festgesetzt, die nach den ersten Graduierungsprüfungen im November dieses Jahres verliehen werden sollen. Hs wurde beschlossen, den Professor an der Berliner Universität, Dr. Gotthold Weil, zum Mitglied des Kuratoriums zu ernennen und ihn einzuladen, das nach dem Tode von Dr. Horovitz verwaiste Amt des beaufsichtigenden Direktors des orientalischen Instituts der Universität zu übernehmen. Endlich wurde eine Resolution angenommen, in der der Kanzler aufgefordert wird, im Einvernehmen mit der Jewisli Agency bei der Palästinaregierung um Erleichterung der Einreisebewilligung für jüdische Studenten vorstellig zu werden. Der Dozent für Zoologie, Dr. Fritz Bodenheimer, wurde zum außerordentlichen Professor ernannt. Richter Mack teilte mit, daß die neuen Pläne für das Rosenbloom-Hauptgebäude der Universität vollendet seien. Die Errichtung des Gebäudes wurde durch die Freigebigkeit von Frau S. Rosenbloom, die an der Sitzung des Kuratoriums teilnahm, ermöglicht. Beratungen der Exekutive der Jewish flgency Hasel, 21. Juli. (JTA.) Am 19. und 20. Juli i'andeii in Basel Beratungen der neugewählten Exekutive der Jewish Agency unter dein Vorsitz Sokolows statt. Zur Behandlung gelangten die lautenden Angelegenheiten, insbesondere die Verteilung der Dezernate. Es verlautet, daß Dr. Arlosorotl’, Mitglied der Palästina-Exekutive neben Farbslein, Senator, Berkson und Vit (des werden wird, während in London außer Sokolow die Herren Brodelski, Locker und zunächst auch Herr Emanuel Neuman ihren Amtssitz haben werden. Aber auch Herr Neuman gedenkt im Frühjahr 1932 nach Palästina zu übersiedeln, um dort in die Palästina-Exekutive einzutreten. Jerusalem, 22. Juli. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat Colonel Kisch aus Basel die Verständigung erhalten, daß Arlosorotl' die bisher Kisch zugewiesene Aufgabe, die Verbindung der Exekutive der Jewish Agency mit der Palästinaregierung aufrechtzuerhallen, übernehmen wird. Neueste Ergebnisse aus der Münchener Statistik Schwund der jüdischen Bevölkerung Die neuesten Zahlen, die uns über die jüdische Bevölkerung der Stadt München aufklären und nunmehr für das Jahr 1930 vorliegen, ergeben ein ganz trostloses Bild der Auflösung: Das typische Bild der jüdischen Großstadtbevölkerung in Deutschland, so typisch, daß sie gleichsam als Schulbeispiel eines untergehenden Volkes gelten können. Mag sein, daß einst eine Situationsänderung eintritt. Vorerst ist aber kein Umschwung festzustellen. Die Geburten nehmen ständig ab. Gehen wir einige Jahre zurück. Im Jahre 1926 wurden 82 Kinder in rein jüdischen Ehen zur Welt gebracht. Ein Jahr später ebenfalls 82 Kinder, 1928: 79, 1929: 76 und im vergangenen Jahre nur noch 62 und dies bei einer Seelenzahl von etwa 11 000 Juden, d. h. auf 1000 Juden entfallen kaum 6 Geburten pro Jahr. Und diese Zahl dürfte noch zu hoch gegriffen sein, weil in ihr auch Kinder von Müttern enthalten sind, die zwecks Entbindung vorübergehend Münchener Kliniken aufgesucht haben. Die Sterblichkeit zeigt eine unaufhörliche Zunahme. Von Jahr zu Jahr, worüber an dieser Stelle im 17. Jahrgang, Nr. 31, vom 1. August 1930, begründend berichtet wurde: 146 - - 149 129 — 145 und 1930 160 Gestorbene jüdischen Glaubens (ohne Totgeborene). Die jüdische Altersgliederung enthält die Begründung dieses Vorganges. In der Zeit von 1926 bis 1930 starben 348 Juden mehr als geboren wurden. Angaben über Zu- und Abwanderung dürften sehr wichtig sein, um über die Zahl der Juden in München Information zu liefern, wesentlich auch für die Gemeindeverwaltung. Die Eheschließungen zwischen jüdischen Partnern gehen zurück. An ungemischten Ehen zählte man im Jahre 1913: 51, 1926: 43, 1927: 28, 1928: 40. 1929: 43 und schließlich 1930 nur 32. Die Mischehen nehmen keineswegs in gleichem Ausmaße ab: 25, 25, 39, 38, 32, 31. Eine absolute Ab-, eine relative Zunahme. Gemischte Ehen zwischen jüdischen Männern und nichtjüdischen Frauen wurden im letzten Jahre fast dreimal so stark eingegangen als umgekehrt (23—8). Die Mischehen haben die rein jüdischen Ehen zahlenmäßig fast erreicht (31—32). Das Bild sieht nicht ganz so ungünstig aus, wenn wir erwägen, daß 64 Juden unter sich und 31 mit Nichtjuden sich verbunden. Trotzdem müssen wir von einer Auflösung, Zersetzung in höchstem Ausmaße reden.

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