Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 24 (12.6.1931)
- Date
- 1931-06-12
- Page
- Seite 356 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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356 Das Jüdische Echo Nr. 24 weitergibt. Die Tilgung des Darlehens gegenüber der Hilfskasse, ebenso die Refundierung des aus Stiftungsmitteln zur Verfügung gestellten Betrags soll dadurch erfolgen, daß jährlich vom Wohlfahrtsamt der Gemeinde hierzu RM. 2500 — zur Verfügung gestellt werden und weiter RM. 500.— dieses Etats für die Verzinsung des Stiftungskapitals Verwendung finden. Nach kurzen Ausführungen von Herrn Kommerzienrat Dr. Wassermann über die Haltung der liberalen Fraktion zu der neuen Einrichtung trat die Gemeindevertretung den Beschlüssen des Vorstands bei; auch die vorgelegten Satzungen der Darlehens^ kasse wurden gebilligt. In den Vorstand der Darlehenskasse, dessen Mehrheit stets von der Kultusgemeinde bestellt werden kann, wurden delegiert die Herren Justizrat Dr. Straus, Justizrat Dr. Baron, Walter Weiß, Justin Lichtenauer, Rechtsanwalt Dr. Feust und Frau Recha Stark. (Durch die Mitgliederversammlung sind gewählt worden die Herren David Horn, Norbert Sturm, Max Lieber und Bernhard Lustig.) Für die Geschäftsführung d-er Darlehenskasse haben sich als ehrenamtliche Geschäftsführer die Herren Bankier Louis Auerbach und Bankier Jakob Feuchtwanger zur Verfügung gestellt. — Der Synagogenausschuß hat mehrere Mitglieder verloren und war deshalb eine Ergänzung notwendig; auch hatte Herr Selinger, der bisherige Vorsitzende des Ausschusses, gebeten, ihn von diesem Amte zu entheben und durch eine jüngere Kraft zu ersetzen. Nachdem Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer Herrn Selinger den Dank der Gemeinde für seine langjährige hingebungsvolle Arbeit ausgesprochen hatte, wurde zum neuen Vorsitzenden des Ausschusses Herr Rechtsanwalt Dr. Werner, zum Mitglied Herr Rechtsanwalt Dr. Michael Siegel ernannt. In vertraulicher Sitzung wurden Personalfragen des Wohlfahrtsamts erledigt, ferner die Ausschreibung einer 2. Rabbinerstelle beschlossen, da Herr Rabbiner Dr. Finkeischerer noch in diesem Jahre von seinem Amte zurücktritt, schließlich wurde ein Vertrag mit dem Verlag der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung beraten und genehmigt. Eine kurze Darstellung der Lage der gemeindlichen Finanzen, die nach Erledigung der Tagesordnung von Herrn Justizrat Dr. Straus gegeben wurde, ließ erkennen., daß die Einnahmen trotz der Erhöhung des Steuersatzes um 1 Prozent hinter dem Voranschlag um RM. 55 000.— Zurückbleiben; gegenüber dem Vorjahr weisen sie einen Rückgang um nicht weniger als 25 Prozent auf. Daß eine solche Situation eingetreten ist, kann angesichts der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die in ihren Auswirkungen die jüdischen Kreise besonders hart trifft, nicht verwundern; offenbar wäre es besser gewesen, man hätte den schlechten Aussichten bereits früher wirksam Rechnung getragen, wie es von Seiten der zionistischen Fraktion verlangt worden war — wie die Dinge liegen, wird den gemeindlichen Instanzen nicht viel anderes übrig bleiben, als schnell zu handeln und trotz der Unpopularität dieser Maßnahme in absehbarer Zeit den Steuersatz noch einmal zu erhöhen. Der sozialen Arbeit der Kultusgemeinde, insbesondere der umfangreichen Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes war eine Sitzung der gemeindlichen Körperschaften und des sozialen Ausschusses vom Dienstag, 9. Juni, gewidmet. Herr Justizrat Dr. Straus gab einen eingehenden Bericht, in dem er das vorliegende Zahlenwerk erläuterte und zeigte, wie das Wohlsahrtsamt seinen akuten Aufgaben gerecht zu werden und der großen Not der Gegenwart zu steuern sucht. An Hand des Etats, der leider auch für dieses Jahr beträchlich gekürzt werden mußte und der mit den Beiträgen usw. in den Einnahmen eine Summe von 126 200 RM. aufweist, behandelte er die einzelnen Zweige der Wohlfahrtstätigkeit. Im be^ sonderen behandelte er auch diejenige Tätigkeit, die sich zwar etatsmäßig kaum auswirkt und trotzdem heute von größter Bedeutung ist, die Stellenvermittlung, die leider, wie er feststellte, noch immer nicht die genügende Beachtung der jüdischen Arbeitgeber erfährt. Trotzdem konnten im abgelaufenen Jahre 108 Stellen vermittelt werden. Den Beamten des Wohlfahrtsamtes dankte er für ihre aufopferungsvolle Arbeit, im besonderen der ausgeschiedenen Leiterin, Frl. Dr. Strauß und Frl. Kohn, die in kurzer Zeit das Wohlfahrtsamt verlassen wird (die Leitung des Wohlfahrtsamtes wird Frl. Kitzinger übernehmen, Fr. Fränkel, die neu angestellt wurde, wird ihr beiseite stehen); er gedachte des großen Verlustes., den das Wohlfahrtsamt durch den Tod des Herrn Hirschinger erlitten hat. Seine Schlußworte klangen in einen Appell an die Gemeindemitglieder. vor allem die Wohlfahrtsvereine, aus, dem Wohlfahrtsamt bei seiner Arbeit beizustehen und eine Zusammenarbeit fruchtbar zu machen, die dieses immer erstreben werde. In der Aussprache erörterte Herr Rabbiner Dr. Baerwald einen Plan, die Ausbeutung der jüdischen Gutherzigkeit durch Unwürdige zu verhindern; ferner wurde eine Aktion zur Aufbringung von weiteren Mitteln durch Spenden diskutiert, deren Durchführung bald in Angriff genommen werden soll. Auf eine Bemerkung von Justizrat Oppenheimer ging Herr Horn ein, der die Frage stellte, wie lange denn ein Jude Angehöriger der Münchener Kultusgemeinde sein müsse um nicht mehr als Ausländer betrachtet zu werden. Eine weitere Debatte über diesen durch die Verfassung der Gemeinde an sich ja geklärten Streit, der nur immer durch den verletzenden Ton von neuem heraufbeschworen wird, in dem man mancherseits glaubt, die Anforderungen nicht deutscher Staatsangehöriger an das Wohlfahrtsamt behandeln zu sollen, wußte Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer geschickt in einem Schlußwort zu unterbinden, in dem auch die großen positiven Leistungen des Wohlfahrtsamtes und seines Leiters, Herrn Justizrat Dr. Straus, herzliche und warme Anerkennung fanden. Gründung eines Vereins „Freunde der israelitischen Volksschule München“ Das segensreiche, von allen Erziehungsberechtigten der sie besuchenden Kinder wie auch von den Schulaufsichtsbehörden anerkannte Wirken der Münchener jüdischen Volksschule an der Herzog-Rudolf-Straße ist allgemein bekannt; fast ebenso bekannt sind aber auch die seit langem von dem Unternehmer der Schule, dem Verein „Ohel Jakob“ unternommenen Bemühungen, von der Kultusgemeinde eine ausreichende Subventionierung der Volksschule, die zum weitaus größeren Teil von Kindern nicht zum Verein Ohel Jakob gehöriger Erziehungsberechtigten besucht wird., zu bekommen. Da der Zuschuß der Großgemeinde für den Jahresetat der Schule bei weitem nicht ausreicht und auch Ohel Jakob nicht mehr länger in der Lage ist den Rest ganz aus seinen Mitteln