Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 28 (10.7.1931)
- Date
- 1931-07-10
- Page
- Seite 405 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 405 Das Jüdische Echo trat und mir sagte: „Weizmann, es ist ein Junge!“ Das war eine verhältnismäßig leichte Geburt. Die Geburlswelien der Balfour-Deklaration slellten sieh erst in einem späteren Stadium ein. Jetzt, nach 13> Jahren, ist der Junge Barmizwah geworden. Ich habe ihn von seiner Geburt bis zu seiner Konfirmation begleitet und vertraue ihn nunmehr Ihrer weiteren Fürsorge an. Damit bin ich am Schlüsse des politischen Teiles meines Berichtes. Weizmann erörterte noch eingehend die wirtschaftlichen Probleme in Palästina und unterstrich das Ziel einer friedlichen Zusammenarbeit mit den Arabern. Er schloß mit der Erklärung, daß er formell und endgültig sein Amt niederlegt, dabei das Gefühl hat, die Bewegung ihrem Ziele näher gebracht zu haben. Als er geendet hatte, erscholl langanhaltender, stürmischer Beifall. Zahlreiche Delegierte drängten sich zur Tribüne, um ihn zu beglückwünschen. * * * Eine große Keren-Kajemeth-Spende Salman Schockens Basel, 6. Juli. (JTA.) Aus Anlaß der Jahrzeit Theodor Herzls spendete Salman Schocken, der hervorragende deutsche Wirtschaftsführer und Zionist, Mitglied des Direktoriums des Keren Kajemeth, eine Summe von 3000 Pfund (60 000 RM.) für den Keren Kajemeth zum Ankauf und zur Entwicklung von Boden für neue jüdische Siedlung. Die Lage in Saloniki Die Juden flüchten Athen, 1. Juli. (JTA.) Nach der letzten aus Saloniki eingetroffenen Meldung verlassen große Scharen der jüdischen Bevölkerung die Stadt Saloniki, um benachbarte und entferntere Städte aufzusuchen, da auch nach dem Brande der Terror der Nationalisten gegen die Juden nicht aufgehört hat. Die Synagogen sind von durch den Brand abdachlos gewordenen Familien, die in ihnen Zuflucht suchen, überfüllt. Es verlautet, daß zwei jüdische Familien bei dem Brande ums Leben gekommen sind. Als die Juden aus den brennenden Häusern flohen, verlegten ihnen nationalistische Gruppen den Weg. So kam es, daß etwa 15 Juden schwere Brandwunden erhielten. Polizei zerstreute durch Schreckschüsse eine Gruppe von 100 Kommunisten, die eine Sympathiekundgebung für die Juden veranstaltete. Eine Synagoge niedergebrannt Athen, 2. Juli. (JTA.) Nach einer amtlichen Meldung des Generalgouverneurs von Mazedonien fanden in der vergangenen Nacht in Saloniki erneut blutige judenfeindliche Ausschreitungen statt. Das Judenviertel wurde an verschiedenen Stellen angegriffen, auch mehrere Brandstiftungen kamen vor, denen 11 Bauten, darunter auch die Synagoge und die jüdische Schule zum Opfer fielen. Es wurde eine Reihe von Verhaftungen vorgenommen. 54 jüdische Familien sind obdachlos. Am Tage vorher waren Nationalisten in die Synagoge eingedrungen und hatten die Thora-Lade gesprengt und Thora-Rollen zerrissen. Ruhe vor neuem Sturm? Basel, 5. Juli. (JTA.) Wie ein in Basel soeben eingetroffener Führer der jüdischen Gemeinde Saloniki milleilt, herrschte dort bei seiner Abreise zwar Ruhe, doch wurde noch immer ein erneuter Ausbruch der Unruhen befürchtet. 170 jüdische Familien aus dem niedergebrannten Judenviertel waren nebst Hunderten jüdischer Familien aus anderen Teilen der Stadt, die sich in ihren Häusern nicht mehr sicher fühlten, in den Synagogen einquartiert. Die Regierung hat zur Unterstützung der Polizei 1000 Mann Kavallerie nach Saloniki entsandt. Zwei Mitglieder der Regierung untersuchen an Ort und Stelle die Entstehungsursachen der Ausschreitungen. Es wird auch damit gerechnet, daß die Regierung auf Grund dieser Untersuchung Hilfsmaßnahmen einleiten und den Betroffenen Schadenersatz leisten wird. Der Staatsanwalt hat jene Zeitungen, die die Hetze gegen die Juden forlsetzten, konfisziert. Nachdem drei jüdische Deputationen unter Führung des Oberrabbiners Haim Chabib den Gouverneur bestürmt hatten, energischer einzugreifen, hat dieser weiteren Exzessen der radikal-nationalistischen Organisationen Einhalt getan. In der von Huligans in der vorigen Woche niedergebrannten Synagoge sind zwanzig Thorarollen zerrissen worden. Da mit der Möglichkeit erneuter Judenverfolgungen nach der Abreise der Minister aus Saloniki gerechnet wird, werden energische Vorbereitungen zur Schaffung einer jüdischen Selbstschutzorganisation getroffen. Saloniki, 3. Juli. (JTA.) Vertreter von siebzehn griechischen und drei jüdischen Organisationen, darunter der Bnei Brilh, haben eine Konferenz ab- .gehalten, in der mehrere Redner ihr Bedauern über die judenfeindlichen Ausschreitungen in Saloniki und ihr Vertrauen, daß die Behörden für die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit Sorge tragen werden, zum Ausdruck brachten. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der die Presse Salonikis aufgefordert wurde, an der Wiederherstellung einer Atmosphäre des Friedens in Saloniki, sowie besserer Beziehungen und gegenseitigen Vertrauens zwischen allen seinen Bewohnern mitzuwirken. Es wurde beschlossen, eine Konferenz aller griechischen und jüdischen nationalen und professionellen Verbände Salonikis, sowie der verschiedenen jüdischen und griechischen Vereinigungen in den Vorstädten einzuberufen, auf der die Ursachen, die zum Ausbruch der Unruhen geführt haben, besprochen und die gegenseitigen Mißverständnisse zwischen Juden und Griechen beendet werden sollen. Der Finanzminister hat dem Gouverneur von Saloniki einen Betrag von 500 000 Drachmen zum Wiederaufbau des vom Mob niedergebrannten Campbell- Viertels zur Verfügung gestellt. Der Justizminister und der Luftschiffahrtsminister sind mittels Flugzeug aus Athen eingetroffen, um die Lage an Ort und Stelle zu studieren. Die jüdischen Vertreter Salonikis im Parlament Senator Mallah und Abgeordneter Bessanlchi, sowie der Rechtskonsulent der jüdischen Gemeinde in Saloniki M. Yacoel, haben dem Justizminister den Hergang der Unruhen und ihre Vorgeschichte geschildert und ihm ein detailliertes Memorandum überreicht. Der Minister erklärte, er wisse, daß der gegen den Makkabi erhobene Vorwurf illoyaler Haltung unbegründet sei. Er wolle an Ort und Stelle eine Untersuchung einleiten, um diese Tatsache offiziell und in einer jeden Zweifel ausschließenden Form festzustellen. — Im Zusammenhang mit dem Pogrom wurden bisher ein Grieche zu 20 Tagen Gefängnis und einer Geldstrafe von 400 Drachmen, sechs Juden und fünf Griechen zu je drei Tagen Gefängnis und 400 Drachmen Geldstrafe verurteilt. Protest der jüdischen Gemeinde Saloniki gegen antisemitische Verleumdungen Saloniki, 5. Juli. (JTA.) Die jüdische Gemeinde Saloniki veröffentlicht folgende Erklärung: Mit Bedauern haben wir zur Kenntnis genommen, daß gewisse Zeitungen die jüdischen Einwohner des Distrikts VI für die in diesem Distrikt vorgefallenen