Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 29 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 29 17. Juli 1931 18. Jahrgang Nahum Sokolow Präsident der Zionistischen Organisation Der Kongreß tagt neben dem Council der Jewish Hgency weiter Basel, 15. Juli. (JTA.) Der XVII. Zionistenkongreß wählte in seiner Sitzung am Dienstag, dem 14. Juli, abends, Herrn Nahum, Sokolow, bisher Präsident der Zionistischen Exekutive, mit 118 gegen 48 Stimmen zum Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation anstelle Dr. Chaim Weizmanns, der dieses Amt seit dem Juli 1920 bekleiclet hat. Für Sokolow stimmten außer den Allgemeinen Zionisten, Gruppe B, dem Misrachi und den Radikalen, auch die Revisionisten, gegen Sokolow die Arbeiter-Linke, sowie die von Kurt Blumenfeld und Dr. Eder geführte Gruppe A der Allgemeinen Zionisten. Kurt Blumenfeld und Berl Locker gaben vor der Abstimmung Erklärungen ab, daß, wenn auch die von ihnen vertretenen Gruppen nicht für Sokolow stimmen, dies nicht als persönlicher Affront gegen Sokolow aufgefaßt werden möge. Ihre Gruppen setzen sich dafür ein, daß gleichzeitig mit der Wahl des Präsidenten auch die Bildung der Exekutive erfolge,, damit die zukünftige Politik der Organisation schon bei der Wahl des Präsidenten festgelegt werde. Da aber der Kongreß die Bildung der Exekutive auf eine spätere Sitzung verschoben hat, seien sie und ihre Freunde nicht in der Lage, für Sokolow als Präsidenten der Organisation zu stimmen. Robert Stricker gab im Namen der Revisionisten eine Erklärung ab, daß seine Partei zwar für die Präsidentschaft Sokolows stimmen wird, daß sie aber durch diese Abstimmung nicht ihre politische Haltung für die Zukunft festgelegt haben will. Nach der Wahl des Präsidenten der Organisation vertagte sich der Kongreß für spät nachts, da die Eröffnung der zweiten Tagung des Council der Jewish Agency unmittelbar bevorstand. Nach Beendigung der ersten Sitzung des Council der Jewish Agency versammelten sich Kongreßdelegierte, Gäste und Journalisten wiederum im Sitzungssaal und warteten auf den Beginn der Schlußsitzung des Kongresses, in der die Exekutive gewählt, die politischen Resolutionen gefaßt und u. a. über den Mac Donald-Brief abgestimmt werden sollte. Stunde um Stunde verging, ohne daß die Sitzung eröffnet wurde. Vom Kongreßpräsidium wurde die die Nacht teils schlafend, teils singend verbringenden Delegierten und Gäste immer wieder darauf vertröstet, daß die Permanenzkommission bald mit ihren Beratungen fertig werde und daß dann sofort das Kongreßplenum zusammentreten werde. Am Mittwoch, dem 15. Juli, 7.30 Uhr morgens, erschien der Präsident des Kongresses, Herr Leo Motzkin, auf der Tribüne und verkündete, daß der Permanenzausschuß nach achtstündiger Beratung zu keinem Ergebnis kommen konnte und sich vertagt hat. Der Kongreß werde heute,' Mittwoch, 5 Uhr nachmittags, zu einer Plenarsitzung zusammentreten und kraft seiner Souveränität selbst eine neue Exekutive wählen, falls der Permanenzausschuß bis dahin nicht in der Lage sein sollte, bestimmte Vorschläge zu machen. Die Hauptschwierigkeit bei der Bildung der Exekutive ist der Umstand, daß man keinen geeigneten politischen Referenten für die Londoner Exekutive finden konnte. Prof. S. Brodetzky, der dieses Referat innerhalb der Londoner Exekutive bis jetzt vertreten hat, ist nicht gewillt, die neue Politik zu vertreten, während die Linke, an die man mit der Forderung, einen politischen Referenten zu stellen, herangetreten war, Bedingungen -stellte, die den anderen Gruppen unannehmbar erschienen. Eine dieser Bedingungen ist bekanntlich die, daß der Kongreß seinen mit 87 gegen 74 Stimmen angenommenen Beschluß (revisionistisches Minderheitsvotum), in welchem das 'Bedauern über den Verzicht auf Vertretung nationaler Ideale seitens der Leitung der Jerusalemer Universität ausgesprochen und die Exekutive beauftragt wird, über den nationalen Geist der Universität zu wachen, annulliert. Der Verlauf der Kongreßverhandlungeil (Fortsetzung) ln der dreizehnten Sitzung am Dienstag, 7. VI1 abends, sprach nach Louis Lipsky noch einmal Weizmann. In einer großangelegten Rede trat er allen seinen Kritikern gegenüber; vor allem Stephan Wise. Damit war die Generaldebatte beendet; da kein Mißtrauensantrag gestellt worden war, galt damit die Decharge als erreicht. Die neue Exekutive gewählt Der XVII. Zionistenkongreß geschlossen Basel, 16. Juli. (JTA.) Am Mittwoch, dem 15. Juli, abends, trat der Zionistenkongreß noch einmal zusammen, um die Wahl der neuen Exekutive der Zionistischen Organisation vorzunehmen. Vor dem Wahlakt erschien Dr. Chaim Weizmann gemeinsam mit den Delegierten der Linken im Saale und wurde mit langandauernden Ovationen empfangen, an denen sich bloß die rechte Seite des Kongresses nicht beteiligte. Um 5.30 Uhr abends war die Wahl der neuen Exekutive vollzogen. Sie besteht aus folgenden Mitgliedern: H. Farbstein, Misrachi; Dr. Ch. A r 1 o s o r o f f, Hitachduth; Prof. Dr. Brodetzky, Allg.; Berl Locker, Poale Zion und Emanuel N e u m a n n, Allg. Amer.