Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 24 (12.6.1931)
- Date
- 1931-06-12
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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35 2 Das Jüdische Echo Nr. 24 Verwaltung in hohem Grade. Es fragt sich nur, ob die Liberalen im Gefühle der ihnen zur Verfügung stehenden sicheren Mehrheit Verständnis für die Situation aufbringen werden. Nach den bisherigen Äußerungen scheint der versöhnliche Geist im liberalen Lager die Oberhand gewonnen zu haben. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob Parteigeist oder das Bewußtsein der erhöhten Gefahr, in der sich die Juden gegenwärtig in Deutschland befinden, den Sieg davon tragen. An dem Willen, mit aller Energie an den Aufgaben der Gemeinde mitzuarbeiten, fehlt es der Minderheit in der Berliner Gemeindestube nicht. Hoffentlich wird diese Haltung bei den Liberalen Verständnis und Entgegenkommen finden. K. M. Konstituierung der neugewäihlten Repräsentantenversammlung Erster Vorsitzender Heinrich Stern, erster stelh vertretender Vorsitzender Dr. Alfred Klee, zweiter stellvertretender Vorsitzender Dr. S. London Berlin, 8. Juni. (JTA.) Am Sonntag, dem 7. Juni, 11.30 Uhr vormittags, trat die neugewählte Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Im Namen des Vorstandes begrüßte das liberale Vorstandsmitglied, Kammergerichtsrat Leo Wölff, die Repräsentanten und hielt an sie eine kurze Ansprache. Kammergerichtsrat Wolff nahm dann die Verpflichtung der einzelnen Repräsentanten, die durch Handschlag vor sich ging, vor. Den Vorsitz übernahm nun Direktor Gutmann als Alterspräsident. Er ersuchte um Vorschläge zur Wahl des Präsidiums. Auf Vorschlag von Dr. Kurt Fleischer wurde Herr Heinrich Stern (lib.) durch Akklamation zum ersten Vorsitzenden gewählt. Rechtsanwalt Stern übernimmt den Platz des Vorsitzenden und dankt den Repräsentanten für den Beweis des Vertrauens. Auf Vorschlag von Prof. Heinrich Loewe wird Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee (Jüdische Volkspartei) durch Akklamation zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden wird, ebenfalls durch Zuruf, Dr. S. London (lib.) gewählt. Auch die Wahl von Dir. S. Gutmann (lib.) zum ersten Schriftführer und des Landgerichtsrats Rau (Volksp.) zum zweiten Schriftführer geschieht durch Zuruf. Es wird Geschlossen, am Donnerstag, dem 11. Juni, 8 Uhr aoends eine Sitzung abzunar.en, in der die elf Mitgliec er des Gemeindevorstandes, die Ausschüsse 1, II und III gewählt und ein Ausschuß zur Vorberatung des Etats eingesetzt werden sollen. Dem Ausschuß zur Vorbereitung der Vorstandswahl gehören von den Liberalen Dr. Kurt Fleischer, Dr. Leser, Direktor Max Eisenkrämer, Bruno Woyda, Bertha Falkenberg und Wilhelm Marcus, von der Volkspartei Alfred Berger, Direktor Georg Kareski. Dr. Leiewer, Dr. Klee und Dr. Oskar Wolfsberg an. Wieder Friedhofschändungen In Echzell (Oberhessen) und in Fliesteden (Rheinland) Berlin, 4. Juni. (JTA.) ln den letzten Tagen sind wieder zwei Friedhofschändungen bekannt geworden. In Echzell (Oberhessen) wurden Grabsteine mit Hakenkreuzen bemalt und auch der Eingang des Friedhofs mit diesen Abzeichen besudelt. Die Täter sind noch nicht festgestellt. Auf dem jüdischen Friedhof in Fliesteden, in der Nähe von Aachen, wurden vier Grabsteine umgeworfen und die darauf befindlichen Marmorplatten teilweise zerbrochen. Die Steine wurden mit großer Gewalt aus der Erde gerissen. Die Tat muß etwa acht Tage vor Pfingsten geschehen sein und wurde erst in den Pfingsttagen von Besuchern des Friedhofs entdeckt. In Fliesteden besteht heute keine jüdische Gemeinde mehr. Von der Bürgermeisterei wurden 200 RM. Belohnung für die Namhaftmachung der Täter ausgesetzt, jedoch waren alle Nachforschungen bisher noch nicht von Erfolg begleitet. Ein christlicher und ein jüdischer Friedhof geschändet Berlin, 5. Juni. (JTA.) Der sozialdemokratische „Vorwärts“ meldet aus Halle, 4. Juni: In der vergangenen Nacht haben bisher noch unbekannte Vandalen auf dem Nordfriedhof 32 Grabsteine umgeworfen und zum Teil zerstört. Unter den 32 Grabsteinen befindet sich nur ein einziges Kreuz, alles andere sind große Steine, Plattem oder Grabmonumente mit Aufsätzen. Auf dem gegenüberliegenden jüdischen Friedhof wurden 8 große Steine und Säulen umgestürzt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Täter in den Reihen der Nationalsozialisten zu suchen sind, die die beiden Friedhöfe, die sich gegenüberliegen, nur verwechselt haben. Hakenkreuzlerausschreitungen in Berlin Berlin, 5. Juni. (JTA.) „Berliner Tageblatt“ teilt mit: Eine Horde Nationalsozialisten durchzog am Mittwoch in später Abendstunde den Kurfürstendamm, pöbelte Passanten an und rief fortgesetzt: „Juden aus Deutschland raus!“ An der Uhlandstraße und an der Joachimsthalerstraße entwickelten sich Schlägereien, wo die Bande Passanten angegriffen hatte. Polizei rückte an und konnte zwei Rädelsführer festnehmen. Ein junger Bursche, der Passanten mit einem Revolver bedroht hatte, konnte sich leider seiner Festnahme durch die Flucht entziehen. Zwischen 24 und 1 Uhr nachts hatte die Polizei zur Sicherung des Verkehrs ein starkes Kommando von Beamten nach dem Kurfürstendamm in der Gegend der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche stationiert. Judenpogrom In Zloczow bei Lodz Warschau, 7. Juni. (JTA.) Am Fronleichnamstage fand in Zloczow, einem Städtchen bei Lodz, ein regelrechter Pogrom statt, der folgenden Verlauf nahm: Am Donnerstag, während des Fronleichnamsfestes, bewegte sich eine große religiöse Prozession durch das Städtchen, an der zahlreiche Bauern der umliegenden Dörfer teilnahmen. Gegen 1 Uhr mittags war die Prozession beendigt, die Bauernschaft schickte sich an, in die Dörfer zurückzukehren. Nationaldemokratische. Agitatoren, Mitglieder des Sokol-Vereins, begam neu aber die Massen um sich zu sammeln und erzählten ihnen, daß aus den Fenstern eines jüdischen Hauses Vitriol auf die Heiligenbilder und auf die Teilnehmer der Prozession gegossen wurde. Die Agitatoren riefen der Menge zu, man müsse ein für allemal, und zwar sofort, „mit den Juden abrechnen“. Andere nationaldemokratische Agitatoren begaben sich in die benachbarten Dörfer, wiegelten die Bauernschaft gegen die Juden