Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 30 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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424 Das Jüdische Echo Nr. 30 eine Bank nur die positive Seite des Vertrauens vertragen kann. Es ist gewiß keine jüdische Bank gewesen, trotz der verschiedenen jüdischen Persönlichkeiten an ihrer Spitze. Heute stellt fest, daß der Zusammenbruch der Bremer Nordwolle den Anstoß gegeben hat. Daß sie aber ein Werk, wie dieses, von dessen Leitern inan seit langem wußte, daß sie die Hauplfinanziers der nationalsozialistischen Arbeiterpartei waren, daß sie tausende Mark den anderen nationalistischen und antisemitischen Verbänden zukommen ließen, daß sie gerade diese Bollwerke der nationalen und reaktionären Front finanzierten, ist doch wohl stärkster Gegenbeweis gegen diese angeblich jüdische „lnleressen“-Bank. Sie war so wenig jüdisch, wie diese Herren Lahusen Juden sind. Sie war vielmehr Herrn Hilgenbergs getreue Bank, bei deren Kredit die reaktionären Totengräberzeitungen des Scherlverlags blühten. Man könnte fast sagen* daß die Danatbank sich ihre Zerstörer selbst finanzierte. Sicher ist, daß sie nicht davor zurückschreckte, ihre Geschäfte mit den übelsten Hetzern zu machen. Herrn Goldschmidt, der ihr führender Kopf ist, trifft also eine Schuld, die mit normalem Maßstab gar nicht gemessen werden kann. Es ist auch hier ersichtlich, wie wenig von einem jüdischen Solidaritätsbewußtsein des Leiters der Bank gesprochen werden kann. Aber wir Juden, wir sind die Getroffenen, diejenigen, auf die sich schon jetzt der erste Groll entladet, und die noch stärker in Zukunft durch den wirtschaftlichen Schaden getroffen werden. Denn die neuerliche Erschütterung des Mittelstandes trifft in erhöhtem Maße die Mehrzahl der deutschen Juden, die mittelständische Existenzen sind. Wir werden sühnen müssen für eine Schuld, die nicht die unsere ist. In der Krise dieser Tage, die so recht sich unserer Trauer des Aws passen, schweift der Blick rückwärts zu den Tagen unserer hundertfachen Leiden auf deutschem Boden. Seitdem Juden in Deutschland siedeln, sind die Stationen ihrer Leiden ununterbrochen. Wir betrachten auch die jetzige Station als eine der vielen, die wir auf jahrhundertelangen Schicksalsweg durchwandern ,müssen. Das aber gibt uns auch den einzigen Halt. K. W. Hyänen Sofort, nachdem die Inflationsangsl das deutsche Publikum ergriffen hatte, tauchten Meldungen auf, wie man sie so gut kennt, denen man die hetzerische Tendenz sofort ansieht, wenn sie sich auch noch so objektiv geben und vorspiegeln reine Tatsachenberichte zu sein: die Bewohner gewisser Straßen Berlins betätigen sich schon wieder als Nutznießer des Unheils, als Devisenschleichhändler u. dgl. Auch Münchener Zeitungen brachten an auffallender Stelle solche Berichte. Demgegenüber darf darauf hingewiesen werden, daß die neugeschaffene Dienststelle des Berliner Polizeipräsidiums, deren Einrichtung eine reine Vorbeugungsmaßnahme war, b i s h e r nie h l eine m einzigen F all von v e r b o t e ne m Schleie h h a n d e1 m i t a u sländisch e n N o t e n a u f die S p u r g e k o m - men ist, wie sie seihst bekannt gibt. Nicht etwa weil die Beamten untüchtig sind, sondern weil das Bestehen eines solchen schwarzen Devisenhandels bisher reine Vermutung ist; im speziellen ist die Verdächtigung der ausländischen Juden reine Verleumdung und eine Gemeinheit, über die man allerdings, bei den Kampfmitteln, die in den deutschen Rechtskreisen nun einmal üblich sind, nicht verwundert sein kann. Aber es sei wenigstens festgestellt, daß nicht die Juden die Hyänen sind, die die deutsche Not ausbeuten, sondern im Gegenteil wie so oft die Kreise, die sich ihren Adel und ihre Anständigkeit nicht oft genug selbst bescheinigen können. Berichtigungen der Falschmeldung sind natürlich nicht erschienen, auch nicht in den Münchener Neuesten Nachrichlen. Baseler Äusklang Von unserem Korrespondenten Basel, 17. Juli 1931. Das politische Leben kennt nur in den seltensten Fällen Alternativen. Politische Parteien pflegen wohl ihre Forderungen so aufzustellen, daß man leicht zur Meinung verführt wird, die weitere Entwicklung vermag sich nur nach dem Rezept von Entweder-Oder zu vollziehen. Das Leben aber pflegt sich in der Regel um noch so scharf formulierte Programme nicht zu kümmern. Es hat eine andere Logik als die, welche in politischen Zirkeln zu herrschen pflegt. Die Logik des Lebens ist der Zwang der Gegebenheiten. Als man zum Zionistenkongreß nach Basel fuhr, da hieß es allgemein, es werde in Basel eine Schlacht geschlagen werden zwischen dem sogenannten Weizmann-Kurs und seinem Antipoden, dem revisionistisch-zionistischen System. Keiner wollte den Gedanken aufkommen lassen, daß es noch eine) dritte Möglichkeit gibt, nämlich eine Zwischenstellung zwischen beiden Richtungen, die in der weiteren Zukunft beide Möglichkeiten offen läßt, die Rückkehr zum reinen Weizmann-Kurs oder ein weiteres Hineingleiten in die Konzeptionen, wie sie von Revisionisten und ihren Helfern seit Jahren als das All-heilmittel zur Sanierung der zweifellos schweren Situation, in der sich die zionistische Politik befindet, proklamiert werden. Das wichtigste Ergebnis des Kongresses, und auch das weithin am meisten bemerkte, ist die Tatsache des Sturzes von Chaim Weizmann. Es niitzt nichts, etwas zu beschönigen. Das Mißtrauensvotum, welches Chaim Weizmann wegen der „unglückseligen Formulierung“ des von ihm der Jüdischen Telegraphen-Agentur gewährten Interviews ausgesprochen wurde, bezog sich nicht nur auf die „unglückselige Formulierung“, die Weizmann in der Beantwortung einer Interpellation der Arbeiterfraktion ohne weiteres zugab. Es war vielmehr der Ausdruck einer in weiten Kreisen des Kongresses gegen Weizmann vorhandenen Animosität. Man steht nicht ungestraft dreizehn Jahre lang an der Spitze einer Bewegung. In dieser langen Zeit ist besonders eine starke Führerpersönlichkeit mit scharfen Charakterkonturen oft in die Lage versetzt, Mitarbeitern und Freunden unbequem und unangenehm zu werden. Diese persönlichen Dinge häufen sich, erlangen großes Gewicht und beschweren dann die Schale der echten Opposition gegen das von dem Führer vertretene System. Die wirkliche Opposition gegen den Weizmann-Kurs sind die Revisionisten. Sie sind Anhänger einer Methode, die der realpolitischen Weizmanns genau entgegengesetzt ist. Zu dieser echten Opposition gesellten sich Gruppen und Grüppclien, deren politische Physiognomie, gelinde gesagt, sehr verschwommen ist. Die echte Opposition hat nun durch die Unterstützung von schwankenden Gestalten der Mitte, Weizmann zu Fall, zu bringen vermocht, nicht aber die von ihm vertretene politische Richtung, was sich im Verlaufe des Kongresses, und besonders in den letzten Tagen, ganz deutlich offenbarte. Ein Konklave ist immer eine gefährliche Angelegenheit, denn es ist leicht geneigt, nur sich zu sehen und ungehemmt seinen Instinkten zu folgen.