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Das jüdische Echo · 1931-07-10 · 28 (10.7.1931) · p. Seite 401

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
28 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
Seite 401 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 401 mann als Vertreter der politischen Kommission. Er erklärte, es sei ein schwerer Fehler, außenpolitische Probleme in erster Reihe unter innerpolitischem Gesichtspunkt zu betrachten. Ein Volk müsse politisch eine Reife haben, sich wenigstens in diesen Fragen über den bloßen Parteikampf erheben. Vieles, was zur Beurteilung des Mac Donald-Briefes gesagt wurde, sei in hohem Maß von parteipolitischen Motiven bestimmt gewesen. Es habe keinen Sinn, wenn Jabotinsky die Balfour- Deklaration maximalistisch, den Mac Donald-Brief aber absolut minimalistisch interpretiert habe. „Consideration of balance“ bedeute nichts anderes, als daß die Regierung, wenn sich Juden und Araber nicht verständigen können, Rücksicht auf beide Teile nehmen muß. Das habe die Regierung schon vor dem Mac Donald-Brief getan. Übrigens habe das A.C. einstimmig mit den Stimmen der Revisionisten beschlossen, die Einladung der Regierung zu den Verhandlungen anzunehmen, ohne daß die Bedingung gestellt worden wäre, das Weißbuch zu akzeptieren. (Auf einen Zwischenruf Meir Großmanns hin, daß das Protokoll gefälscht sei, erklärt Mozkin als Vorsitzender des A.C,. daß dies absolut nicht richtig sei.) Ich habe, führt Goldmann aus, dem Brief Weizmanns in diesem Wortlaut nicht zugestimmt. Er hätte lauten müssen: wir sind zufrieden,, aber wir warten auf weitere Verhandlungen und wollen sehen, ob aus der Theorie Praxis werden wird. Dies habe der Kongreß nachzuholen, dennoch sei der Mac Donald- Brief eines der positivsten Dokumente der letzten Jahre. Man müsse sich auch gegen eine parteipolitisch motivierte politische Betrachtung wenden, die so aussähe, als habe man zwölf Jahre lang nur eine Prestige-Politik um Interpretationen geführt. Auf Ansprüche Verzicht leisten, sei auch nicht der Gipfel staatsmännischer Kunst. Solange sie noch nicht in Wirklichkeit umgesetzt seien, seien für ein schwaches Volk einmal konzedierte Rechte die einzige Waffe. Für die Einstellung zur englischen Politik fordert Goldmann die Befreiung sowohl von inneren Sentiments als auch von Ressentiments. Man werde England von Fall zu Fall nach seinen Taten beurteilen, ohne Haß und ohne Liebe, skeptisch und nüchtern, aber als den zentralen FViktor unserer Politik. Die Leitung habe aber einen wichtigen Faktor vernachlässigt, den der Stimmung und Meinung des jüdischen Volkes. Dieses wichtigste Instrument müsse wieder gespielt werden. Es müsse klar sein, daß die Lage auch schwer bleiben werde nach einem Wechsel der Führung. Der Kongreß müsse aber eine Führung schaffen, die die Einheit des Volkes und der zionistischen Frontstellung repräsentiere. Motzkin und Sokolow begrüßten darauf den Präsidenten des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, der dem Kongreß einen Besuch abstattete. Thomas erwiderte: Ich bin tief gerührt von dem Empfange, den Sie mir bereitet haben. Ich gedenke unserer ersten Berührung. Es war in Bordeaux, die französische Regierung weilte dort und ich war Generalsekretär des Arbeitsministeriums. Damals kam Ruthenberg zu mir. In diesen Tagen unserer schwersten Sorgen klang sein „Frankreich muß helfen“ etwas messianistisch, paradox. Aber als der Krieg fortschritt, kristallisierte sich der Gedanke, daß die Opfer der Befreiung aller Unterdrückten dienen müßten. Ihr Kongreß ist vielleicht das Größte und Schönste, was es in der nationalen Bewegung gibt. Mein Land war in der Weltgeschichte vielleicht der Vertreter des nationalen Gedankens, sowie ein großes Nachbarvolk der Vertreter des Gedankens des Weltreiches ist. Aber während die Führer und Politiker der „arrivierten“ Völker ängstlich und zaghaft waren, haben Sie den Mut gehabt, einen neuen Begriff der Nationalität zu schaffen. Ich bin herübergekommen, um in Fleisch und Blut mit Ihnen Bekanntschaft zu machen. Ich bin nicht gekommen, um Ihnen zu schmeicheln, aber ich habe als alter Parlamentarier hier meine Freude erlebt. Vielleicht darf ein alter Freund sich auch die Freiheit nehmen, Ihnen einen Rat zu geben. Es gibt keine lebendige Politik in unserer heutigen Zeit, auch keine lebendige Nationalpolitik, ohne die Idee der Gerechtigkeit und des Friedens. Sie haben darin eine große herrliche Tradition, an welcher die ganze Menschheit teilnimmt. Gehen Sie Ihren Weg durch alle Kämpfe und Schwierigkeiten mit der Zuversicht auf die Verwirklichung Ihres Ideals in Frieden und Gerechtigkeit. (Stürmischer Beifall, die Delegierten erheben sich.) In der Sitzung sprachen ferner Tartakower (Arb. Polen), Meir Berlin (Misr.), Goldberg (Allg. Amerika), Am Sonntag Nachmittag fand eine Herzl-Gedenkfeier statt. Motzkin hielt eine Gedenkrede, Sokolow gedachte der in der letzten Arbeitsperiode Dahingegangenen, Osias Thon würdigte die Bedeutung Herzls als des Schöpfers der Zionistischen Organisation, Izchak Grünbaum hielt ein Referat über die Lage der Juden in der Galuth. In der elften Sitzung, Montag nachmittags, gab Ben Gurion zuerst namens der Arbeiterfraktion die Erklärung ab, daß infolge der Wahl eines nicht der Arbeiterfraktion angehörenden Präsidenten für den Permanenzausschuß, die einen arbeiterfeindlichen Bruch der parlamentarischen Kongreßsitten darstelle, die Arbeiterfraktion beschlossen habe, an den Präsidien der verschiedenen Kongreßkommissionen nicht teilzunehmen. Darauf sprachen F. Bernstein (Allg. Holland), Rufeisen (Allg. CSR.), Jaari (Arb. Pal.), Stricker (Rev.), dessen Rede großes Aufsehen erregte, als er aus einem soeben erschienenen Interview Weizmanns mit großer Entrüstung folgende Stellen zitierte: „Ich habe kein Verständnis und keine Sympathie für das Verlangen nach einer jüdischen Mehrheit in Palästina (Pfuirufe rechts). Mehrheit garantiert nicht die Sicherheit, ist nicht notwendig zur Entwicklung von jüdischer Zivilisation und Kultur. Die Welt muß das Verlangen nach einer jüdischen Mehrheit nur in dem Sinne auslegen, daß wir die Majorität wollen, um die Araber aus dem Lande zu verjagen.“ Es sprachen noch Schapiro (Mis. Pal.), Levite (Allg. Polen), Mibaschan (Allg. Rum.), Pacifici (Allg. Italien), J. Berger (Allg. Bessarabien). In der zwölften Sitzung, vom Montag Abend, brachte nach einigen Reden Arlosoroff namens der Arbeiterfraktion nachstehende Interpellation ein: „Herr Stricker hat im Verlaufe seiner Rede auf ein Interview Bezug genommen, das der Präsident der Zionistischen Organisation der Jüdischen Telegraphen-Agentur gegeben haben soll. Aus diesem Interview hat Herr Stricker u. a. folgenden Passus zitiert: ,The world will construct this demand only one sense that we want to acquire a majority in order to drive out the Arabs.‘ Dieser Passus, wenn sinngemäß wiedergegeben, ist sowohl sachlich wie politisch falsch und schädlich. Wir sind überzeugt davon, daß kein ehrlicher Mensch in der Welt in dem Willen, eine

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