Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 28 (10.7.1931)
- Date
- 1931-07-10
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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400 Das Jüdische Echo Nr. 28 sollte die Generaldebatte am Freitag, dem 4. Juli, abgeschlossen werden. Das ist aber nicht geschehen, sondern der Kongreß setzte am Sonntagvormittag die Generaldebatte fort. Die Verhandlungen Der Kongreß setzt sich nach endgültiger Entscheidung aus 80 Allgemeinen Zionisten, 77 Angehörigen der linken Parteien, 50 Rivisionisten, 36 Vertretern des Misrachi, 8 Radikalen und einigen Parteilosen zustemmen. (Der deutschen radikalen Liste wurde das Mandat abgesprochen; den deutschen allgemeinen Zionisten ein weiteres zuerkannt.) Wie bereits berichtet, hielt noch in der Eröffnungssitzung, am Abend des 30. Juni, nach der Ansprache Sokolows und zahlreichen Begrüßungen Arthur Ruppin sein Referat über „Probleme der Palästinaarbeit“. Die zweite Sitzung des Kongresses wurde durch die Wahl des Präsidiums eröffnet, in welches auf Vorschlag des Zionistischen Aktionskomitees gewählt wurden: als Präsident Leo Motzkin, als Vizepräsidenten die Herren Berlin, Eder, Farbstein, Kaplan, Mack, Margulies, Reis, Schmorak und Temkin. Hierauf erstattete der Vorsitzende des Kongreßgerichtes., R.-A. Sammy Gronemann, den Bericht über die Prüfung der Kongreßwahlen. Darnach hielt, vom Kongreß mit langem Beifall begrüßt, Prof. Weizmann sein großes Referat über „Die politische Lage“, das an anderer Stelle wiedergegeben wird. Als Weizmann seine Rede beendet hatte, kam es zu einer Tumultszene, als der revisionistische Delegierte aus Palästina Bonfield ausrief: „Laßt uns Kaddisch sagen nach dieser Rede!“ Dr. Georg Halpern rief Bonfield zu: „Wenn Sie kein Schurke sind, sind Sie ein Idiot!“ Es kam nun zu einem scharfen Wortwechsel zwischen Revisionisten und Andersgesinnten, der in Tätlichkeiten auszuarten drohte. Den Ordnern gelang es, die aufeinander losgehenden Gruppen zu trennen. (Das ist der wahre Sachverhalt, der in manchen Berichten auf das Tollste aufgebauscht wurde.) In der dritten Sitzung am Nachmittag des 1. Juli, erstattete nach Verlesung der Begrüßungs- Telegramme Prof. Selig Brodetsky das Referat über „Die politische Arbeit der Exekutive in London“, in dem er eine Übersicht über die politische Arbeit seit dem letzten Kongreß gab. Ussischkin gab ein Referat über den Keren Kaiemeth. In der vierten Sitzung vom Abend des 1. Juli sprach Dr. Hantke über „Leistungen und Aufgaben des Keren Hajessod“, darauf Felix Rosenblüth über: „Die Lage der Zionistischen Organisation und ihre Probleme“. In der fünften Sitzung am Vormittag des 2. Juli sprach Dr. Chaim Arlosoroff über „Probleme der Finanzierung des Palästina-Aufbaus“, in dem er eine Reihe von praktischen Vorschlägen entwickelte. Darauf begann mit einer hebräischen Rede Ben Gurions (Arb.) die Generadebatte. Ben Gurion wandte sich vor allem gegen die Revisionisten. Die sechste Sitzung, am 2. Juli, nachmittags, brachte die Fortsetzung der Generaldebatte. Zuerst sprach Jabotinsky (Auszug aus dieser Rede wird nachgeholt.) Darnach ergriff das Wort Ussischkin, der sich gegen jede Definition des zionistischen Endziels wandte, im übrigen die Arbeit der Revisionisten anerkannte und die Vereinigung politischer und praktischer Arbeit verlangte. In der siebenten Sitzung, am 2. Juli abends, sprach für die englischen allgemeinen Zionisten Dr. Eder; er setzte sich für Weizmann ein. Jizchak Grünbaum (Radikal) erklärt, die Resignation Weizmanns müsse unabänderlich sein; er verlangt ein neues politisches Kamfpsystem. Bei der Rede Berl Lockers (Arb.) kommt es zu erregten Szenen, als er sagt, es sei kein Zufall, daß die Revisionisten am selben Tage aus dem Waad Leumi ausgetreten seien, an dem Hitlers Partei den Reichstag verlassen habe. Die Sitzung muß unterbrochen werden. Locker führt seine Rede zu Ende; nach ihm tritt Georg Halpern namens einer Gruppe Allgemeiner Zionisten von 60 Mitgliedern für die Schaffung einer Koalition aller Parteien ein. ln der achten Sitzung Freitagvormittag, spricht Farbstein. Er verteidigt die Haltung des Misrachi, verlangt Mittelstandskolonisation und eine Koalition aller Gruppen von rechts bis links. Osias Thon (Allg.) verlangt ebenfalls den Zusammenschluß. Richard Lichtheim begründet noch einmal das Verlangen der Revisionisten nach einer Definition des Endzieles. Kurt Blumenfeld verteidigt die politische Haltung Weizmanns und verlangt eine klare Entscheidung, entweder für Weizmann oder ein klares anderes Programm. Dr. Michael Ringel erklärt, die Gruppe der Allgemeinen Zionisten sei ein konsolidiertes Zentum, das am nationalen Ideal festhält, Extremismen ablehnt und eine Basis für die neue Leitung zu bilden bereit sei. In der neunten Sitzung, Freitagnachmittag, sprachen Tabib (Jemenite), Torczyner (Belgien), Nathan Gesang (Argentinen), J. A Neiditsch (Frankreich), Dr. Mossinsohn (Palästina) Dr. Chaim Arlosoroff (Arb.) protestierte gegen die Verantwortungslosigkeit der Revisionisten, die die politischen Verhandlungen der Exekutive gestört hätten. Dr. Stefan W i s e gab namens der amerikanischen Delegation der jüdischen Erbitterung über das Verhalten Englands leidenschaftlichsten Ausdruck. Nachdem der Redner eine Anfrage des Präsidenten, in wessen Namen er gesprochen habe, damit beantwortet, daß er als Mitglied der amerikanischen Delegation und der Körperschaft der Allgemeinen Zionisten spreche, erklärt Jacob Fishman, daß Dr. Wise nur im Namen eines Teiles der amerikanischen Delegation spreche. Die Gruppe Lipsky, Stone, Silbermann, Fishman lehne die Verantwortung für seine Ausführungen ab. Nach einer Polemik zwischen Dr. Eder und Siefen Wise, die häufig von Lärm auf der linken und rechten Seite des Hauses begleitet wird, stellt Locker an Stefen Wise eine Reihe von Fragen, die im Zusammenhang mit den Angriffen Dr. Wfises auf die zionistische Arbeiterbewegung stehen. Den Vorschlag des Delegierten Morris Myer, das Präsidium möge Attacken gegen eine Regierung verbieten, mit der die Beziehungen noch nicht abgebrochen seien, beantwortet Präsident Mozkin mit dem Hinweis darauf, daß es zwar praktisch oder schädlich sein könne, daß er aber nicht verbieten könne, wenn ein Redner im Moment der höchsten Erregung des jüdischen Volkes darüber spreche. Der Samstag war sitzungsfrei. In der zehnten Sitzung, Sonntag, 5. Juli, vorm., sprachen Schramek (Elsaß) und Grinberg (Palästina). Darauf nahm das Wort Na hum Gold-