Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 27 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- Seite 390 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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390 Nr. 27 Das Jüdische Echo Aufgaben. Der Keren Kajemeth muß uns Boden beschaffen. Diesem ältesten fundamentalen Institut biblischer Tradition und sozialer Gerechtigkeit müssen wir mehr Arbeit als bisher widmen. Hoher Kongreß! Denken wir daran, daß wo ein kräftiges nationales Leben pulsiert, rauhe Berührungen nicht zu vermeiden sind. A la guerre comme la guerre sollte es auch bei uns heißen. Mit Tapferkeit, Zähigkeit und Geduld muß der Kampf geführt werden, ein Kampf des Intellekts und der Arbeit, der Entsagung, Hingebung, Opferwilligkeit und des Bewußtseins, daß der Kampf der guten Sache gilt und zum Siege der Gerechtigkeit führen wird. Man möge dies Optimismus nennen. In diesem Optimismus liegt das Geheimnis für die Unvergänglichkeit unseres Volkes. Verzweiflung und Zionismus sind scharfe Kontraste. Vorwärts, nicht rückwärts, heißt unsere Losung. Ich habe die Ehre, den XVII. Kongreß zu eröffnen. Noch in der Eröffnungssitzung des Kongresses hielt Dr. Arthur Ruppin sein ursprünglich für die dritte Sitzung festgesetztes Referat über „Probleme der Palästinaarbeit“. Die Zusammensetzung des Kongreßpräsidiums Basel, 1. Juli. (JTA.) Gemäß einem Beschluß des Aktionskomitees, daß Mitglieder der Exekutive nicht in das Kongreßpräsidium gewählt werden dürfen, erscheint eine Wahl Sokolows, der allen Kongressen der letzten zehn Jahre präsidierte, zum Präsidenten des XVII. Kongresses ausgeschlossen. Zum Präsidenten ist Leo Motzkin designiert. Als Vizepräsidenten sind ihm beigegeben: Ussischkin und Julian W. Mack von den Allgemeinen Zionisten, Farbstein und Rabbi Berlin vom Misrachi, Soskin und Tiomkin von den Revisionisten, Kaplan, Reiß und Silberstein von den Linken, Dr. Eder als Vertreter der englischen Delegation. Die Revisionisten bleiben für alle Fälle auf dem Kongreß Basel, 1. Juli. (JTA.) Der Vizepräsident des Weltverbandes der Zionisten-Revisionisten Meer Großman erklärte dem JTA.-Vertreter, alle Gerüchte, daß die Revisionisten den Kongreß verlassen werden, falls sie mit ihren Forderungen nicht durchdringen, seien vollkommen grundlos. Eine Fraktionssitzung der Revisionisten beschloß, die Verantwortung für die Leitung der Zionistischen Organisation zu übernehmen, falls ihr die Möglichkeit zur Bildung einer Koalitionsexekutive gegeben wird. Die Misrachi-Konferenz in Basel Basel, 29. Juni. (JTA.) Am Donnerstag, dem 25. Juni, abends, wurde die Weltkonferenz des Misraehi unter Teilnahme von 34 misraehislischen Kongreßdelegierten eröffnet. Die zum Teil in geschlossener Sitzung abgehaltenen Beratungen galten der von der Misrachi-Fraktion auf dem Kongreß endgültig einzunehmenden Haltung. In der am 28. Juni abgehallenen Sitzung ist der gesamte Merkas olami, bestehend aus Rabbi Meir Berlin, Rabbi J. L. Fishmann (Tel-Awiw) und Rabbi Teitelbauin (Neuyork) zuriickgetrelen. Die Demission der Leitung des Weltverbandes ist daruf zurückzuführen, daß die Delegation des deutschen Misrachi, die geschlossen für Weizmann eintrilt, den Standpunkt einnahm, Rabbi Berlin habe nicht das Recht gehabt, als Mitglied der Zionistischen Exekutive zu demissionieren, und die mit ihrem Austritt aus dem Misrachi für den Fall, daß die Konferenz Rabbi Berlins Vorgehen billigen sollte, drohte. Am 29. Juni wurde mit Mehrheit folgende Resolution angenommen: Der M i s r a c hi erstrebt d i e E r r i c. h 1 u n g e i n e s J u d ensl a a t e s i n P a I ä s l i n a a u f d e r G r u n d I a g e d e r T h o r a u n d d e r j ü d isch e n T r a d i l i o n. Eröffnung der sechsten Weltkonferenz der Wizo Basel, 24. Juni. (JTA.) In Anwesenheit von 70 Delegierten aus 29 Ländern aller Erdteile, sowie zahlreicher Ehrengäste aus der Basler Bürgerschaft und den verschiedenen zionistischen, jüdischen und feministischen Organisationen der Stadl fand am Abend des 22. Juni die feierliche Eröffnung der sechsten Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen (WIZO) im blauen Saal der Basler Mustermesse durch die Ehrenvizepräsidenten, Frau Henriette Irwell (London), statt. Projekt einer nationalen Lotterie für das Palästinawerk B a sei, 29. Juni. (JTA.) Die Partei der palästinensischen Arbeiter (Miflagalh Poale Erez Jisrael) hat dem Zionistenkongreß einen Plan unterbreitet, eine nationale Lotterie über eine Summe von 2 Millionen Pfund oder 10 Millionen Dollar auszuschreiben, von welcher 40 Prozent für Gewinne und 00 Prozent für Aufbauzwecke in Palästina verwendet werden sollen. Es sollen 2 Millionen Lose zu je 1 Pfund oder 5 Dollar ausgegeben werden, jedes Los aber soll in 5 Teile zu je 1' Dollar geteilt werden können. In jedem Lande sollen die zionistischen Organisationen für den Vertrieb der Lose Sorge tragen. Judenverfolgung In Saloniki Falsche Beschuldigungen — Säumige Polizei — Niederbrennung eines jüdischen Wohnviertels Die erschütternden Nachrichten aus Saloniki, die wir im Folgenden veröffentlichen, gemahnen an die schlimmsten Zeiten des Mittelalters: Zuerst werden falsche Beschuldigungen ausgestreut, es folgen Plünderungen und Demolierungen, dann werden Juden angegriffen, das vergossene Blut peitscht die Menschen nur weiter auf, schließlich gehen jüdische Wohnviertel in Flammen auf. ln vielem aber sind die Vorgänge noch schlimmer als die des Mittelalters gewesen sein können; die modernen Zerstörungsmittel sind viel weiter entwickelt und daß die Führer und Initiatoren der Ausschreitungen auch in Saloniki Studenten gewesen sind, kann zwar niemanden mehr in Verwunderung setzen, scheint aber eine Hoffnung auf Überwindung der menschlichen Barbarei endgültig zunichte zu machen. Noch sind in Saloniki nicht ruhigere Verhältnisse wiedergekehrt und man muß daher weitere schlimme Nachrichten erwarten. Herzliches Mitgefühl der jüdischen Öffentlichkeit ist den Betroffenen sicher; im übrigen kann man sich nur bange fragen, wie lange die Welt noch solche Greuel dulden wird. Saloniki, 25. Juni. (JTA.) In Saloniki kam es am 23. und 24. Juni zu judenfeindlichen Ausschreitungen schwererer Natur, die mit einer scharfen antijüdischen Hetze verbunden waren. Griechische Studenten verteilten unter der Bevölkerung Flugzettel, in denen die Christen zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykott der Juden aufgefordert wurden. In den Flugzetteln wurde behauptet, daß der Salonikier jüdische Sportklub Makkabi antigriechische Propaganda betreibe. Gleichzeitig überfielen Studenten jüdische Passanten in den Straßen und mißhandelten sie schwer. Unter der jüdischen Bevölkerung Salonikis herrschte wegen dieser Angriffe und falschen Beschuldigungen starke Erregung. Die jüdischen Abgeordneten Salonikis