Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 25 (19.6.1931)
- Date
- 1931-06-19
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Das Jüdische Echo Nr. 25 wurden, wurde allen Keren-Hajessod-Zahlern regelmäßig zugestellt. Neben den regulären Beiträgen und Spenden flössen in der Berichtsperiode dem Keren Hajessod 15 000 Mark aus der Hinterlassenschaft des verstorbenen Palästinafreundes Salomon Hepner und 2500 Mark aus einer anläßlich des 60. Geburtstages von Dr. Julius Moses (Mannheim) durchgeführten Sammlung für das mikrobiologische Institut der Hebräischen Universität in Jerusalem zu. Eine Anzahl jüdischer Gemeinden Deutschlands hat aus ihrem Etat Beiträge für den Keren Hajessod bewilligt. Das Deutsche Komitee Pro Palästina hat durch Veranstaltung von Vortragsabenden und Kundgebungen den Gedanken des jüdischen Palästinaaufbaus in die große deutsche Öffentlichkeit getragen. Das Auswärtige Amt hat auch in diesem Jahre die Jahresversammlung des Deutschen Komitees Pro Palästina zum Anlaß genommen, um in einem an Graf Bernstorff gerichteten Brief des Staatssekretärs von Biilow die Sympathien der deutschen Reichsregierung für das jüdische Palästinawerk zum Ausdruck zu bringen, ln das Präsidium des deutschen Keren Hajessod wurden im Laufe der Berichtsperiode durch einstimmigen Beschluß die Herren Dr. Friedrich Brodnitz und Leo Simon kooptiert. Zum Schluß seiner Ansprache gab Direktor Wassermann der Hoffnung auf eine weitere erfolgreiche Kooperation von Zionisten und Nichtzionisten innerhalb der Jewish Agency im Dienst des Palästinaaufbaus Ausdruck. Allerdings könnte, falls innerhalb einer der beiden Komponenten der Jewish Agency radikale Strömungen die Oberhand gewinnen sollten, durch Verschiebung der Grundlagen, auf denen das Züricher Abkommen beruht, diese Kooperation schwieriger werden. Dr. Hantke über die Situation in Palästina und die Arbeit des Keren Hajessod Mit lebhaftem Beifall begrüßt, ergriff sodann der Direktor des Keren Hajessod Dr. Arthur Hantke das Wort zu seinem Referat „Die Situation in Palästina und die Arbeit des Keren Hajessod“. Der Redner wies darauf hin, daß auf der jüdischen Bevölkerung Palästinas ein doppelter Druck lastet: einerseits die ernste politische Situation, anderseits das angesichts des Rückganges der allgemeinen Sammlungen und der auf private Initiative erfolgenden Investitionen entstandene Gefühl, daß die jüdischen Führer sich nicht überall ihrer Verantwortung gegenüber Palästina bewußt sind. Nach der Meinung der palästinensischen Kreise könnte dieser Rückgang vielleicht durch doppelte Anstrengung überwunden werden. Insbesondere das Schulwerk, das das Mittel zur kulturellen Vereinheitlichung der heterogenen jüdischen Elemente Palästinas darstellt und daher unter dem Gesichtspunkt der Erneuerung des Judentums in Palästina von besonderer Bedeutung ist, müsse erhalten werden. Auch das ökonomische Leben in Palästina sei unter dem Aspekt einer jüdischen Zukunftsaufgabe zu betrachten. Die gegenwärtige Wirtschafstlage in Palästina sei zwar nicht unbefriedigend, im Hinblick auf die künftige Entwicklung aber müsse eine verstärkte Einwanderung gefordert werden, die nur möglich ist durch eine verstärkte Tätigkeit von Keren Hajessod und Keren Kajemeth. Der Keren Hajessod ist der entscheidende Pionierfaktor, durch den eine Privatinitiative überhaupt erst möglich wird. Der Rückgang in den Einnahmen des Keren Hajessod führte Dr. Hantke weiter aus, ist wohl in erster Reihe auf die Wirtschaftskrise und die Krise in der Leitung der Zionistischen Organisation der Vereinigten Staaten zurückzuführen. Der in den anderen Ländern zu verzeichnende Rückgang von 25 bis 30 Prozent stellt eigentlich eine normale Erscheinung dar, er entspricht der durchschnittlichen Einkommensverringerung. Im Hinblick auf diese Verringerung der Einnahmen wird die Übernahme des Schulwerks und der sanitären Einrichtungen der Jewish Agency durch den Jischuw erwogen. Einer solchen Übernahme stehen aber vor allem in Jerusalem, wo ein Drittel der palästinensischen Juden wohnt, infolge des Fehlens einer einheitlichen Stadtgemeinde Schwierigkeiten entgegen. Auf der anderen Seite ist damit zu rechnen, daß auf absehbare Zeit hinaus die bisherigen Spender nur noch in der Lage sein werden, etwa zwei Drittel ihrer bisherigen Beiträge für den Keren Hajessod aufzubringen. Der Ausfall müsse durch Heranziehung der noch vorhandenen Menschenreserven wettgemacht werden. Wichtig sei die Wahrung des Grundsatzes, daß die Beitragshöhe des einzelnen in einem bestimmten Verhältnis zu seinem Vermögen stehen muß und daß die Einheitlichkeit der Sammlung nicht durch eine Spezialisierung in Verwendungszweige gestört werden darf. Schließlich müsse versucht werden, durch Heranziehung freiwilliger Mitarbeit in höherem Ausmaß als bisher eine weitere Reduktion der Unkosten zu ermöglichen. Referat Dr. Ruppins über Kolonisationsprobleme Ein großangelegtes Referat über „Wirtschaftliche Probleme in Palästina“ hielt das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Dr. Arthur Ruppin. Er erklärte, aus dem großen Komplex der palästinensischen Wirtschaftsfragen nur das in letzter Zeit im Vordergrund der Diskussion stehende Problem, ob in Palästina für eine Kolonisation großen Stils Platz geschaffen werden könne, herausgreifen und behandeln zu wollen. Der Redner zeigte sodann, wie die unrichtigen Schlüsse Sir John Hope Simpsons bezüglich der Aufnahmefähigkeit Palästinas durch Anwendung der unzulänglichen Methode einer Bodenbegutachtung vom Flugzeug aus und der Mitverwertung der Üntersuchungen der Johnson-Kommission zustande gekommen sind und daß sich nach Korrektur der nachweislichen Fehler des Sempson-Berichtes die Richtigkeit der von den jüdischen Kolonisationsfachleuten vorgenommenen Schätzung ergibt, derzufolge in den Ebenen allein ohne Verdrängung der arabischen Landwirte die Ansiedlung von weiteren 55 000 landwirtschaftlichen Familien möglich ist. Das Hauptproblem der palästinensischen Landwirtschaft liegt nicht in einem Mangel an Boden, sondern in seiner besseren Verwertung. Es handle sich vor allem darum, Getreideland in Plantagenland umzuwandeln. Die Orangenkultur bilde im Hinblick darauf, daß der Orangenboden in der ganzen Welt beschränkt ist, den aussichtsreichsten Landwirtschaftszweig in Palästina. Auf Grundlage der Orangenkultur werde auch eine großzügige Ansiedlung von Mittelstandsfamilien möglich sein. Man rechnet damit, daß zur Ansiedlung einer solchen Pflanzerfamilie 850 Pfund erforderlich sind, von denen 400 Pfund von den Siedlern selbst, die restlichen 450 Pfund durch Kredit einer Agrarbank aufgebracht werden sollen. Die Voraussetzung für eine Mittelstandskolonisation bildet allerdings die Pionierarbeit der Chaluzim. Generaldebatte — Das jüdisch-arabische Problem Wahlen in den Council der Jewish Agency Die Nachmittagssitzung war einer Aussprache über die Referate und der Vornahme der Wahlen in den Council der Jewish Agency gewidmet. Im