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Das jüdische Echo · 1931-07-17 · 29 (17.7.1931) · p. Seite 417

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
29 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
Seite 417 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 29 417 Das Jüdische Echo Nach der Eröffnungsrede Dr. Cyrus Adlers hielt, während sich die Anwesenden von den Sitzen erhoben, Präsident Nahuni Sokolow dein verstorbenen Präsidenten des Council der Jewish Agency, Louis Marshall, und dem verstorbenen Vizepräsidenten des Council, Lord Melchell, sowie den übrigen verstorbenen Mitgliedern des ersten Council ehrende Nachrufe. Es folgte eine Begrüßungsansprache des Vertreters fies Völkerbundes Vita Catastini, der schon vor einigen Tagen in Basel eingetrotTen ist, um als Direktor der Mandalsabteilung des Völkerbundes den letzten Sitzungen des XVII. Zionislenkongresses als Beobachter beizuwohnen. Die Tagung wurde sodann von einem Vertreter der Stadt Basel, vom Regierungsrat Im Hof als Vertreter der schweizerischen Bundesregierung und vom Regierungsrat Meyer im Namen des Bundes schweizerischer jüdischer Gemeinden begrüßt. Der bisherige Präsident der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann wohnte der Sitzung nicht bei. Es fehlen u. a. auch der frühere Präsident des Administrative Committee der Jewish Agency, Herr Felix M. Warburg, Neuyork, und das Mitglied des Präsidiums der Agency, Herr Direktor Oskar Wassermann ,Berlin. Der neue Oberkommissär für Palästina London, 14. Juli. (JTA.) Zum Nachfolger des gegenwärtigen britischen High Commissioners von Palästina, Sir John Chancellor, wurde General Grenfell Wauchope bestimmt. General Wauchope, der sein neues Amt als palästinensischer Oberkommissar am 1. November antreten soll, ist eine prominente Persönlichkeit der englischen Generalität. Während des Weltkrieges befehligte er eine englische Heeresgruppe an der französischen Front und wurde mehrmals verwundet. Später war er Militärkommandant von Nord-Irland. In den Jahren 1924 bis 1927 war er Chef der britischen Sektion der Internationalen Abriistungskommission in Berlin. (Der Zionistischen Organisation war von der beabsichtigten Ernennung keine Kenntnis gegeben worden; die Haltung des Generals Wauchope zu den Palästinaproblemen ist ebenso unbekannt, wie seine Eignung für den ihm übertragenen Posten.) Eine Instruktion des Kolonialamtes zur Durchführung des Landentwicklungsplans in Palästina Die Forderungen der Jewish Agency nur zum geringen Teil berücksichtigt Basel,, 9. Juli. (JTA.) Der soeben in Basel bekannt gewordene Inhalt einer telegraphischen Instruktion des britischen Kolonialamtes an den H'igh Commissioner Sir John Chancellor über die Durchführung des Landentwicklungsplanes sowie das Begleitschreiben Lord Paßfields zu dieser Instruktion haben in den Kreisen der Kongreßdelegierten lebhafte Beunruhigung ausgelöst. Die Instruktion, die am Donnerstag, den 9. Juli, in Palästina offiziell’kundgemacht werden sollte, bildete den Gegenstand einer erregten Debatte in der Politischen Kommission, die die ganze Nacht hindurch die durch diese neue Verlautbarung des Kolonialamtes geschaffene Lage beriet. Das Dokument wird von der Politischen Kommission als ungünstig für die jüdischen Interessen beurteilt. Die wichtigste Forderung der Jewish Agency, nämlich die Forderung, es solle von vornherein festgesetzt werden, daß Juden und Araber in gleicher Weise aus der Durchführung des Landentwicklungsplanes Vorteil ziehen sollen, ist unerfüllt geblieben. In dem Briefe wird bloß erklärt, die die Regierung habe diese Forderung zur Kenntnis genommen. Der Landentwicklungsrat wird aus einem Juden, einem Araber und einem Engländer bestehen. Trotz der seitens der Jewish Agency dagegen erhobenen Einwände ist der High Commissioner in Fragen des Landentwicklungsplanes höchste Instanz. Den einzigen für die Juden günstigen Punkt bildet eine Klausel, derzufolge der Begriff der „dislozierten Araber“ im Sinne des MacDonald-Briefs verstanden werden soll. Der betreffende Paragraph des MacDonald-Briefs (§ 9) wird in der Instruktion im Zusammenhang mit der Klausel zitiert. In der Politischen Kommission des Kongresses herrschte große Bestürzung über die Instruktion des Kolonialamtes, die als neuer Beweis für die unfreundliche Haltung dieses Ministeriums gegenüber den Bestrebungen zur Schaffung der jüdischen Heimstätte in Palästina aufgefaßt wird, Aus der jüdischen Weit Friedrich Gundolf gestorben Heidelberg, Iß. Juli. (JTA.) Am Sonnlag, dem 12. Juli, vormittags, verstarb in der Heidelberger Universitätsklinik der Professor der deutschen Literaturgeschichte an der Universität Heidelberg Dr. Friedrich Gundolf im Aller von 51 Jahren. Gundolf war seil längerer Zeit gallenleidend, in den letzten Tagen stellten sich innere Blutungen ein, dazu gesellte sich eine schwere Sepsis, die den Tod herbeiführte. % Mit Friedrich Gundolf, dessen Persönlichkeit und Entwicklung durch den engen geistigen Zusammenhang mit dem Dichter Stefan George bestimmt sind, ist einer der schöpferischsten deutschen Literaturhistoriker dahingegangen. Friedrich Gundolf wurde 1880 in Darmstadt als Sohn des Universitätsprofessors der Mathematik Siegmund Gundelfinger geboren. Er gehörte de,m Judentum an, ohne je für jüdische materielle und geistige Angelegenheiten ein besonderes Interesse zu bekunden. Selbstmord eines relegierten jüdischen Studenten Berlin, 13. Juli. (JTA.) Einer der drei von der Universität Berlin verwiesenen linksgerichteten Studenten, der 19jährige Leo Dobriner, hat sich mit Gas vergiftet. Er war früher Mitglied der kommunistischen Hoehgruppe, war aber aus derselben ausgetreten. Er wagte nicht mehr zu seinen Eltern nach Gransee in der Mark zurückzukehren, nachdem ihm jede Hoffnung, sein Studium fortzuselzen, genommen worden war. Konstituierung des Weltverbandes Allgemeiner Zionisten Basel, 12. Juli. (JTA.) Unter dem Vorsitz von Dr. Schwarzbarth und in Anwesenheit von Vertretern aus 26 Ländern hat ich der Weltverband Allgemeiner Zionisten nach einem Referat von Dr. Mossinsohn konstituiert. Zum Präsidenten des Verbandes und der Leitung wurde Dr. Schwarzbarth (Krakau) gewählt. Zu Leitungmitgliedern wurden gewählt: Dr. Thon, Dr. Feldblum (Krakau), zwei Vertreter aus Amerika, Dr. Landsberg und ein zweites Mitglied aus Deutschland, Dr. Schmorak und ein zweites Mitglied aus Ostgalizien, Levite und Hindes aus Kongreßpolen, Dir. Bernhard (Großrumänien), Dr. Grünbaum (Österreich), ferner aus Palästina, wo eine Zweigstelle der Leitung bestehen wird: Berlin, Dr. Glücksohn, Dr. Mossinsohn, Suprasky und Dr.

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