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Das jüdische Echo · 1931-06-26 · 26 (26.6.1931) · p. Seite 376

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
26 (26.6.1931)
Date
1931-06-26
Page
Seite 376 (sequence 4)
Language
German
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376 Das Jüdische Echo Nr. 26 dort versammelten Repräsentanten der zionistischen Bewegung spüren werden, daß sie nicht nur den Forderungen des Tages gerecht werden müssen, sondern ihre Entscheidungen zu treffen haben im Bewußtsein, daß sie an einem Scheidewege des Zionismus stehen und doch, welchen Weg sie auch einschlagen, die Einheit der zionistischen Bewegung zu erhalten haben. I. E. Über die innerzionistische Situation kurz vor Beginn des Kongresses informieren folgende Meldungen: Ein einheitliches Programm der Allgemeinen Zionisten London, 19. Juni. (JTA.) Das Zentralorgan der Zionistischen Organisation Haolam veröffentlicht einen Leitartikel, in dem daran Kritik geübt wird, daß die Allgemeinen Zionisten eines einheitlichen Programms entbehren. Es wird darauf hingewiesen, daß in den Reihen der Allgemeinen Zionisten viele Extreme vorhanden sind, so einerseits die Mehrheit der amerikanischen Delegierten, anderseits die deutschen und englischen Delegierten. Haolam stellt die Forderung auf, daß die Allgemeinen Zionisten sich unabhängig von der Führerfrage auf ein Programm für die praktische Arbeit einigen. „Jewish Chronicle“, der schon seit einiger Zeit seine ursprünglich scharf Weizmann-gegnerische Haltung aufgegeben hat, erklärt nunmehr offen, daß kein anderer Präsident zur Verfügung stehe und daß es daher unerläßlich sei, daß Weizmann weiter im Amte bleibe. Keine Kooperation zwischen Allgemeinen Zionisten Amerikas und Revisionisten N e u y o r k , 21. Juni. (JTA.) Am Sonnabend, dem 20. Juni, sind zahlreiche Mitglieder der amerikanischen Delegation zum XVII. Zionistenkongreß nach Europa abgereist, unter ihnen Emanuel Newrnan, Rabbi Stephen Wise, Jacob de Haas und Jacob Fishman. Emanuel Newman, auf den die Formulierung des Programms der amerikanischen Zionisten in erster Reihe zurückzuführen ist, erklärte vor seiner Abreise Vertretern der Presse gegenüber, die auf einer revisionistischen Pressekonferenz in London aufgestellte Behauptung, die Mitglieder der amerikanischen Delegation würden auf dem Kongreß mit den Revisionisten kooperieren, entspreche nicht den Tatsachen. Auch Jacob Fishman erklärte, die revisionistische Behauptung bezüglich der amerikanischen Zionisten sei lächerlich; die amerikanischen Delegierten hätten keine einheitliche Einstellung zu den verschiedenen Kongreßproblemen. J. Grünbaum über die Möglichkeit einer Einbeziehung der Revisionisten in die Leitung der Zionistischen Weltorganisation Warschau, 16. Juni. (JTA.) Sejmdeputierter J. Grünbaum, der im Zusammenhang mit dem Ausgang der zionistischen Wahlen in Polen sein Amt als Vorsitzender der polnischen zionistischen Organisation niedergelegt hat, erklärte Pressevertretern gegenüber: Man kann nicht leugnen, daß die Zionisten-Revisionisten in Polen einen Wahlsieg davongetragen haben; sie haben aber doch nicht die Zahl Mandate erhalten, auf die sie gehofft haben. Es bleiben für sie zwei Möglichkeiten offen: sich mit den anderen Zionisten zu ruhiger Arbeit zusammenzuschließen oder in der Opposition zu verharren. Die jetzige „revisionistische Saison“ werde schnell Vorbeigehen. Wollen die Revisionisten zur Führung glangen, so müssen sie sich von ihrer ganzen bisherigen Phraseologie trennen.Trtigen sie die Verantwortung mit, sie würden es nicht wagen, einen Abbruch der Verhandlungen mit der englischen Regierung zu fordern. Hinsichtlich der künftigen Leitung gibt es zwei Wege: Große Koalition mit Einschluß der Revisionisten, aber ohne Jabotinsky, oder eine Leitung aus Zentrum und Linken. Werden die Revisionisten auf dem Kongreß ihre Taktik ändern, dann wird auch in Polen eine Koalition mit ihnen möglich sein. Ussischkin über die Führerfrage im Zionismus und das Verhältnis zur Mandatarmacht Jerusalem, 18.' Juni. (JTA.) In einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter äußerte sich der Direktor des Jüdischen Nationalfonds M. M. Ussischkin über eine Reihe aktueller zionistischer Probleme. Herr Ussischkin führte u. a. aus: Es ist bedauerlich, daß der TVII. Zionistenkongreß sich hauptsächlich mit zwei Fragen zu beschäftigen haben wird: mit der Frage der künftigen Beziehungen zur englischen Regierung und mit der Frage, wem die oberste Leitung der Zionistischen Organisation anvertraut werden soll. Es ist bedauerlich, daß um dieser beiden Hauptfragen willen andere wichtige Probleme, wie z. B. Finanzen, Bodenkauf und andere Fragen, die zum Gesamtkomplex der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims gehören, in den Hintergrund treten werden. Was die Stellung des Kongresses gegenüber der englischen Regierung anbelangt, so bin ich der Meinung, daß es hier keinerlei Kompromiß geben kann. Der Kongreß und die jüdische öffentliche Meinung im allgemeinen müssen möglichst schnell die ganze Welt über alle offenen und versteckten Benachteiligungen, denen wir durch die Schuld der englischen Regierung in Palästina ausgesetzt sind, informieren. Der Kongreß und die jüdische Öffentlichkeit müssen sich bemühen, das Gewissen Englands wachzurufen. Es kann aber selbstverständlich keine Rede von einem Abbruch der Beziehungen zur englischen Regierung sein. Bezüglich der Stellungnahme des Kongresses zur zionistischen Leitung äußerte Herr Ussischkin seine Meinung dahin, daß die Debatte über diesen Punkt nach dem Grundsatz: „Weder Sieger noch Besiegte“ geführt werden sollte. Im gegenwärtigen Augenblick sei mehr als je Einigkeit im zionistischen Lage notwendig. In einer Situation, wie sie eigentlich ungünstiger überhaupt nicht mehr sein kann, liege die einzige Rettung in einer Vereinigung aller zionistischen Gruppen. Im übrigen glaube er, daß Dr. Weizmann ungeachtet seiner wiederholt abgegebenen Erklärungen auf dem Baseler Kongreß im letzten Augenblick seinen Rücktrittsentschluß ändern und das Amt des Präsidenten der Zionistischen Organisation beibehalten werde. Nach Ussischkins Meinung haben die Juden auch jetzt viele Freunde unter den Mitgliedern der englischen Regierung. Vor allem sei Ministerpräsident MacDonald ein Freund der jüdischen Sache. Doch seien die Freunde der Juden in der englischen Regierung durch die Beamten des Kolonialamtes, die ausgesprochene Antisemiten sind, irregeleitet worden. — Der beste Weg, um eine Besserung dr gegenwärtigen Lage herbeizuführen, erklärte Ussischkin zum Schlüsse, sei die Einwanderung einer möglichst großen Zahl von Juden nach Palästina. Die Position des Zionismus werde um so stärker sein, je mehr Juden im Lande leben. Auch unter den jetzigen Verhältnissen könne man in Palästina jedes gewünschte Bodenausmaß erwer-

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