Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 26 (26.6.1931)
- Date
- 1931-06-26
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Das Jüdische Echo Nr. 26 Aus der Jüdischen Welt Konstituierung des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin Die Volkspartei im Präsidium nicht vertreten Berlin, 17. Juni. (JTA.) Der am 14. Juni eingeführte Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat sieh in einer am Dienstag, dem 16. Juni, abends, abgehaltenen Sitzung, die sich bis in die frühen Morgenstunden des Mittwoch hinzog, konstituiert. Es wurden gewählt: Zum Vorsitzenden Direktor Dr. h.c. Wilhelm Kleemann (liberal), zu stellvertretenden Vorsitzenden Kammergeriebf srat Wolff (liberal) und Schoyer (konservativ). Die Dezernate wurden wie folgt, verteilt: Kleemann (üb.): zweites Waisenhaus Pankow, musikalisehgottesdienstliche Angelegenheiten und Leitung der Synagogenvorstände der Synagogen mit neuem Ritus; Kammergericbtsral Wolff (üb.): Auslrittsangelegenheiten, Disziplinarangelegenheiten und Reichenheimsches Waisenhaus; Moritz Rosenthal (lib.): Personalangelegenheiten, Plätzevermietung, die vier Altersheime und das Hospital; Wilhelm Graetz (lib.): Finanzen und Jugendfürsorgeamt; Fuchs (lib.): Friedhöfe, Bau- und Synagogenbauangelegenheiten; Direktor Stahl (lib.): Woblfahrts- und Jugendfürsorgeamt; Direktor Dr. Alexander (lib.): Schulangelegenheilen und Redaktion des Gemeindeblattes; Direktor Kareski (Volkspartei): Bibliothek, Kunstsammlung und Sportplatz; Rechtsanwalt und Notar Dr. Kollenscher (Volkspartei): allgemeine Zivil- und Strafrechtsangelegenheiten und Leitung der Synagogenvorstände der Synagogen mit allem Ritus; Dr. med. Sandler (Volkspartei): Neue Poliklinik in der Stadt und Gemeindekrankenhaus; Adolf Schoyer (kons.): Kaschruth, Quellenbäder und Steuerverwaltung. Die bisher von Herrn Dr. Ismar Freund verwalteten beiden Dezernate (Verfassungsdezernat samt jüdischen Staatskirchenrechtsangelegenheiten, sowie Beziehungen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden) sind noch nicht besetzt. Aus der neuen Ämterverteilung ergibt sich die Verlagerung des Schwergewichts nach der liberalen Seite. Wie verlautet, erklärten sich die Liberalen bereit, I)r. Kollenscher zum ersten Vorsitzenden-Stellvertreter zu wählen. Da aber die Volksparlei ihrerseits nur Kareski für dieses Amt präsentieren wollte und die Liberalen Kareski nicht wählen wollten, blieb die Volkspartei ohne Vertretung im Vorstandspräsidium. Grundsteinlegung zur ersten jüdischen Siedlung: Groß-Gaglow Teilnahme aller großen jüdischen. Organisationen Berlin, 22. Juni. (JTA.) Am Sonntag, dem 21. Juni, fand auf dem von der jüdischen Landarbeits- G.m.b.H. im vorigen Jahre mit Hilfe eines Darlehens der Jüdischen Gemeinde Berlin erworbenen Gut Groß-Gaglow bei Coltbus die feierliche Grundsteinlegung zum ersten Siedlerhaus der jüdischen gärtnerischen und landwirtschaftlichen Kolonie statt, deren Errichtung auf dem Gelände des Gutes geplant ist. Die Besiedlung von Groß-Gaglow stellt die erste Etappe in der Durchführung des vom Reichsverband für jüdische Siedlung in Deutschland propagierten Programms der Seßhaftmachung deutscher Juden auf deutschem Boden mit staatlicher Siedlungshilfe und damit einen Versuch dar, dem von führenden Kreisen der deutschen Judenheit aller Richtungen besondere Bedeutung im Hinblick auf die künftige Gestaltung des Schicksals des deutschen Judentums beigemessen wird. Dies kam auch in der starken Beteiligung an dem feierlichen Akte und den bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden zum Ausdruck. Neben Vertretern der Kreisbehörde, der Stadt Coltbus und der Gemeinde Groß-Gaglow batten sich gegen 200 Delegierte der jüdischen Verbände Deutschlands, Vertreter gärtnerischer Berufsorganisationen und Gäste eingefunden. Hebraistenkonferenz in Berlin Berlin, 22. Juni. (JTA.) Am Sonntag, dem 21. Juni, wurde im hebräischen Klub Belh-Am zu Berlin eine Vorkonferenz der Hebraisten eröffnet, an der hervorragende hebräische Gelehrte, Schriftsteller und Pädagogen aus Deutschland, Polen, Palästina, England, Amerika, Litauen, Lettland, Estland und aus anderen Ländern teilnehmen. Die Vorkonferenz hat den Zweck, einen Weltkongreß der Hebraisten vorzubereiten. Nationalsozialisten stürmen ein jüdisches Schanklokal Berlin, 22. Juni. (JTA.) In der Sonnlagnacht gegen 2.45 Uhr wurde von etwa sechs bis acht jugendlichen Nationalsozialisten, die eine weiße Fahne mit Hakenkreuz bei sich halten, die Schanktür einer jüdischen Schankwirtschaft in der Jagowstraße eingeschlagen. Es konnten späterhin sechs Beteiligte feslgenommen werden, die der Abteilung IA zugeführt wurden. Hakenkreuzlerdemonstrationen in Wien im Zusammenhang mit der Kreditanstalt-Krise Wien, 21. Juni. (JTA.) Die Wiener Hakenkreuzler hatten für Sonnabend, den 20. Juni, eine große judenfeindliche Kundgebung im Zusammenhang mit der Krise der Kreditanstalt geplant. Obwohl diese Kundgebung polizeilich verboten worden war, sammelten sich in den Straßen einzelne Nazitrupps, die in Kaffeehäuser eindrangen und jüdisch aussehende Besucher attakierlen. Zehn Nationalsozialisten wurden verhaftet. Schlägereien in der Wiener Universität Sämtliche Hochschulen geschlossen Der Verfassungsausschuß hat heule entschieden, daß die von Rektor Gleispaeh im vorigen Jahre unter der Regierung Schober erlassene Sludenten- Ordnung der Universtät als verfassungswidrig aufgehoben wird. Als auf der Universität diese Entscheidung bekannt wurde, setzten sofort stürmische Demonstrationen, insbesondere der nationalsozialistischen Studenten ein. Bald kam es zu heftigen Zusammenstößen, wobei mit Stöcken und Einrichtungsgegenständen gearbeitet wurde. Das historische Seminar wurde demoliert, weil sich darin eine Anzahl jüdischer Studenten versteckt hatte. Nur der Intervention der herbeigehollen Mitglieder des Rektorates gelang es, blutige Vorfälle zu verhindern. Die Polizei vermochte langsam die Studenten der übrigen Hochschulen von der Universität abzudrängen, so daß sich die weiteren Schlägereien nur unter den Universilätshörern abspielten. Infolge dieser Ergebnisse wurde nicht nur die Universität, sondern auch die Technische Hochschule, sowie die Hochschulen für Bodenkultur und Welthandel bis auf weiteres geschlossen. Die antijüdischen Exzesse in Radom wiederholen sich Warschau, 17. Juni. (JTA.) Am Montag, dem 15. Juni, 9 Uhr abends, haben sieb in Radom — wie die Zeitungen von dort melden — die antisemitischen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung wiederholt. Einige jüdische Einwohner wurden schwer mißhandelt und verletzt. In der Eisengießerei von Rubinslein wurden mehr als hundert Scheiben