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Das jüdische Echo · 1931-07-17 · 29 (17.7.1931) · p. Seite 414

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
29 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
Seite 414 (sequence 6)
Language
German
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414 Das Jüdische Echo Nr. 29 litisclien Kommission vorgeschlagenen Mehrheitsanträge, gelangt zuerst der nachstehende Antrag zur Abstimmung: „Der Kongreß bedauert die im Ita-Interview gemachten Äußerungen Dr. Weizmanns und erachtet seine auf die Interpellation erteilte Antwort als unzureichend.“ Dieser Antrag wird mit 123 zu 106 Stimmen angenommen, nachdem zuvor ein Antrag der Arbeiterparteien, über diesen Antrag zur Tagesordnung zu gehen, der von Arlosoroff begründet wurde, abgelehnt worden war. Arlosoroff beantragt hierauf namens der Arbeiterfraktion, über sämtliche Anträge zur Endzielformulierung zur Tagesordnung überzugehen, ln einem Augenblick, wo die Arbeit in Palästina stillsteht und die finanzielle Lage immer bedrohlicher wird, haben pseudopolitische Strömungen am Kongreß durch, die Zuspitzung fiktiver Gegensätze den Kongreß unfruchtbar gemacht. Das Ziel des Zionismus sei klar und bedürfe keiner neuen Interpretation. Man müsse den letzten Versuch machen, den Kongreß vor einer schädlichen und sinnlosen Handlung zu warnen. Dr. Goldmann spricht gegen diesen Antrag. Bei einer normalen und ruhigen Situation der Bewegung müßte man keine Endziele formulieren, ln der gegenwärtigen Situation stelle aber die zionistische Bewegung eine ebenso wichtige Realität dar wie außenpolitische Faktoren. Eine Diskussion, die seit zwei Jahren andauere und auch auf dem Kongreß sechs Tage ausgefüllt habe, könne man nicht durch Übergang zur Tagesordnung beenden. Die Resolution der Kommission stelle eine Zurückweisung alles dessen dar, was man die liquidatorischen Tendenzen des Zionismus nenne. Der Antrag auf Übergang zur Tagesordnung wird mit 103 zu 120 Stimmen abgelehnt und, da die Abstimmung angezweifelt wird, in namentlicher Abstimmung nochmals mit 109 zu 122 Stimmen abgelehnt. M. Großmann ist der Ansicht, daß gerade die Vorgänge auf dieser Sitzung einen Beweis für die Notwendigkeit einer Klärung bringen. Das zionistische Ziel und der Judenstaat wurden zu einer kleinen miserablen Resolution zurechtgeschnitten und mit den gewöhnlichsten Methoden ist versucht worden, den Kongreß selbst von diesem Minimum abzubringen. Man habe um den Begriff Judenstaat eine Atmosphäre von Panik geschaffen. Man müsse dagegen protestieren, wenn der Staatsgedanke als etwas Gefährliches und Schädliches hingestellt werde. Der Zionismus habe nie verheimlicht, daß er zu einem Judenstaat und zur jüdischen Mehrheit strebe, ein H'eim ohne Unterdrückung, und man müsse dies ehrlich und offen von der Kongreßtribüne in die Welt sagen. Es wird beantragt, über die von den Revisionisten vorgechlagene Endziel-Resolution zur Tagesordnung überzugehen. Kazenelson weist in Begründung des Antrages darauf hin, daß die jüdische Arbeiterbewegung die erste gewesen sei, die nach Ugandah und nachdem alle politischen Wege verschlossen waren, die Last des persönlichen Opfers und der realen Arbeit auf sich genommen habe. Der Jischuw fühle die außenpolitischen Argumente sehr stark und diese Debatte sei von Grund aus schädlich, weil sie nur imstande sei, die Feinde des Zionismus zu mobilisieren. Vor dem Minderheitsantrag der Revisionisten gelangt die Mehrheitsresolution der Politischen Kommission zur Abstimmung, die folgenden Wiortlaut hat: „Angesichts der wiederholten Versuche, das Wesen des Zionismus zu entstellen, erklärt der XVII. Zionistenkongreß: Der Zionismus ist die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes. Er hält an seinem im Basler Programm niedergelegten Ziel unerschütterlich fest, in Erez Israel die Lösung der Judenfrage herbeizuführen. Das heimatlose, landlose, zur Auswanderung drängende Volk will durch seine Wiederverwurzelung in seinem historischen Heimatland auf dem Wege einer ununterbrochenen Einwanderung und Ansiedlung seine wirtschaftlich, geistige und politische Not überwinden und in Erez Israel ein mit allen Merkmalen eines normalen Volkslebens ausgestattetes Dasein erneuern. Der Kongreß weist jeden Versuch, dieses Ziel zu verkleinern, mit Entschiedenheit zurück.“ Der Antrag wird mit 162 Stimmen bei Stimmenthaltung der übrigen anwesenden Delegierten angenommen. Ein Amendement-Antrag von Grünbaum, dem dritten Absatz zu ergänzen durch die Formulierung „staatliches Dasein“, wird mit 60 zu 115 Stimmen abgelehnt. Darauf gelangt der Antrag der Arbeiterfraktion, über den Resolutionsantrag der Revisionisten zur Tagesordnung iiberzuhehen, zur Abstimmung. Die Revisionisten beantragen namentliche Abstimmung, die auch durchgeführt wird, und eine Annahme des Antrages, zur Tagesordnung überzugehen, mit 121 zu 58 Stimmen ergibt. Nun kam es zur Auflösung der bis dahin streng gewahrten Ordnung. Auf einen Wink Jabotinskys erhoben sich die revisionistischen Delegierten und schickten sich an, den Kongreßsaal zu verlassen. Der Vizepräsident der Revisionistischen Weltunion, Meer Großmann, wollte eine Erklärung abgeben, kam jedoch über die Worte: „Namens 52 revisionistischer Delegierter, die 65 000 Wähler repräsentieren...“ nicht hinaus; seine weiteren Ausführungen gingen in Lärm und Tumult unter. Die gesamte Linke hatte die „Hatikwah“ angestimmt, während Meer Großman und andere Revisionisten ihr zuriefen: „Verräter! Ihr habt die Hatikwah samt dem Zionismus verraten.“ Inzwichen hatten jugendiche Revisionisten die zionistische Fahne von der Besuchergalerie heruntergerissen. Diese Demonstration wurde mit stürmischen Pfuirufen aufgenonnnen. Der Tumult legte sich erst, als es gelungen war,, die Lahne an ihrem ursprünglichen Platz wieder zu befestigen. Während die Linke unausgesetzt hebräische Lieder sang, bestieg Jabotinsky einen Tisch und zerriß mit dem Rufe: „Dies ist kein Zionistenkongreß mehr!“ seine hoch emporgehaltene Kongreßlegitimationskarte. Sodann verließen die Revisionisten unter seiner Führung., die Hatikwah singend, in geschlossener Formation den Kongreßsaal. Es war gegen vier Uhr morgens, als das Präsidium die Sitzung schloß. In der 20. Sitzung, Montag abend, erklärte Großmann für die Revisionisten, daß seine Fraktion zum Protest gegen die Handlungsweise der Majorität in der Endzielfrag_e den Kongreßsaal verlassen habe, daß sie jedoch, um die Würde der Kongreßtribüne zu wahren und das Mandat ihrer Wählerschaft zu erfüllen, wieder die Mitarbeit am Kongreß aufnehme, unbeschadet der Stellung innerhalb der Zionistischen Organisation, die im geeigneten Zeitpunkt klargelegt werden wird.

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