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Das jüdische Echo · 1931-06-05 · 23 (5.6.1931) · p. Seite 340

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
23 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
Seite 340 (sequence 8)
Language
German
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340 Das Jüdische Echo Nr. 23 Wahlaufruf der Vereinigung radikaler Zionisten Alle zionistischen Gruppen sind sich darüber einig, daß der bevorstehende 17. Kongreß Entscheidungen von folgenschwerer Bedeutung wird treffen und das Schicksal der Bewegung auf Jahre hinaus wird bestimmen müssen. Sowohl die außenpolitische wie die innerzionistische Situation erfordert entscheidende Beschlüsse und radikale Maßnahmen, wenn schlimmste Gefahren noch rechtzeitig abgewendet werden sollen. Die Vereinigung radikaler Zionisten tritt in diesen Wahlkampf mit einem verstärkten Bewußtsein ihrer Bedeutung und ihrer Aufgaben. Außenpolitisch haben sich die Konzeptionen und Forderungen, die unsere Gruppe seit Jahren vertritt, in vollem Maße als richtig erwiesen. Nur Zionisten, die nicht die Dinge sehen wollen, wie sie sind, oder die aus Prinzip verbohrte Anhänger des jeweils herrschenden Systems sind, können sich darüber hinwegtäuschen, daß das politische System, das Jahre hindurch unsere Außenpolitik beherrschte sich als unwirksam erwiesen hat. Die jahrelang hindurch gegebene Charakteristik der politischen Lage als befriedigend, das unerschütterliche Vertrauen zu England und den englischen Beamten, der Verzicht auf eine konsequente aktive Außenpolitik, die ungenügende Ausnutzung der Faktoren der jüdischen öffentlichen Meinung und der internationalen Sympathien, die wir besitzen, als Mittel in unserem Kampfe: all dies und vieles mehr, was bis zum Passfieldschen Weißbuch unsere Außenpolitik charakterisierte, waren Ausdrucksformen eines falschen und kurzsichtigen politischen Systems. Gerade das letzte Halbjahr der zionistischen Politik und die energischeren Methoden, mit denen zum großen Teil unter dem Druck der erregten zionistischen Öffentlichkeit die Leitung ihre Politik seit dem Weißbuch geführt hat und die Erfolge dieser Politik, wie sie im Mac Donald-Brief zum Ausdruck gekommen sind, beweisen, daß bei allen Schwierigkeiten, die nicht verkannt werden sollen, Erfolgsmöglichkeiten vorhanden sind, wenn ein aktiverer und kampfbereiter Geist unsere Politik beherrscht. All dies ist eine Bestätigung der außenpolitischen Parolen, die unsere Gruppe seit ihrer Entstehung vertreten und verfochten hat. So sehr wir stets für eine Änderung unserer politischen Methoden und ihre Aktivierung im Geiste einer kämpferischen zionistischen Politik eingetreten sind, so sehr haben wir uns, und insbesondere auch in der letzten Zeit, gegen die maßlosen Übertreibungen und Verzerrungen solcher Forderungen durch manche Kreise, insbesondere durch die Revisionisten, zur Wehr gesetzt. Wir glauben, daß eine Politik der extremen Phraseologie, der Drohungen und der leeren Geste größte Gefahren für uns nach sich ziehen kann, daß Parolen wie „Kampf gegen England“, Versuche einer Bagatellisierung der arabischen Frage, daß die Propagierung lärmender und provozierender Methoden ebenso sehr unzionistisch wie unpolitisch sind. Unsere Gruppe hat gerade im letzten Halbjahr durch ihre Mitwirkung an entscheidenden politischen Aktionen gezeigt, daß sie vom Geiste der Verantwortung für die Gesamtbewegung und die Gesamtinteressen des Zionismus beherrscht und nicht bereit ist, Parteigeschäfte auf Kosten der Gesamtheit machen zu wollen. Unsere Forderungen auf dem Kongreß hinsichtlich der Außenpolitik werden dieser unserer bisherigen Haltung entsprechen. Kurz zusammengefaßt fordern wir eine Politik, deren Charakteristika sind: Nüchterne, rein realpolitische Einstellung gegenüber England, die weder pro-englisch noch anti-englisch ist; Erkenntnis der Schwierigkeiten unserer Situation in England: insbesondere der kar zutage getretenen antizionistischen Haltung der Beamtenschaft; offene Darlegung der wahren politischen Lage in Palästina und permanenter Kampf gegen die antizionistischen Tendenzen in der englischen Politik mit Hilfe aller legitimen Mittel. Mobilisierung der jüdischen öffentlichen Meinung und der internationalen Öffentlichkeit zur Unterstützung und Verstärkung unserer Forderungen, Inaugurierung einer viel bewußteren internationalen Politik, die die internationalen Faktoren (Völkerbund, Amerika usw.) sehr viel stärker berücksichtigt als es bisher geschehen ist; ernsthafte Inangriffnahme des arabischen Problems durch eine systematische und zähe Sondierung der Probleme, durch Aufnahme von Beziehungen mit den großen Faktoren der arabischen Politik in- und außerhalb Palästinas als der Lösung der Judenfrage, bei gleichzeitiger Anerkennung aller berechtigten Ansprüche der Araber und dem Willen, ihre legitimen Rechte sicherzustellen; Vorsorge für die Schaffung arbeitsfähiger und auch personell ausreichend besetzter politischer Ressort in London, Genf und Jerusalem. Von nicht minder großer Bedeutung als die Frage der Außenpolitik ist die wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Situation der Bewegung. Niemand darf an der Erkenntnis Vorbeigehen, daß wir faktisch seit Jahren in einem Zustand der Stagnation in Palästina uns befinden. Der Kongreß wird neue Wege suchen müssen, um größere Mittel für eine kolonisatorische Expansion in Palästina zu schaffen. Neben allen Methoden zur Ausgestaltung der nationalen Fonds, deren zentrale Bedeutung von uns voll anerkannt wird, müssen daneben Wege gesucht werden, um sowohl das jüdische Privatkapital für Palästina stärker als bisher zu interessieren als auch internationale Geldquellen für den Zionismus zu erschließen. Wir glauben, daß gerade in der gegenwärtigen Wirtschaftslage Tausende Juden, insbesondere in Amerika, zu Investitionen und zur Übersiedlung nach Palästina gebracht werden können, wenn diese Bewegung von unseren Kolo- Ionisationsinstanzen zentral gefördert und unterstützt wird. Wir glauben auch, daß Aussichten bestehen, internationale Kapitalien für den Aufbau Palästinas zu mobilisieren und erblicken darin eine der zentralen Aufgaben der künftigen Exekutive, für deren Inangriffnahme der Kongreß bestimmte und klare Direktiven wird erteilen müssen. Die Voraussetzung einer fruchtbaren Umgestaltung unserer Außenpolitk, der Inangriffnahme großer wirtschaftlicher und wirtschaftspolitischer Aktionen ist eine Bereinigung der innerzionistischen Situation. Wir erachten die Lage, wie sie jetzt ist, als untragbar. Der legitime Kampf der Parteien hat eine Form angenommen, die den Bestand der Organisation auf die Dauer gefährdet. Wir haben gerade in letzter Zeit den Kampf gegen diese destruktiven Methoden im Zionismus aufgenommen, insbesondere gegen die Kampfmittel persönlicher Verdächtigung und Verleumdung führender Zionisten. Die Anerkennung des guten Glaubens und der zionistischen Gesinnung auch beim Gegner ist die Voraussetzung für die Zu-

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