Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 29 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- Seite 412 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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412 Das Jüdische Echo Nr. 29 Die vierzehnte Sitzung fand am Donnerstag vormittag statt. Herr Suprasky erstattete ein Referat über Handel und Industrie in Palästina; den Bericht der Gesundheitskommission gab Miß Frankel. Die von ihr vorgeschlagenen Resolutionen wurden ohne Debatte angenommen. In ihnen wird die Übertragung der Hadassahinstitutionen auf den Jischuw begrüßt und die Jewish Agency zur Führung weiterer Verhandlungen in dieser Richtung aufgefordert. Die Knesseth Jisraeh wird aufgefordert den Betrag von 3500 Lst. aufzubringen, damit das Gesundheitswerk nicht gefährdet werde. Es wird festgestellt, daß die Palästinaregierung ihre Pflichten gegen das Gesundheitswerk nicht erfüllt hat und die Verpflichtung der Regierung zur Unterstützung der jüdischen Institutionen betont. In der fünfzehnten Sitzung vom Freitagvormittag erstattete Naiditsch den Bericht der Wirtschaftskommission. Deren Resolution fordert die Gründung von Körperschaften in allen Ländern zum Zwecke der Organisierung und Förderung der Privatinitiative mit dem Aufgabenkreis: Investierung von kleinen Kapitalien in sicheren Anlagen, Förderung der Ansiedlung von kleinen und Mittelkapital :sten, Heranziehung von größeren Kapitalien für großindustrielle Unternehmungen,, Organisation eines rationellen Informationsdienstes in Palästina und den größeren jüdischen Zentren, sowie des Absatzes der palästinensischen Produkte. Darauf sprach Brodie über die Beschleunigung der Absorptionsfähigkeit Palästinas und zeigte Wege dazu auf. Nachdem zum Bericht der Wirtschaftskommission Josef L. Cohen, Leon Levite, Louis Lipsky und Mereminski gesprochen haben, wird die vorgeschlagene Resolution mit einer geringfügigen Änderung angenommen. Die sechzehnte Sitzung, Freitagnachmittag, war den Organisationsproblemen gewidmet, über die Dr. Aron Barth referierte. Die Resolution, Organisation und Propaganda in den Vordergrund der Arbeit der Zionistischen Exekutive zu rücken, wird einstimmig angenommen; für die Frage der Organisation und Propaganda wird der Exekutive eine Kommission beigegeben, die von der Exekutive nach Fühlungnahme mit den Verbänden eingesetzt und in ihrer Zusammensetzung von AC. bestätigt werden soll. Hinsichtlich des Schekels beantragte die Exekutive, das Wahlrecht zum Kongreß an den Besitz der Schekalim beider Jahre zu binden. Die Exekutive hat hinzugefügt, daß im kongreßlosen Jahr nicht gelöste Schekel im Kongreßjahr nachgezahlt werden können. Zur Begründung eines Minderheits-Antrages sprechen Dr. Stubb und M. Neustadt. Das Minderheitsvotum über den zweijährigen Schekel wird nach einer Debatte- (Joachim Neiger, Hellmann, Berger) abgelehnt und der Antrag der Kommission angenommen, daß in Ländern,, in denen es die Exekutive für durchführbar hält, im kongreßlosen Jahr der Schekel zugleich mit dem Schekel des Kongreßjahres entrichtet werden kann. Dr. Barth begründet den Antrag der Kommission, die Schekelquote, die zur Entsendung eines Delegierten berechtigt, mit 3000 per Kongreßperiode festzusetzen mit Ausnahme, daß Länder mit mindestens 1500 Schekalim zur Wahl eines Delegierten berechtigt sind und daß die für Palästina bestehende Prärogative auf die doppelte Zahl von Delegierten aufrecht erhalten bleibt. Bei der Behandlung der Minderheitenanträge auf Abschaffung der Prärogative bzw. Wahlrecht für alle Mitglieder der Knesseth Jisrael, die das zionistische Programm durch schriftliche Erklärung anerkennen, entwickelt sich eine lebhafte Auseinandersetzung, an der sich Dr. Hoffmann, Mossitisohn, Jabotinsky und Dr. Barth beteiligen. Die Minderheitsanträge werden abgelehnt. Bei der Abstimmung über die Schekelquote der kleinen Länder sowie über den Kommissionsantrag zur Novellierung des Wahlrechts erfolgt nach kurzer Besprechung des Minderheitenvotums Annahme. Eine lebhafte Debatte entwickelt sich über die Frage der Zusammensetzung der Hauptwahl-Kommission. Der Antrag von Rabbiner Halpern, daß in Landesschekelverbänden, wo mehr als zwei zionistische Gruppen existieren, keine Gruppe das Recht hat, mehr als 40 Prozent der Mitglieder der Hauptwahlkommission zu bilden,, wird angenommen. Ebenso nimmt der Kongreß einen Antrag an, der mit Befriedigung feststellt, daß zwischen der Exekutive und dem Zentralkomitee der jüdischen Beamtenorganisation in Palästina Verhandlungen bezüglich eines Arbeiterreglements eingeleitet wurden. Dr. Barth teilt ferner mit, daß die Subkommission, die von der Organisationskommission zur Behandlung der Frage der Jewish Agency eingesetzt wurde, dem Kongreß keine Anträge vorlegt, mit Ausnahme des Minderheitsvotums der Revisionisten, das Abkommen mit der Jewish Agency zu kündigen. Dr. Barth gibt einen ausführlichen Bericht über den Gang der Verhandlungen in der Kommission. Hierauf begründet Jabotinsky den Minderheitsantrag der Revisionisten. Der Antrag sei gestellt zur Wahrung der politischen Prärogative der Zionistischen Organisation als der einzigen Trägerin des zionistischen Ideals. Konsequenzen hinsichtlich der ökonomischen Kooperation mit den Nichtzionisten zu ziehen, sei verfrüht, und die Revisionisten seien bereit, alle Formen der ökonomischen Mitarbeit zu unterstützen. Verhandlungen über Anleihen, landwirtschaftliche Tätigkeit mit Behörden oder Regierungen sind aber politische Tätigkeit. Der Antrag der Revisionisten auf Kündigung der Verträge mit der Jewish Agency wird mit 121 gegen 48 abgelehnt. Im der 17. Sitzung, Samstag abend, erstattet Schkolnik Bericht der Kolonisations-Kommission. Der Bericht weist auf die Bedeutung der mit einigen Siedlungen im Nuris-Block abgeschlossenen Siedlungsverträge hin und teilt mit, daß die Kommission einen umfassenden Plan zur Konsolidierung der Siedlungen ausgearbeitet hat. Der Berichterstatter legt dem Kongreß eine Reihe von Resolutionen über landwirtschaftliche und städtische Kolonisation vor. In diesen Entschließungen, die zum größten Teil ohne Debatte, zu einem Teil nach einer Diskussion über zu ihnen vorgeschlagene Minderheitsvoten und Amendements angenommen werden, nimmt der Kongreß davon Kenntnis,, daß das Budget zur endgültigen Konsolidierung aller Siedlungen 262 000 Pfund betrage, welche Summe als Schuldverpflichtung der Jewish Agency an die Siedler anzuseben ist. Es sollen alle Anstrengungen gemacht werden, diesen Betrag schnellstens aufzubringen. Der Kongreß begrüßt die Mitteilung, daß die Siedlungen im Nurisgebiet und einige Siedlungen im Afulehgebiet so weit ausgebaut sind, daß sie auf weitere Zuschüsse der Agency verzichten