Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 23 (5.6.1931)
- Date
- 1931-06-05
- Page
- Seite 343 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 343 der Jewish Agency in Palästina während der Periode 1929—1931“, erstattet vom Mitglied der Executive, Herrn Dr. Arthur Ruppin; 8. Bericht des Vorsitzenden des Administrative Committee; 9. Referat des Vorsitzenden der ständigen Subkommission für Finanzen und Budget, Herrn Direktors Oscar Wassermann, über: „Die finanziellen Aspekte und Probleme der Jewish Agency“. Dritte Sitzung, Mittwoch, den 15. Juli, 3 Uhr nachmittags: 10. Debatte über die erstatteten Berichte; 11. Wahl folgender Ausschüsse: a) Politischer Ausschuß, b) Ausschuß für Einnahmen und Ausgaben (Budget), c) Organisationsausschuß, d) Ausschuß zur Vorbereitung der Wahlen. Vierte Sitzung, Donnerstag, den 16. Juli, 10 Uhr vormittags: 12. Fortsetzung der Debatte. (Donnerstag nachmittags und abends finden Beratungen der Ausschüsse statt.) Fünfte Sitzung, Freitag, den 17. Juli, 11 Uhr vormittags: 13. Berichte der Ausschüsse und Beschlußfassung über die vorgelegten Anträge; 14. Wahl der verschiedenen Organe der Agency; 15. Schluß der Tagung. Blumenfelds Äntwort an Jabotinsky Der Wahlausschuß der Allgemeinen Zionisten hatte zu einem Vortrag von Kurt Blumenfeld eingeladen, der sich mit Jabotinskys Ausführungen auseinandersetzen sollte, die kürzlich in München so viel Interesse und Widerhall gefunden hatten. Ebenso wie damals hieß das Thema „Juden, Engländer, Araber“; auch diese Veranstaltung war gut besucht. Weniger als Jabotinsky ging Blumenfeld auf die praktischen Fragen der zionistischen Politik ein, sondern stellte in den Vordergrund eine eingehende Darlegung seiner Anschauung über Sinn und Ziel des zionistischen Gedankens überhaupt im Gegensatz zur revisionistischen. Der Revisionismus stellt für Blumenfeld eine Assimilation an die Gedankenwelt des europäischen Nationalismus dar, die schärfer zu bekämpfen sei, als irgend eine andere Form der Assimilation des Judentums. Die faschistische Ideologie, nach der in der Politik das Lebensinteresse und der Machtwille der Nation, ihr „heiliger Egoismus“ oberster Maßstab sei, dem gegenüber alle ethischen Ideale zurückzutreten haben, beherrscht auch das Programm der Revisionisten. Mit einem derartigen Programm wird es nie möglich sein, die Hilfe anderer, mit der auch der Revisionismus rechnet, zu gewinnen; denn Freunde des Zionismus können nur Menschen sein, welche Zusammenhänge und Rechte anerkennen, die über der eigenen Nation stehen. In Bezug auf die Politik gegenüber England begeht der Revisionismus den Fehler, auf einem Dokument, der Balfour-Deklaration, eine Machtpolitik aufbauen zu wollen. Wie in jeder Politik entscheiden aber auch in die Mandatspolitik nur die tatsächlichen Machtverhältnisse. Laute Proklamationen und eine Politik der geballten Faust können keine reale Macht ersetzen. Kluge Machtpolitik schätzt ihre eigene Macht und die des Gegners richtig ein und wartet, bis ihre Zeit für eine große politische Aktion gekommen ist. Hieß die Parole der französischen Revanche-Bewegung gegen Deutschland: „Immer daran denken, nie davon reden“, so lautet die revisionistische umgekehrt. Eine Politik der Proklamationen und übertriebenen Forderungen hat nur die Wirkung, England zu verbittern, wie die feindselige Stimmung der englischen öffentlichen Meinung als Folge der zionistischen Politik nach den Unruhen zeigt. Aufgabe unserer Politik ist es, nüchtern die realen Möglichkeiten zu erkennen und in ihren Grenzen um die Durchsetzung unserer Ziele zu kämpfen. Dieser Grundsatz der Realpolitik ist von Jabotinsky selbst durch die Akzeptierung des Churchillschen Weißbuches anerkannt worden. Wenn der Weizmannschen Politik ein Vorwurf gemacht werden kann, so ist es nach Blumenfelds Meinung der, daß man das Weißbuch nicht auch innerlich akzeptiert hat, d. h. daß man nicht den binationalen Staat als nächste Zielsetzung der zionistischen Politik anerkannt und damit die Basis für eine Zusammenarbeit mit England und eine Verständigung mit den Arabern geschaffen hat. Mit der Forderung nach Majorität und Judenstaat wird man nie die englische Hilfe gegen die Araber gewinnen. Der Gedanke an Beherrschung der Araber („Minderheitsrecht ist nicht Gleichberechtigung“) ist aber auch unmoralisch, denn er widerspricht dem Glauben an die Grenzen der Gewalt auf dem unser Leben in der Galuth aufgebaut ist. Die Hauptaufgabe der zionistischen Politik heißt zunächst Verstärkung unserer Machtposition in Palästina. Daher würden auch die Revisionisten nicht umhin können, die jetzt von ihnen herabgesetzte Fonds- und Agencypolitik weiterzuführen. Mit seiner Majoritäts- und Judenstaatsforderung schafft Jabotinsky neue Wunschbilder, mit deren Hilfe er eine nationale Bewegung erzeugen will. Dieser Versuch muß mißlingen; denn das historische Verdienst des Zionismus ist es eben, eine Lösung der Judentrage in der Welt der Realitäten gezeigt zu haben. Jabotinskys illusionärer „größerer Zionismus“ ist ein Zeichen von mangelndem Vertrauen in die nationale Zuverlässigkeit der Juden. Der wahre Zionismus muß die ursprünglichsten Kräfte, die tiefste Sehnsucht im jüdischen Volke erwecken. Einer Bewegung, welche sich so wie der Revisionismus von Zeitströmungen treiben läßt, die dem jüdischen Wesen und der jüdischen Ethik widersprechen (die sozial-reaktionäre Haltung der palästinensischen Revisionisten, den Brith Trumpeldor in Polen als Schutztruppe des reaktionären, militaristischen polnischen Regimes zog Blumenfeld als bezeichnend heran), kann das nicht gelingen. Nach Blumenfelds mit großer Leidenschaftlichkeit und starker Erregung vorgetragenen Ausführungen fand eine kurze Diskussion statt, in der die Herren Simann und Dr. Berger den revisionistischen Standpunkt vertraten. R.E. Aus der jüdischen Welt Die Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde durch den Polizeipräsidenten bestätigt Berlin, 29. Mai. (J.T.A.) Der Polizeipräsident von Berlin hat die am 30. November 1930 durchgeführten Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin, gegen die von verschiedenen Seiten Proteste erhoben wurden, endgütig bestätigt, nachdem der Wahlprüfungsausschuß die Beschwerden hinsichtlich der Beteiligung von Personen, die vorher nicht in den Wählerlisten aufgenommen worden waren, an der Abstimmung rektifiziert und geringe Abstriche bei