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Das jüdische Echo · 1931-07-10 · 28 (10.7.1931) · p. Seite 406

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
28 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
Seite 406 (sequence 10)
Language
German
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406 Das Jüdische Echo Nr. 28 Unruhen verantwortlich machen, indem sie den Juden beleidigende Äußerungen gegen die Armee, das Griechentum und den Klerus in den Mund legen. Der Rat der jüdischen Gemeinde protestiert empört gegen diese böswilligen Insinuationen, die darauf angelegt sind, die Erregung zu schüren. Er erklärt feierlich, daß die Juden Salonikis loyale Bürger sind, die Gesetze respektieren, mitihrem griechischen Vaterlande innig verbunden sind, die griechische Armee, in der ihre Kinder gedient haben, lieben und für den Klerus denselben tiefen Respekt hegen, wie für ihre eigenen religiösen Behörden. Judenhetze auch in Drama Saloniki, 6. Juli. (JTA.) Wie aus der Stadt Drama berichtet wird, haben Redner der dort tagenden Konferenz der griechisch-nationalistischen Partei versucht, die Bevölkerung gegen die Juden aufzureizen, indem sie diese des Einverständnisses mit den Mazedoniern beschuldigten. Die Polizei hat Maßnahmen zur Verhütung von Exzessen ergriffen. Zur Vorgeschichte S a 1 o n i k i, 28. Juni. (JTA.) Die judenfeindlichen Ausschreitungen in Saloniki haben folgende Vorgeschichte: Auf der vor etwa zehn Monaten abgehaltenen Makkabiade in Bulgarien hatte sich der jüdische Sportklub Makkabi in Saloniki durch Herrn Isaac Cohen, der sich damals gerade in Sofia aufhielt, wo er mit Dr. Alexander Rosenfeld aus Berlin über die Bedingungen eines Anschlusses des Salonikier Makkabi an den Makkabi-Weltverband verhandeln sollte, vertreten lassen. Ungefähr zur selben Zeit fand in Sofia ein Kongreß der mazedonischen Jugend statt. Nach seiner Rückkehr nach Saloniki wurde Herr Cohen einem polizeilichen Verhör unterzogen. Er teilte den Zweck seiner Reise nach Sofia mit. Vor wenigen Tagen hat die Salonikier antisemitische Zeitung „Makedonia“ die Angelegenheit aufgegriffen und berichtet, der Makkabi in Saloniki stehe im Einvernehmen mit den bulgarischen Komitatschis und dem Lazaristen-Orden in Saloniki, die die Autonomie Mazedoniens proklamieren wollen. Isaac Cohen sei der Delegierte Salonikis auf dem Kongreß der bulgarischen Komitatschis gewesen. Diese Mitteilung wurde dann auch von anderen Zeitungen wiederholt und zum Anlaß heftiger Angriffe gegen die Juden, die angeblich gegen den Staat arbeiten, genommen. Am 23. Juni wurden von Hörern der Universität in Saloniki Flugzettel verteilt, in denen es hieß, die Juden im Jahre 1821 den Patriarchen Gregor durch die Straßen Konstantinopels geschleift; die Juden arbeiteten im Einvernehmen mit den Kommunisten und den Komitatschis daran, Griechenland das Grab zu graben. In dem in Tausenden Exemplaren verteilten Flugblatt wurde zum Boykott der Juden als Vorspiel für spätere „größere Kämpfe“ aufgefordert. Alis der jüdischen Welt Aus der Berliner Jüdischen Gemeinde Berlin, 5. Juli (JTA.) Der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde lag eine Vorlage des Gemeindevorstandes vor, die die Erhöhung der Steuerquote auf 11% der Reichseinkommensteuer vorschlug. Da mit der Vorlage ein Etat für das laufende Jahr nicht vorgelegt worden war, wurde von Dr. Oskar Cohn, Dr. Klee, Landgerichtsrat Rau, denen sich auch Herr Woyda anschloß, verlangt, daß die Bewilligung der Steuerquote vertagt würde, bis die Gemeindevertretung sich klar werde, zu welchen Zwecken die Steuergelder der Gemeindemitglieder Verwendung finden würden. Nach einer Rede des Gemeindevorstehers Direktor Graetz, der dazu aufforderte, unter allen Umständen und schnell die Steuer zu bewilligen, wurde die Erhöhung der Sleuerquote mit den Stimmen der liberalen Fraktion beschlossen. — Nach einer Debatte über den Gemeindesportplatz und die Schulpolitik der Gemeinde sollte folgende dringliche Anfrage der Fraktion der Volkspartei (Klee und Genossen) zur Beratung gelangen: „Bei den Ausschreitungen, die vor einigen Tagen zur Schließung der Universität geführt haben, sind eine große Anzahl jüdischer Studenten mißhandelt worden. Wir fragen den Gemeindevorstand: Welche Schritte hat er unternommen, und will er weiter unternehmen, um durch Einwirkung auf die Öffentlichkeit und auf die Staatsbehörde, besonders auch auf die Universitäts- und Hochschulbehörden , die Rechte der jüdischen Studenten zu schützen?“ Die Anfrage wurde jedoch auf Antrag des Syndikus des Central-Vereis Dr. Alfred Wiener (Mittelpartei) in geheimer Sitzung beraten und fand zunächst mit der Einsetzung einer Kommission ihre Erledigung. Ernestine Eschelbacher gestorben Berlin, 6. Juli (JTA.) Am Sonntag, den 5. 6„ starb in Berlin, 3 Tage vor Vollendung ihres 73. Geburtstages, Frau Ernestine Eschelbacher, Witwe nach dem hervorragenden jüdischen Gelehrten und Rabbiner Josef Eschelbacher und Mutter des Rabbiner Dr. Max Eschelbacher-Düsseldorf. Die Verstorbene war eine der populärsten Frauen im deutschen Judentum. Niederknüppelung einer jüdischen Pfadfindergruppe Berlin, 3. Juli (JTA.) Die ,,C.V.-Zeitung“ meldet: „Am 24. Juni, abends gegen 10% Uhr, verlassen 9 Mitglieder des jüdischen Pfadfinderbundes Kadimah ihr Heim am Viktoria-Luise-Platz in Berlin. Sie gehen ruhig ihres Weges, als sie plötzlich von 30 bis 40 Nationalsozialisten ohne irgend einen Anlaß überfallen und mit Koppelschlössern, Stahlringen und Slahlruten niedergeschlagen wurden. Als sie vor der Übermacht flüchteten, finden sie die Ausgangsstraßen des Viktoria-Luise-Platzes systematisch abgeriegelt. Der jugendliche Führer der Schar wird zu Boden geschlagen und erhält blutende Schlagwunden. „So, der hat genug!“ meinen die vertierten Gesellen und stürzen sich auf die anderen Pfadfinder. Kein lautes Wort fällt; das ist anscheinend verabredet, damit man sich nicht verrät. Als das Überfallkommando erscheint, ist die Heldenschar zerstoben. So geschehen an einem belebten Platz des westlichen Berlin .’. . Die polizeiliche Untersuchung ist im Gange. Wir haben alles veranlaßt, was zur Sühne der Tat und zur Verhütung der Wiederholung führen wird.“ Antisemitische Studentenkrawalle Köln, 2. Juli (JTA.) Nationalsozialistische Studenten und Mitglieder der Hitlerschen Sturmabteilungen veranstalteten schwere Krawalle vor der Universität Köln zum Protest dagegen, daß eine geplante Kundgebung gegen den Versailler Vertrag ipi Universitätsgebäude vom Rektorat niqht zugelassen worden war. Die Krawalle arteten in antisemitische Excesse aus. Eine Gruppe jüdischer Studenten wurde von den Nationalsozialisten angerempelt, weil einer der Studenten angeblich beim Absingen des Deutschlandliedes nicht tief den Hut gezogen hatte. Der jüdische Student wurde zu Boden geschlagen und mit einer eisernen Stange so lange bearbeitet, bis er bewußtlos liegen blieb. Der Rektor ließ durch ein rasch herangezogenes Polizeikommando die Vorhalle der Universität räumen. Auch die angrenzenden Straßen wurden

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