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Das jüdische Echo · 1931-06-05 · 23 (5.6.1931) · p. Seite 344

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
23 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
Seite 344 (sequence 12)
Language
German
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344 Das Jüdische Echo Nr. 23 allen zur Wahl gestandenen Listen vorgenommen hatte. Subventionierung der Hitlerbewegung durch den Essener Bergbauverein Berlin, 31. Mai. (JTA.) Die „Rheinische Zeitung“, das sozialdemokratische Organ in Köln, brachte in diesen Tagen eine Meldung, wonach noch vor kurzer Zeit der Bergbauliche Verein in Essen, der schon vor den Septemberwahlen des vorigen Jahres gewaltige Summen in die Kassen der Nationalsozialisten gegeben habe, der nationalsozialistischen Parteileitung wiederum eine halbe Million Mark bewilligt habe. Der Antrag sei mit nicht unerheblicher Mehrheit angenommen und es sei beschlossen worden, die Summe im Umlegungsverfahren nach einer bestimmten Verrechnungsmethode auf die angeschlossenen Zechen zu verteilen. Einigen Persönlichkeiten, die gegen die Bewilligung des Geldes Bedenken gehabt und die auf sozialistische Forderungen im nationalsozialistischen Programm hingewiesen hätten, sei lachend versichert worden: „Ach was, Programm! Man weiß doch, was das bei dieser Bewegung besagen will, und wir haben auch entsprechende Garantien ...“ Von nationalsozialistischer Seite wurde diese Mitteilung nicht dementiert, dagegen erklärte sie ein der Industrie nahestehendes Blatt als frei erfunden. Die „Frankfurter Zeitung“ ist in der Lage, hach ihrer Kenntnis der Dinge die Mitteilung der „Rheinischen Zeitung“ als richtig zu bezeichnen. Die Zeitung fügt hinzu: „Soviel wir wissen, hat auch die Reichsregierung eine Mitteilung über die Subventionierung der Hitlerbewegung durch den Bergbaulichen Verein erhalten. Sie wird von ihr als zutreffend erachtet.“ Die Fricksche Schulgebetsordnung erst jetzt außer Kraft Berlin, 28. Mai. (JTA.) Bei den Etatsabstimmungen am thüringischen Landtag wurde, wie aus Weimar telegraphiert wird, mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, der Volkspartei und des Vertreters der Staatspartei eine von den Sozialdemokraten eingebrachte Entschließung angenommen, durch die die Landesregierung ersucht wird, die bekannte Fricksche Schulgebetsverordnung vom 16. April 1930 aufzuheben. Frick hat zwar seinerzeit die Entscheidung des Staatsgerichtshofs für das Deutsche Reich vom 11. Juli 1930, durch welche drei von den fünf in seiner Gebetsyerordnung zum Gebrauch in den thüringischen Schulen empfohlenen sogenannten „Freiheitsgebeten“ für verfassungswidrig erklärt wurden, im Amtsblatt des thüringischen Volksbildungsministeriums bekanntgegeben, er hatte es aber nicht für nötig gehalten, die Schulgebetsverordnung als solche zurückzuziehen, so daß sie formell auch jetzt noch in Kraft ist. Die Göttinger Studentenkammer nationalsozialistisch Berlin, 26. Mai. (JTA.) An der Göttinger Universität fanden die Wahlen zur Studentenkammer statt. Mit 11 gegenüber 6 Sitzen im Vorjahr steht der nationalsozialistische Studentenbund an der Spitze. Die Arbeitsgemeinschaft Göttinger Studenten, die im vorigen Jahre 13 Sitze inne hatte, mußte sich mit 5 Sitzen begnügen. 200 jüdische Markthändler in Oberschlesien brotlos gemacht Kattowitz, 25. Mai. (JTA.) Die polnischen Behörden haben auf Grund eines angeblichen deutschen Gesetzes vom Jahre 1907 200 jüdischen Markthändlern in Königshütte, die seit mehreren Jahren auf den Märkten des Kreises Königshütte Kleider, Schuhwaren und Tnikotagen vertrieben haben, den Besuch der Märkte verboten. Dadurch sind 200 jüdische Familien brotlos gemacht worden. Sigmund Freund und Franz Werfel im Ehrenpräsidium der österr. Liga für das arbeitende Palästina Wien, 26. Mai. (JTA.) In diesen Tagen fand die konstituierende Sitzung der Liga für das arbeitende Palästina in Österreich statt. In der Sitzung wurde bekanntgegeben, daß Professor Sigmund Freud, der sozialistische Theoretiker Rudolf Goldscheid, die Künstler Jehuda Epstein und Prof. Juliusz Wolfsohn, ferner Adolf Böhm, Rabbiner Dr. Feuchtwang und Dr. Joseph Löwenherz dem Ehrenpräsidium der Liga beigetreten sind. In das Präsidium der Liga wurden gewählt: Dr. Leo Goldhammer, Frau Sophie Löwenherz (Präsidentin der östereichischen Wizo) und Dr. Edmund Jerusalem. Die jüdischen Gemeindewahlen in Polen Warschau, 1. Juni. (JTA.) Die Hauptwahlkommission für die jüdischen Gemeindewahlen in Warschau hat nach durchgeführter endgültiger Prüfung des Abstimmungsergebnisses entschieden, daß auf die Liste der Agudas Jisroel 20 (statt, wie zuerst festgestellt, 19) entfallen, während auf die Liste der Polen mosaischer Konfession nur ein Mandat (statt 2), entfällt. Die Wahlen zur jüdischen Gemeinde in Lodz haben folgendes Ergebnis gebracht: Agudas .lisroel und die mit ihr verbundenen Gruppen errangen 15, die Zionisten 4, die Jüdische Volkspartei (Folkisten) 2, die Alexandrer Chassidim 2 Mandate, Misrachi und Handwerker 1, Polen mosaischer Konfession 1 Mandat. Warschau, 25. Mai. (JTA.) Eine Abordnung der jüdischen Frauenvereine Polens erschien im Kultusministerium und überreichte ein Memorandum, in welchem für die jüdische Frau das aktive und passive Wahlrecht zu den jüdischen Gemeinden gefordert wird. Die Abordnung wies darauf hin, daß in mehreren Ländern, z. B. auch m Deutschland, die Frauen bereits das Wahlrecht zu den jüdischen Gemeinden und GemeindeverPänaen besitzen. Der Direktor des Kultusministeriums, Pomocki, erklärte, er werde das ihm überreichte Material studieren und der Angelegenheit sein Interesse zuwenden. Eröffnung des Palästina-Pavillons auf der Pariser Kolonialausstellung Paris, 31. Mai. (JTA.) Am Freitag, dem 29. Mai, wurde der Palästina-Pavillon auf der Pariser Kolonialausstellung feierlich eröffnet. Im Hauptsaal des Pavillons wurden der französische Kolonienminister Paul Reynaud, Feldmarschall Lyautey und Baron Edmond de Rothschild vom Ehrenpräsidenten des Komitees für den Palästina-Pavillon, dem Senator und ehemaligen Minister Justin Godartj, sowie vom Präsidenten des Komitees, Louis Asscher, begrüßt. Senator Justin Godart wies in seiner Ansprache auf die Palästina durch den Friedensvertrag verliehene staatsrechtliche Stellung hin und betonte, daß Palästina nicht eine Kolonie, sondern ein unabhängiges Land ist. Er hob die Verdienste Baron Edmond de Rothschilds um die Palästina-Kolonisation hervor und erinnerte daran, daß Frankreich noch vor dem Abschluß der Friedensverträge in einer von Jules Cambon unter-

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