Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 30 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Kummer 30 24. Juli 1931 18. Jahrgang Deutsche Krise und jüdisches Schicksal Der Ausbruch der akuleu Finanzkrise in Deutschland betrifft uns alle so schwer, daß es noch nicht möglich ist, bis zu den letzten Gründen dieses Geschehens vorzudringen. Man kann nur versuchen, das, was von jüdischen Gesichtspunkten, unter denen die Ereignisse zu sehen, für uns naturgemäß nahe liegt, gesagt werden muß, in möglichster Objektivität und Besonnenheit vorzubringen. * Als der Iloover-Plan die Welt überraschte, wußte man nicht, wie verheerend sich die dauernden Ivredilabziige bei den deutschen Banken auf die Gesajnllage schon ausgewirkt hatten. Hier ist nämlich der Stein, der die ganze Lawine ins Rollen brachte. Da schon im Augenblicke die notorischen Geschichtsklitlerer und -falscher am Werke sind, wird man gut daran tun, überall auf den Umstand hinzuweisen, daß der Beginn der Geldabzüge seit dem 14. September datiert; seitdem die offiziellen und offiziösen Stellen nichts dagegen taten, um den immer mehr überhandnehmenden, militanten und skandalierenden Nationalismus einzudämmen. Sie liebäugelten sogar mit ihm, die Gerichte waren von unangebrachter Schonung und Milde, wenn es sich um Ausschreitungen jener Elemente handelte die mit ihrem Geschrei die Well beunruhigen, die von einer instinktlosen Diplomatie ihre „Aktivität“ in Dummheiten außenpolitischen Charakters umwandeln ließen, die nur glaubten, daß die Juden diese Dinge als belästigend empfinden würden, sozusagen eine unwichtige und unbeachtliche Begleiterscheinung. Man hat vergessen, daß das Ausland, auf das Deutschland angewiesen ist, von dem es Milliarden auf Kredit hineingenommen hat, dieser dauernden Verletzung von Ehre" und Recht, dieser wüsten Ausschreitungsserie mit immer wachsendem Schrecken zusah, daß es nicht so sehr um das Wohlergehen der Juden sich Sorgen machte, sondern um die Gefährdung seiner Gelder. Immer wieder wurde von besonnenen und über die Stimmung des Auslandes informierten Menschen gewarnt, daß man es zu weit treibe, daß man nichts anderes erreichen werde als die, von deren Geldern man ebenso abhängig ist wie von ihrer Meinung, kopfscheu zu machen. Es ist den vereinigten Anstrengungen der „nationalen“ Meute gelungen, wieder einmal schweres Unglück über Deutschland zu bringen. Sie macht das seit 1914 mit einigem Erfolge, wie man sagen muß. a- Wie das nun einmal üblich ist, sind die Juden an diesem Tohuwabohu natürlich schuld. Diesmal war es das internationale „jüdische“ Finanzkapital, das Deutschland an den Rand des Ruins gebracht hat. Diese Schlauköpfe spekulieren nämlich darauf, nur sich selbst ins Unglück zu stürzen. Wenn man nämlich diesen abstrusen Gedankengängen nachgeht, dann hat das internationale jüdische Bankkapital die DanaIbank auf dem Gewissen, und damit die ganze Finanzmisere. Dabei ist doch nach diesen Ansichten die Danatbank selbst nur ein Ableger dieser mächtigen Gruppe gewesen. Der Zirkel, der hier geschlagen wird, ist wirklich fehlerhaft. Gäbe es wirklich so etwas wie ein internationales jüdisches Finanzkapital, es hätte bestimmt diesen schweren Schlag zu vermeiden gesucht. Man verwechselt immer wieder Personen und Sache. Die Tatsache, daß im Bankwesen heule Juden an führender Stelle tätig sind, beruht auf ihrer historischen und tatsächlichen Begabung gerade für diesen Beruf. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Wäre dieses nur in den überhitzten Köpfen der berufsmäßigen Hetzer bestehende Gebilde der internationalen Finanz vorhanden, man hätte gewiß alles versucht, um die von einem Juden geführte und geleitete Bank zu halten. Aber wir wollen uns nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie es in den Köpfen der gewissenlosen und dummen Hetzer aussieht. Sie werden jede weitere Gelegenheit mit Freude benützen, um den ,,Finanzjuden“ als den Alleinschuldigen hinzustellen. Es gelingt ihnen leider, bei der politischen Unwissenheit und Instinktlosigkeit weiter Kreise, damit in viel zu großem Umfange durchzudringen. Sich seihst an die Brust zu schlagen, die eigene Schuld zu sehen, die Gebote einer auch unangenehmen Vernunft zu berücksichtigen, weil sie im Völkerlehen verlangt wird und Deutschland gerade jetzt die schmerzvolle Belehrung erhält, daß es niclits gegen, sondern alles nur mit den europäischen Staaten unternehmen kann, all das sind Überlegungen, die nicht einmal in schweren Träumen den angeblich nationalen Männern eingehen. Sie haben den Krieg verloren, sie haben den Frieden verloren, sie haben die Inflation gemacht, sie haben die Ruhrbeselzung herbeigeführt, sie plündern die Massen aus, sie entrechten den Bürger, sie rauben den Arbeitslosen die letzten Pfennige, sie sind die Schuldigen der jetzigen Krise. Aber sie nennen sich national, sie sind die „Retter“. Das Schlimmste ist, daß ihnen allzu große Massen glauben, daß man ihren Tiraden und Hetzen, ihren Demagogien und Verleumdungen noch immer Gehör schenkt. Jakob Goldschmidt ist die führende Figur der Darmstädter und Nationalbank gewesen. Seit einigen Monaten befindet sich dieser Mann, dessen Energie und Schaffenskraft man, als alles noch gut ging, nicht genug loben konnte, im Kreuzfeuer einer Hetze von Rechts und Links. Von den Hakenkreuzlern wurde an der unabwaschbaren Tatsache, daß Goldschmidt jüdischer Abstammung ist, der bekannte Anstoß genommen. Er galt ihnen als der Prototyp des „Bankjuden“, als der Stellvertreter der Weisen von Zion, als der Vollstrecker der Auspowerung Deutschlands und wie alte diese entsetzlichen Ammenmärchen alle lauten. Als es dann ein wenig ruhiger von dieser Seite wurde, ging das Gepolter von kommunistischer Seite los: Goldschmidt hat den Nazis Geld gegeben, er hat die sozialistische Presse mit 800 000 RM. gekauft, er hat den Stahlhelm finanziert, er hat die Nazis finanziert; mehr Geschmack als ihre ultrarechten Gegenspieler bewiesen auch die ultralinken Genossen nicht. In den letzten Wochen konzentrierte sich dann das Trommelfeuer auf die Danat-Bank selbst. Sie unterlag diesem Treiben, da auch ihre Kunden beunruhigt wurden und