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Das jüdische Echo · 1931-07-10 · 28 (10.7.1931) · p. Seite 403

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
28 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
Seite 403 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 403 lebten. Das dritte Motiv trug utilitaristischen Charaktei/ E.s bestand in den Jahren 1916/17 das Bedürfnis, die Sympathien der Weltjudenheit, insbesondere der amerikanischen Juden, zu gewinnen. Man dachte an die strategische Bedeutung Palästinas im Zusammenhang mit dem notwendigen Schutz des Suez-Kanals. Welches dieser drei Motive entscheidend war, kann ich nicht sagen, jedenfalls kam, zumindest im Jahre 1917, das utilitaristische Motiv in letzter Reihe in Betracht. Aufnahme und Interpretierung der Balfour- Deklaration Um zu zeigen, in welcher Weise die Balfour-Deklaration damals von den für ihre Verkündung verantwortlichen Staatsmännern und von den Juden in der ganzen Welt interpretiert wurde, sei angeführt, daß Lord Balfour sie in dem Begleitschreiben bei ihrer Übersendung an Lord Rothschild als eine „Deklaration der Sympathie mit den jüdischen zionistischen Aspirationen“ bezeichnete und in seiner Rede in der Albert Hall am 12. Juli 1920 erklärte, es sei zu hoffen, daß die Araber diesen kleinen Landstrich den Juden, die zweifellos einen Anspruch darauf hätten, sich in dem Lande ihrer Vorfahren nach eigenen Gesetzen zu entwickeln, nicht mißgönnen würden. General Smuls erklärte am ersten Jahrestage der Deklaration, er zweifle, ob irgend eine der Veränderungen, die durch den um Gerechtigkeit und Freiheit geführten Weltkrieg herheigeführt wurden, von größerer Bedeutung sei, als die Befreiung Palästinas und seine Anerkennung als das Heim Israels. Lord Cecil erklärte am 12. Juli 1920: „Wir haben Euch die nationale Existenz gegeben, Eure nationale Zukunft liegt in Eurer Hand.“ Wie die jüdischen Massen die Deklaration und später das Mandat aufgefaßt haben, geht aus den Kundgebungen von antizionistischer und zionistischer Seite hervor. Die Zionisten begrüßen die Deklaration als den Beginn der Erfüllung unserer alten messianischen Hoffnung. Viele sahen in der Balfour- Deklaration mehr, als sie in Wahrheit enthielt, sie vergaßen, daß die Deklaration zwar einerseits einen Freiheitsbrief, aber andererseits auch eine Aufgabe für die Juden darstellt. Manche sahen in der Deklaration und im Mandat den Beginn der langerwarteten Lösung der „Judenfrage“. Wir haben es an Warnungen vor übertriebenen Hoffnungen hinsichtlich der Möglichkeit einer sofortigen jüdischen Masseneinwanderung in das verhältnismäßig kleine Palästina nicht fehlen lassen. Es war uns auch damals schon bekannt, daß wir nicht die alleinigen Einwohner Palästinas sein würden. Es gehörte nicht zu unserer Konzeption vom Nationalheim, daß es andere Einwohner Palästinas schädigen solle. Wenn wir aber auch wußten, daß die Zeit zu einer Massenerlösung des jüdischen Volkesnoch nicht gekommen war, sahen wir doch in der Deklaration und im Mandat die Verheißung von etwas Greifbarem und Befriedigenderem als das, was unsere Gegner „geistige Heimstätte“ nannten. Wir erwarteten, daß jedem Juden, der den Wunsch hat, nach Palästina zu gehen, um dort Frieden und Befriedigung beim Aufbau eines eigenen nationalen Lebens zu finden, die Möglichkeit gegeben werden wird, dies in absehbarer Zeit zu tun. Wir erwarteten ferner, daß wir die Möglichkeit haben würden, im Lande jene materiellen Grundlagen zu schaffen, die groß und kräftig genug wären, um den Überbau einer eigenen sittlichen und geistigen Kultur zu tragen. Wir dachten, daß dies in hohem Maße eine „qualitative“ Lösung der Judenfrage und mit der Zeit einen wichtigen Schritt auf dem Wege zur Lösung der Frage auch in ihrem quantitativen Aspekt: Abhilfe gegen die jüdische Not im Osten, bedeuten würde. Die Periode der Erfüllung der Deklaration und des Mandats Im Jahre 1922 traten wir in eine Periode der Erfüllung der Balfour-Deklaration und des Mandats ein. Für die Lösung dieses Problems gab es weder für uns noch für Großbritannien einen Präzedenzfall. Die Aufgabe mußte einer britischen Verwaltung als der üblichen Praxis vollkommen widersprechend erscheinen. Die Engländer sind ihrem Wesen nach empirisch veranlagt. Hier aber war die Aufgabe: die Realitäten einer Situation einer Idee anzupassen. Diese praktischen Männer verstanden nicht, daß eine solche Macht zumindest ebenso real ist, wie viele der materiellen Aktiva, die lebende Nationen zur Unterstützung ihrer politischen Ansprüche ins Treffen führen. In gewissen Kreisen glaubte man — es war ein falscher Glaube —, die Araber Palästinas müßten gegen die reichen, besser organisierten Juden geschützt werden. Wie immer die Lage der armen Fellachen in Palästina sein mag, ist sie doch bei weitem sicherer als die der in der ganzen Welt zerstreuten jüdischen Massen, die überall ein Existenzminimum suchen und es nirgends finden. Die Gegner der Balfour-Deklartion verstanden nicht, die große moralische Kraft unserer Bewegung und auch nicht die einer durch das tausendjährige Leid eines Volkes geheiligten Sache innewohnende Gerechtigkeit. Der Wunsch Englands, seine Herrschaft in den Ländern in der Umgebung des Suez-Kanals zu festigen, der Gedanke ließ die Gründung eines unabhängigen englandfreundlichen mohammedanischen Reiches im Mittleren Osten als wünschenswert erscheinen; in diesem Zusammenhänge wurde eine gewisse Opposition gegen das jüdische Nationalheim gefördert. Die Zielsetzung: Judenstaat oder Heimstätte? Auf jüdischer Seite war die Antwort auf den Appell der Balfour-Deklaration und des Mandats durch den Niedergang der großen Gemeinschaften Osteuropas, insbesondere Rußlands, im und nach dem Kriege gehemmt. So ergab sich noch vor der formellen Bestätigung des Mandats die Notwendigkeit einer Revision der Ideen und Ziele, um diese mit den Tatsachen und der gegebenen Lage in Übereinstimmung bringen zu können. Auf diese Notwendigkeit wurde von verschiedenen Seiten verschieden reagiert. Ich will nur die drei Hauptgedankenrichtungen anführen, die damals innerhalb der zionistischen Bewegung entstanden. Da waren zunächst jene, die dafür eintraten, daß der Zionismus künftighin überhaupt jeden politischen Kampf aufgebe und sich vollständig auf den Aufbau Palästinas „auf streng geschäftlicher Basis“ und vorwiegend durch private Initiative konzentriere. Auf dem entgegengesetzten Pol standen jene, für die Realitäten einfach nicht existieren. Diese haben in ihrem Eifer, den Judenstaat zu errichten, vergessen, daß politischer Einfluß in einem gewissen Verhältnis zu praktischen Leistungen steht und nicht durch Proklamationen erreicht werden kann. Im Verlaufe der letzten zehn Jahre habe ich versucht, einen mittleren Kurs zwischen diesen beiden Extremen zu steuern und dabei weder die wirtschaftlichen Realitäten, noch die politischen Möglichkeiten aus der Sicht zu verlieren. Es wurde mir wiederholt der Vorwurf gemacht, ich hätte die Ideale des Gründers des politischen Zionismus aufgegeben. Wenn wir untersuchen, welches die Politik Theodor Herzls war, wie sie zuerst in seinem Buche „Der Judensfaat“, dann auf dem Baseler Kongreß von 1897 und schließlich von Herzls Hauptmitarbeiter, Dr. Nordau, im Jahre 1916 verkündet wurde, finden wir, daß die Konzeption eines „Jüdischen Staates“ nur in dem Buch „Der Judenstaat“ auffaucht. Im „Judensfaat“

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