Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1931-07-03 · 27 (3.7.1931) · p. Seite 391

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
27 (3.7.1931)
Date
1931-07-03
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103087-9178616--11812-9083883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 27 Das Jüdische Echo 391 in der griechischen Kammer wurden aufgefordert, die Regierung um Schutz der Ehre und der Sicherheit der jüdischen Bevölkerung zu ersuchen und von dem Forum des Parlamentes aus die gegen den Makkabi erhobenen Beschuldigungen zurückzuweisen. Gouverneur Gonostas versandte eine Erklärung an die Presse, in der er die antisemitischen Ausschreitugnen rügt und betont, daß die Juden ihre staatsbürgerlichen Pflichten stets treu erfüllen. Athen, 25. Juni. (JTA.) Die jüdischen Abgeordneten von Saloniki erklärten heute im Parlament, daß die gegen den Salonikier jüdischen Sportklub Makkabi und gegen die jüdische Bevölkerugn Salonikis im allgemeinen vorgebrachten Beschuldigungen der Illoyalität gegen den Staat vollkommen grundlos seien. Die Judenschaft Salonikis weise solche Beschuldigungen mit Entrüstung zurück daß die Regierung gegen die Urheber der Beschuldigungen und die Veranstalter der antisemitischen Straßenausschreitungen vorgehe. Die Regierung veröffentlicht einen Aufruf, in welchem die Bevölkerung aufgefordert wird, Ruhe und Ordnung zu bewahren und die jüdischen Mitbürger, deren Loyalität gegenüber dem Staate außer allem Zweifel stehe, nicht zu belästigen. Saloniki, 25. Juni. (JTA.) Auch heute kam es zwischen Christen und Juden in Saloniki zu kleineren Zusammenstößen Die Mehrheit der christlichen Bevölkerung verurteilt die antisemitischen Ausschreitungen. Der Gouverneur von Mazedonien, Gonostas, hat verfügt, daß alle antisemitischen Flugschriften zu beschlagnahmen seien und daß gegen die Verfasser ein Verfahren eingeleitet werde. Saloniki, 26. Juni. (JTA.) Die Zeitungen bringen ausführliche Nachrichten über die seit einigen Tagen andauernden antisemitischen Unruhen in Saloniki. Gefährlichen Charakter nahmen die Unruhen am 24. Juni abends an, als die nationalsozialistischen Demonstranten dieBüroräüme des Sportklubs Makkabi stürmten, die Inneneinrichtung demolierten und die Räume in Brand steckten. Als die Demonstranten in das Büro eindrangen, hielt der Makkabivorstand gerade eine Sitzung ab. Die Vorstandsmitglieder flüchteten, aber einige von ihnen wurden ergriffen und grausam geschlagen, so daß sie aus mehreren Wunden bluteten. Die Polizei zerstreute die Demonstranten und veranlaßte, daß der Brand gelöscht werde. Die Nationalisten durchzogen darauf die Stadt und schlugen in zahlreichen jüdischen Geschäftsläden und Wohnungen die Fensterscheiben ein. Seitdem ist die Atmosphäre andauernd gespannt. Ein Teil der Presse Salonikis feiert die antisemitischen Exzedenten als nationale Heroen und stellt die Mitglieder des jüdischen Sportklubs Makkabi als die Urheber der Unruhen hin. Es wird behauptet, daß die mit Bulgarien sympathisierenden jüdischen jungen Leute die griechischen Patrioten angegriffen hätten. Diese Presse macht sich auch zum Träger der gegen die Juden gerichteten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykottpropaganda. Nachdem am Donnerstag abend die Huligans zwei jüdische Stadtviertel angegriffen und durch Steinbombardements starke Verwüstungen angerichtet hatten, bildete sich ein besonderes jüdisches Wachkorps zum Schutze der Gebäude, in denen jüdische Institutionen untergebracht sind. Die lokalen Behörden verhalten sich gegenüber den Exzedenten auch weiterhin passiv. Es wurde noch nichts unteronmmen, um die Exzedenten und die Agitatoren einer Bestrafung zuzuführen. Die verantwortlichen jüdischen Kreise sind empört darüber, daß seitens der verantwortlichen Behörden und Gesellschaftskreise Salonikis nicht versucht wird, wenigstens einen moralischen Druck auf die Exzedenten auszuüben. Die Führer der jüdischen Organisationen haben eine Sondersitzung abgehalten, in der beschlossen wurde, eine Protestschrift der gesamten Judenschaft Salonikis an die Regierung abzusenden. Der Direktor des staatlichen Presseamtes ermutigt offen die antisemitischen Agitatoren. Die Polizei trifft auf dem Schauplatz der Unruhen immer verspätet ein, wenn die Huligans ihr Zerstörugnswerk vollendet und das Weite gesucht haben. Athen, 26. Juni. (JTA.) Am Donnerstag, den 25. Juni, griffen etwa 200 Mitglieder der nationalsozialistischen Liga, darunter Reserveoffiziere, das Haus der Jüdischen Gemeinde Saloniki an und versuchten es in Brand zu stecken. Mehrere Personen wurden verwundet. Saloniki, 30. Juni. (JTA.) Die Leiden der Judenschaft von Saloniki, die von den griechischen Nationalisten auf Grund erfundener Legenden der Sympathien für Bulgarien und die bulgaro-mazedonische Bewegung bezichtigt wird, nehmen kein Ende. Nachdem in den letzten Tagen in Saloniki verhältnismäßige Ruhe geherrscht hat, haben die nationalistischen Agitatoren, hauptsächlich Studenten, am Montag wiederum die Bevölkerung gegen die Juden aufgehetzt. Es wurde angekündigt, daß man die jüdischen Stadtviertel Salonikis in Brand stecken werde. Der Oberrabbiner von Saloniki sandte ein Telegramm an den Ministerpräsidenten Venizelos nach Athen, in welchem er ihn auf die drohende Gefahr aufmerksam machte und um Schutz bat. Die Drohung der Brandlegung wurde noch in der Nacht zum Dienstag, den 30. Juni, wahr gemacht. Um Mitternacht begann es im jüdischen Teil Salonikis an mehreren Stellen zugleich zu brennen. Bis 1 Uhr nachts waren über 200 kleine Häuser im ärmsten Teil des jüdischen Saloniki vollkommen niedergebrannt. Mehrere Hundert jüdische Familien sind obdachlos und des Allernotwendigsten beraubt. Während der Feuersbrunst wurden die Juden von Nationalisten angegriffen, dabei wurden zahlreiche Juden verletzt. Sechs jüdische Einwohner erlitten schwere Brandwunden. Am Morgen des 30. Juni durchzogen Militärpatrouillen die Straßen, um einen weiteren Ausbruch der Unruhen zu verhindern. Trotzdem entwickelte sich schon in den Vormittagsstunden nach heftigen Angriffen der Nationalisten auf die jüdische Einwohnerschaft eine regelrechte Straßenschlacht, bei der auch heftig geschossen wurde. Män zählt bis jetzt etwa zehn Tote und über 50 Verletzte. Im griechischen Parlament Auf die Rede des jüdischen Abgeordneten für Saloniki, Bessantchi, in der griechischen Kammer, der den Vorwurf, daß die Juden Salonikis für Bulgarieu und gegen Griechenland Propaganda machen, scharf zurückwies und energische Maßnahmen zur Bestrafung der Schuldigen und zum Schutze von Leben und Eigentum der jüdischen Bevölkerung Salonikis forderte, erwiderte der Ministerpräsident Venizelos, er wie alle patriotischen Griechen verurteile auf das schärfste die Exzesse, die Griechenland entehren. Man müsse, fuhr Venizelos fort, der Lage der Juden Salonikis Verständnis entgegenbringen. Unter der türkischen Herrschaft sei es ihnen besser gegangen als jetzt; man habe von ihnen nicht erwarten können, daß sie die Griechen mit offenen Armen empfangen würden. Heute aber seien die Juden Salonikis durchaus patriotisch und den Griechen loyal gesinnt; sie sind jetzt auf dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.