Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1931-06-12 · 24 (12.6.1931) · p. Seite 353

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
24 (12.6.1931)
Date
1931-06-12
Page
Seite 353 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103087-9176178--11771-9083842
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 24 Das Jüdische Echo 353 auf und führten sie geschlossen in die Stadt. Eine jüdische Abordnung meldete diese Vorfälle dem Polizeikommandanten. Dieser versicherte, er werde die energischsten Maßnahmen gegen die Aufwiegler ergreifen, die Bevölkerung möge ruhig sein. Aber schon als die Abordnung das Polizeigebäude verließ, zogen Gruppen von Bauern, geführt von den Zloczower Schullehrern und Mitgliedern des Sokol durch das Städtchen und stießen „Rache“-Rufe aus. Gegen 9 Uhr abends ging, wie auf ein Signal, der Pogrom los. Unter Pfeifen und ungeheuerem Lärm schlugen die Exzedenten auf jeden Juden, der ihnen in die Hände fiel, los, zerschlugen mit Stöcken alle Fensterscheiben, demolierten alle Läden, drangen in die Wohnungen ein und mißhandelten alle Familienangehörigen. Eine Frau Großmann wurde durch einen Revolverschuß tödlich verletzt, zwei andere schwerverletzte jüdische Einwohner ringen mit dem Tode. Warschau. 8. Juni. (JTA.) Die jiddische Tageszeitung „Moment“ veröffentlicht Berichte ihres nach Zloczow, Wojwodschaft Lodz, wo am, Fronleichnamstage ein Judenpogrom stattgefunden hat, entsandten Berichterstatters, aus denen hervorgehet, daß unter der 400 Familien zählenden jüdischen Gemeinde ungefähr 200 -Verletzte, Männer, Frauen und Kinder, gezählt werden. Exkönig Hussein in Ämman gestorben Einer der hartnäckigsten Feinde des Zionismus Jerusalem, 4. Juni. (JTA.) Der frühere König Hussein von H'edschas, der in den letzten Jahren auf Cypern in der Verbannung gelebt hat und vor einiger Zeit zu Besuch seines Sohnes, des Emirs Abdullah von Transjordanien, nach Amman gekommen war, ist dort heute morgen verstorben. Er erkrankte vor einigen Monaten sehr schwer, die Presse meldete bereits seinen Tod. Diese Nachricht erwies sich als falsch; Hussein erholte sich wieder. Vor einigen Tagen hatte er in Amman einen schweren Rückfall, er verfiel in Bewußtlosigkeit, heute morgen trat der Tod ein. Mit Hussein von Hedschas ist einer der hartnäckigsten Feinde der zionistischen Bewegung und der Idee der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina dahingegangen. Seine Leiche wird nach Jerusalem gebracht und dort bestattet werden. Hussein ibn Ali, aus dem Geschlecht der Haschimiiten, hat ein Alter von 73 Jahren erreicht. Jahrzehntelang war er unter der türkischen Regierung Emir und Großischerif von Mekka. Im Kriege war er Parteigänger Englands und schloß mit England ein Freundschaftsabkommen betreffend Errichtung eines arabischen Reiches. 1919—1924 war er König von Hedschas. Sein Sohn Feisul nahm an der Friedenskonferenz teil und wurde später König von Irak. Der zweite Sohn, Abdullah, wurde Emir von Transjordanien. Der Versuch einer auf die Dynastie der Haschemitien’ aufgebauten arabischen Konföderation mißlang. Als die Türkei 1923 das Kalifat abschaffte, proklamierte sich Hussein zum Kalifen aller Moslems. Seine Hoffnung, von der gesamten islamischen Welt anerkannt zu werden, erfüllte sich jedoch nicht. Hussein bekämpfte später die Politik des englischen Mandats in Palästina und die Errichtung eines jüdischen Nationalheims in diesem Lande. Er weigerte sich, den ihm von England vorgelegten Anglo-Hedschas-Vertrag zu unterzeichnen, weil in diesem Vertrage die Anerkennung des Palästinamandates und also auch der Balfour-Deklaration gefordert war. Er behauptete, die ihm von England während des Krieges gemachten Versprechungen verbürgten ein unabhängiges Palästina. Von autoritativer englischer Seite wurde dieser Behauptung wiederholt scharf widersprochen. Als 1924 die alten Gegner der HaschimitemDynastie., die Wahabiten, unter Führung Ibn Sauds, des Sultans von Nedschd, in das Reich Husseins einfielen, erklärte England seine Neutralität. Hussein unterlag und mußte Hedschas räumen, sein Entschluß, den Anglo-K'edschas-Vertrag nun doch zu unterzeichnen, kam zu spät. Im Oktober 1924 mußte er abdanken, er ging nach Cypern in die Verbannung. Da auch sein Sohn Ali sich gegen die Wahabiten nicht halten konnte, ging das Königreich Hedschas in die Herrschaft Ibn Sauds über. Die Wahlen zum XVII. Zionistenkongreß Berlin, 10. Juni. (JTA.) Die Hauptwahlkommission zur Feststellung der Resultate der Wahlen zum XVII. Zionistenkongreß in Deutschland tagte die ganze Nacht vom Dienstag zu Mittwoch hindurch, ohne mit dem Material fertig geworden zu sein, da mehrere besonders aus Provinzstädten eingelangte Proteste zu erledigen sind. Die Kommission wird am Mittwoch abend wieder zusammentreten, um das endgültige Wahlresultat festzustellen. Nach den bisherigen Ergebnissen haben die Allgemeinen Zionisten 3, die Revisionisten mit 1, die Linken mit 2, der Misrachi mit 2 Mandaten zu rechnen. Ungewiß ist noch die Zuteilung des 9. Mandats, das nach dem augenblicklichen Stand der Dinge entweder der Linken oder den Radikalen zufallen könnte. Einige wenige Stimmen werden den Ausschlag geben. In Berlin wurden gewählt: 473 Allgemeine Zionisten, 449 Revisionisten, 528 Linke (Poale Zion und Hitachduth), 406 Misrachi und 181 Radikale. In Bresau wurden gewählt; 199 Allg. Z., 116 Rev., 175 Linke,, 138 Misr., 16 Rad.; in Frankfurt a. M.: 116 Allg. Z., 178 Rev., 82 Linke, 143 Misr., 93 Rad.; in Hamburg: 104 Allg. Z., 9 Rev., 95 Linke, 224 Misr., 24 Rad.; in Leipzig: 36 Allg. Z., 62 Rev., 128 Linke, 164 Misr., 64 Rad.; in München: 109 Allg. Z., 42 Rev., 43 Linke, 31 Misr.. 2 Rad.; in Beuthen: 22 Allg. Z., 61 Rev., 57 Linke, 65 Misr., 59 Rad. Warschau, 9. Juni. (JTA.) Die Delegiertenmandate zum XVII. Zionistenkongreß werden in Kongreßpolen nach den bisherigen Resultaten wahrscheinlich wie folgt verteilt werden: Revisionisten 10, Liga für das arbeitende Palästina 8, Misrachi 7, Al Hamischmar (Radikale) 6, Eth Liwnoth (praktische Zionisten) 2 Mandate. Wien, 5. Juni. (JTA.) Die Wiahlen zum XVII. Zionistenkongreß in Österreich ergaben das folgende Resultat: Allgemeine Zionisten rund 1400, Arbeitendes Palästina 850, Revisionisten rund 2000, Radikale 350, Misrachi 220 Stimmen. Die vier österreichischen Delegiertenmandate verteilen sich wie foglt: 2 Revisionisten, 1 allgem. Zionist, ein Vertreter des arbeitenden Palästina. Die Wahlbeteiligung betrug 58 Prozent. Prag, 7. Juni. (JTA.) Bisher wurden für die Wahlen zum XVII. Zionistenkongreß 8095 Stimmen in 96 von den 199 Wahlorten gezählt, was einer Beteiligung von 50 Prozent entspricht. Es entfielen auf Misrachi 1243, Revisionisten 1749, Radikale 673, Allgemeine Zionisten 2051. Dem-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.