Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 28 (10.7.1931)
- Date
- 1931-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 28 10. Juli 1931 18. Jahrgang Der XVII. Zionistenkongreß Leitungsfrage noch ungeklärt — Der Kongreß verlängert Basel, 6. Juli. (JTA.) Der Kongreßruhetag am Samstag wurde zu inoffiziellen Besprechungen zwischen den Führern der einzelnen Fraktionen über die Bildung einer Leitung der Zionistischen Weltorganisation ausgenutzt. Auf keinem der bisherigen Kongresse war die Leitungsfrage so schwer zu lösen wie diesmal. Weder den Anhängern Weizmanns, noch der Opposition ist es bis jezt möglich gewesen, das Schwergewicht des Kongresses nach ihrer Seite zu verschieben. Im Kongreß halten sich diejenigen, die die Sicherung und Entwicklung der gegenwärtigen Positionen in Palästina als die dringendste Notwendigkeit der Stunde betrachten und diejenigen, denen eine politische ' Weltoffemsive und die Erklärung des Judenstaats als Endziel nicht weniger wichtig erscheint als die praktische Arbeit, ungefähr die Wage. Diese beiden Lager gruppieren sich einerseits um die Arbeitervertreter, anderseits um die Revisionisten. Das Zünglein an der Wage bilden die Allgemeinen Zionisten, deren Sympathien aber zwischen Revisionisten und Linken geteilt sind. Die Bestrebungen einer Anzahl Personen, eine große Koalition mit Einschluß von Revisionisten und Arbeitervertretern zustande zu bringen, scheinen vollkommen aussichtslos, da die chinesische Mauer zwischen Arbeitervertretern und Revisionisten unübersteigbar ist. Man nimmt an, daß erst Anfang dieser Woche, nach Abstimmung über Resolutionen, die Konturen der Politik der künftigen Leitung sich abzeichnen werden und so auch die Bildung der Leitung ermöglicht werden wird. Die Revisionisten haben, wie Jabotinsky in seiner Rede mitgeteilt hat, beschlossen, eine Resolution über das Endziel zu unterbreiten in dem Sinne, daß der Kongreß das jüdische Nationalheim als den Judenstaat unter Einschluß Transjordaniens versteht, ferner, daß der Brief Mac Donalds an W.eizmann nicht als Basis für eine Zusammenarbeit mit der englischen Regierung betrachtet werden kann. Die Linken und die Allgemeinen Zionisten wünschen die Annahme einer Resolution, in der dargetan wird daß der Zionismus fest auf dem Boden des Basler Programms steht. Es verlautet, daß die Revisionisten entschlossen seien, für den Fall, daß der Kongreß ihre „Endziel“-Resolution ablehnt und den Mac Donald- Brief annimmt, die äußersten Konsequenzen zu ziehen. Es scheint, daß die vom A.C. beschlossene und vom Präsidium des Kongresses bestätigte Festsetzung der Kongreßdauer bis Dienstag, den 7. Juli, nicht unwesentlich überschritten werden dürfte. Nach dem revidierten Kongreßprogramm Letzte Meldungen Basel, 8. Juli. (JTA.) Nach dem Schlußwort Dr. Wieizmanns in der Generaldebatte im Dienstag, dem 7. Juli, spät abends, wurde Dr. Weizinann und der Exekutive vom Kongreß stillschweigend Decharge erteilt. Die revisionistischen Delegierten blieben diesem Akt fern. Damit ist der Kongreß in sein zweites, entscheidenderes Stadium eingetreten. Er steht nunmehr vor der Aufgabe einer Festlegung der neuen zionistischen Politik und der Einsetzung einer neuen Leitung. Heute, Mittwoch, den 8. Juli, nachmittags, stellt sich die Situation wie folgt dar: Die Aussichten für eine Wiederwahl Dr. Weizmanns zum Präsidenten der Organisation werden im allgemeinen als gering beurteilt. Die Linke ist bemüht, den Kongreß dazu zu bewegen, sich für die Beibehaltung des politischen Kurses Dr. Weizmanns zu entscheiden, aber eine Exekutive ohne W'eizmann und ohne Heranziehung der Revisionisten einzusetzen. Man glaubt hier nicht, daß diese Bemühungen zu einem Erfolg führen werden. Ebenso unwahrscheinlich ist die Einsetzung einer einseitig rechts oder einseitig links orientierten Koalitions- Exekutive,, so daß weder die Revisionisten noch wohl auch der Arbeiterflügel die Führung erhalten werden. Eine Koalition aller Parteien einschließlich der Linken und der Revisionisten lehnen sowohl die Revisionisten als auch die Linken ab. Angesichts der allgemeinen Müdigkeit und der Notwendigkeit, den Kongreß spätestens Freitag, den 10. Juli, zu Ende gehen zu lassen, sind Überraschungen nicht ausgeschlossen; wenn kein anderer Ausweg bleibt, wird man Weizmann zur Annahme einer Wiederwahl zu bewegen trachten. Die nächste Plenarsitzung des Kongresses findet am Donnerstag, dem 9. Juli, nachmittags, statt. Dutzende von Unterhändlern sind eifrig bemüht, die programmatische und personelle Basis für die Einsetzung einer neuen Leitung zu schaffen. Eine große Schwierigkeit bei der Bildung der neuen Exekutive ist das Defizit der Jewish Agency. Für den Fall einer Beteiligung der Revisionisten an der neuen Leitung wird die Frage einer Reform der Jewish Agency akut, eine Frage, die den Unterhändlern nicht minder Kopfzerbrechen macht. Inzwischen machen sich bei den Revisionisten Spaltungstendenzen bemerkbar. Ein Teil der revisionistischen Führer mit Jabotinsky will für den Fall, da der Kongreß ihre Zielsetzung ablehnt und den MacDonald-Brief annimmt, den Kongreß verlassen; die Revisionisten sollten zwar Schekelzahler bleiben, aber selbständige politische Aktionen unternehmen. Ein anderer Teil mit Robert Stricker ist gegen eine solche Lösung. Es werden darüber Beratungen gepflogen, wie man die Einheit der Partei sichern könnte auch für den Fall, daß die Lage es erfordern sollte* daß sie den Kongreß verläßt.