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Das jüdische Echo · 1931-07-03 · 27 (3.7.1931) · p. Seite 393

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
27 (3.7.1931)
Date
1931-07-03
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 393 gebung an die Studenten erlassen, in der es heißt: „Die Rektoren der Wiener Hochschulen werden die deutsche Studentenschaft in allen Bemühungen unterstützen, ihren Zusammenschluß auf neuer rechtlicher Grundlage zu erhalten. Die Rektoren, die, der großen Erregung der deutschen Studentenschaft Rechnung tragend, die Schließung ihrer Hochschulen verfügt haben, mißbilligen die vorgefallenen Ausschreitungen auf das schärfste und ermahnen die Studierenden zu Ruhe und Ordnung.“ Im übrigen wird erklärt, daß die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes bindend sei. Die Herren Rektoren haben also ihre Aufgabe darin erblickt, auch noch Öl ins Feuer zu schütten. Schwere antijüdische Ausschreitungen in einem polnischen Kurort Wars c h a u , 23. Juni. (JTA.) Die Kette der antijüdischen Exzesse in Polen, die in Zloczow begann und in Radom sich forlsetzte, hat noch kein Ende gefunden. Am letzten Sonlag Abend war der Kurort Miehalin der Schauplatz schwerster antisemitischer Ausschreitungen. Und in Warschau kam es am Sonntag, 27. Juni, zu Überfällen auf jüdische Passanten. Bedingte Zulassung der Fußballspiele am Sabbath in Palästina Jerusalem, 26. Juni. (JTA.) In der Frage der Fußballwettspiele an Sabbaltagen hat der Waad Leumi die Entscheidung getroffen, daß dem jüdischen Sportklub Makkabi die Austragung*von Wettspielen an Sonnabenden unter der Voraussetzung gestattet werden soll, daß an diesen Tagen kein Kartenverkauf stattfindet und auf dem Spielfeld nicht geraucht wird. Die Agudafh Israel hat sich mit dieser Regelung nicht zufrieden gegeben, sondern dem High Commissioner Sir John Chancellor ein Memorandum überreicht, in dem die Erlassung eines Gesetzes, durch das Wettspiele am Sabbat verboten werden, gefordert wird. Auch die Oberrabbiner von Jerusalem haben dem Sportklub Makkabi mitgeteilt, daß sie gegen Fußballspiele am Sabbat Einspruch erheben. Zum Todestag Theodor Herzls Von Jean Richard Bloch (Paris) Am 5. Juli jährt sich zum 27. Male der Todestag Theodor Herzls. Ich gehöre zu den Glücklichen, die die jüdischen Kolonien in Palästina mit eigenen Augen sehen durften. Ich möchte alle politischen Zwistigkeiten, alle Diskussionen über soziale Fragen beiseite lassen, um nur Zeugnis abzulegen über das, was ich gesehen habe. Gewiß: Kommunisten und Sozialisten können darüber streiten, ob es richtig ist, der alten Gesellschaftsschichtung Europas einige ihrer Revolutionsfermente zu entreißen, um sie einer ganz anders gearteten Arbeit in einem Kolonisationsland entgegenzuführen und sie damit ihrer „Klassenpflichl“ zu entfremden. Sozialisten und Nichtsozialislen können darüber streiten, welche Gesellschaftsordnung in diesen Kolonien herrschen soll — eine Arbeiter- oder Bürgerregierung, ein sozialistisches oder kapitalistisches System. Orthodoxe und Atheisten können darüber streiten, ob eine nationale Erhebung, die von der religiösen Erhebung unabhängig bleibt, möglich und erwünscht ist. Hebraisten und Jiddischisten können darüber streiten, welche der beiden Sprachen als geistiges Antriebsmittel und Zivilisationsmoment wertvoller sein kann. Nationalisten und Internationalisten können darüber streiten, ob die Gefahr eines neuen jüdischen Imperialismus droht, der einfach die Liste der schon vorhandenen Imperialismen vergrößern würde, unter deren Last die weiße Zivilisation znsainenzubrechen droht. Anhänger des Pansemitismus, die für den Zusammenschluß mit den palästinensischen Arabern eintrelen, mögen mit den Anhängern der europäischen Richtung im Zionismus streiten. Und die letzteren trennen sich ja wieder in zwei feindliche Gruppen: Die Anhänger des englischen Protektorats und die Anhänger eines Protektorats der Italiener oder irgendeines anderen Volkes. Streiten kann man. Der menschliche Geist ist reich an dialektischen Künsten und darüber hinaus, Gott sei Dank, ist der jüdische Geist noch besonders reich an talmudischer Feinheit. Ich will mich an eine einzige klare und unwiderlegbare Feststellung halten; sie ist die beste Ehrung, die ich Theodor Herzl darbringen kann. Es ist das Bild der schönen jungen Menschen, sonnverbrannt und kräftig von der Arbeit auf den Feldern, die mir überall in den Kolonien begegnet sind; es ist die Erinnerung an Greise, die, noch in der Tracht des Ghettos, mit Kaftan und „Pejes“, als freie Menschen mit ihren Kindern auf kleinen wilden Pferden über die Erde Palästinas sprengten. Wie da in der gleichen Reitertruppe mittelalterlich anmutende Menschen und junge Pioniere des zwanzigsten Jahrhunderts vereinigt sind, wirkt es wie ein Symbol für das, was augenblicklich auf asiatischem Roden sich abspielt. So war es mir vergönnt, mit eigenen Augen Zeuge der „Wiederbelebung“ eines Volkes zu werden. Männer und Frauen, die aus den elenden Vororten von Lodz und Lemberg stammten, wurden plötzlich in überflutende Sonne, in reine Luft, in anständige physische Lebensbedingungen, in eine menschliche, freie Atmosphäre versetzt — und bald boten sie das vollkommene Bild einer Auferstehung hier auf Erden schon. Der Einfluß auf die geistige Entwicklung ist nicht geringer als auf die des Körpers. Nicht nur der Brustumfang der jungen Leute ist weiter geworden; auch ihr Geist hat sich gedehnt, je weiter der Horizont wurde, der sich ihnen darbot. Auch wenn ich noch Zweifel über einige spezielle Punkte der zionistischen Doktrin hegen würde, auch wenn ich noch Reserven über gewisse politische Perspektiven machen müßte, möchte ich mich doch vor dein Propheten neigen, der diese Auferstehung eines Volkes im Geiste erblickt hat, der sie herbeigeführt, ja, der sein Leben geopfert hat, damit sie Wirklichkeit werde. Seien wir seiner, seien wir Theodor Herzls würdig; die französischen Juden aller Schichten müssen sein Lehen, sein großes Schicksal kennen; das ist eine moralische Pflicht, der sie sich nicht entziehen können, wenn sie nicht vor sich selbst elend und klein dastehen wollen. Man kann Theodor Herzl widerstehen, ebenso wie man Karl Marx widerstehen kann; man hat aber nur dann ein Recht dazu, wenn man in ihrer geistigen Nähe geweilt hat und mit ihrer Lehre vertraut geworden ist. Jede andere Haltung ist unserer unwürdig. Und ich möchte allen denen, die meine Worte hören wollen, sagen, daß es unmöglich ist, mit Herzl vertraut zu sein, dieser mächtigen Natur näherzufreien, ohne seihst größer und edler dadurch zu werden. I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten, KostUmstickereien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 975

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