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Das jüdische Echo · 1931-06-05 · 23 (5.6.1931) · p. Seite 336

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
23 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
Seite 336 (sequence 4)
Language
German
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336 Das Jüdische Echo Nr. 23 20 000 Juden jährlich und unverändertem natürlichem Bevölkerungszuwachs im Jahre 1956 eine jüdische Majorität in Erez Israel vorhanden sein wird, während bei einer jüdischen Einwanderung von 10 000 jährlich, die Juden niemals Majorität erlangen werden. Nicht davon,, ob wir den Judenstaat oder das nationale Zentrum als zionistisches Ziel verkünden, sondern von der Stärke unserer Einwanderung und der Gestaltung der für die Einwanderung wesentlichen wirtschaftlichen Bedingungen, von Erez Israel also hängt die Entwicklung des jüdischen Nationalheims ab. Welcher Zionist wünscht nicht eine jüdische Mehrheit in Erez Israel, würde nicht mit allen Kräften auf sie hinarbeiten? Die großen Entwicklungsmöglichkeiten des vorderen Orients lassen die Hoffnungen auf eine jüdische Masseneinwanderung als durchaus nicht utopisch erscheinen. Trotzdem aber muß es als eine vermessene va banque- Politik bezeichnet werden, von der Erlangung einer jüdischen Majorität in Erez Israel die Daseinsberechtigung des Zionismus, den Fortbestand des jüdischen Volkes abhängig zu machen, denn wir können nicht mit Bestimmtheit Voraussagen, ob und wann das jüdische Volk in Erez Israel die Mehrheit erlangen wird. Davon aber sind wir überzeugt, daß in Erez Israel ein in nationaler und politischer Freiheit lebender, mit allen Merkmalen eines normalen Volkslebens ausgestatteter Jischuw entstehen und ein unerschöpflicher Lebensquell für das ganze jüdische Volk werden kann. Die nationale und politische Freiheit, die wir für uns verlangen, wollen wir aber auch den Arabern zugestehen, einerlei, ob wir die Mehrheit oder eine Minderheit im Lande bilden. Wir lehnen mit aller Schärfe eine Politik der Entrechtung gegenüber dem arabischen Volke ab, weil sie eine Verleugnung des Geistes unserer Geschichte bedeuten, und sich für das jüdische Aufbauwerk aufs unheilvollste auswirken würde. Eine Verständigung mit den Arabern ist jedenfalls dann unmöglich, wenn wir sie als minderwertig behandeln und ihnen ihre natürlichen Lebensrechte verkümmern wollen. Nationale und politische Freiheit für die Juden und die Araber d. i. der Sinn des so vielfach mißverstandenen Gedankens vom binationalen Staat, den sich auch Weizmann in der A.-C.-Sitzung vom August 1930 ausdrücklich zu eigen gemacht hat. Der allgemeine Zionismus glaubt nicht etwa, daß durch das Bekenntnis zu diesem Gedanken die Araber ohne weiteres für eine Verständigung gewonnen werden können. Sie werden sich gewiß mit dem Zionismus nur dann abfinden, wenn sie ihn endgültig als unabänderliche Tatsache begriffen haben und zu der Einsicht gelangt sind, daß das jüdische Nationalheim ebensosehr Realität wie das Arabertum ist, daß beide Völker durch das Schicksal untrennbar miteinander verbunden sind und daher einen modus vivendi finden müssen. Zu dieser Einsicht werden sich aber die Araber nur dann durchringen, wenn England sich unbeirrbar entschlossen zeigt, die Balfour-Deklaration zu verwirklichen. Solange die Palästinaverwaltung durch ihre zwiespältige oder offen judenfeindliche Politik den Arabern Hoffnung auf eine Revision des Mandats läßt, muß einem Versuch der Verständigung mit den Arabern der wirkliche Erfolg versagt bleiben. Es ist daher die entscheidende Aufgabe der zionistischen Außenpolitik, England auf eine wirkliche, nicht nur theoretische Anerkennung seinen Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Volk aus dem Mandat und auf ihre restlose Erfüllung festzulegen. Ein Einfluß auf die englische Politik in diesem Sinn kann durch verschiedene Kanäle gehen — über Genf, über Washington, über Johannesburg; in besonderen Zeiten, wie wir sie jetzt erlebt haben, kann auch ein Proteststurm des gesamten jüdischen Volkes eine große Wirkung ausüben. Das alles ändert aber nichts an der entscheidenden Tatsache, die sogar indemrevisionistischen Wahlaufruf anerkannt wird, daß ohne England oder gegen England die zionistische Kolonisation in Palästina nicht möglich ist, daß wir also auf das Bündnis mit England angewiesen sind. Mit einem Partner mag man wohl zeitweise heftige Auseinandersetzung haben, aber auf die Dauer kann eine Bundesgenossenschaft nur bei gegenseitigem Vertrauen Bestand haben. Daher war die Weizmannsche Politik mit vollem Recht darauf bedacht, das Vertrauensverhältnis zu England zu erhalten und nach der eingetretenen Trübung es wieder herzustellen. Nur unverantwortliche Demagogen können ihn deswegen anklagen und eine Politik der Feindschaft und des Kampfes gegen England fordern. In einer Zeit, die eine Zusammenfassung aller Kräfte erfordert, um der ungeheuren politischen und finanziellen Schwierigkeiten Herr zu werden, ist die zionistische Organisation durch einen zügellosen Parteikampf zerklüftet und erschüttert. Es besteht die Gefahr, daß auch der Kongreß durch radikale Parteipolitik beherrscht und an wirklich produktiver Arbeit verhindert wird. Nur eine tragfähige Mitte kann dieser Gefahr begegnen, wie überhaupt die Arbeit der Flügelparteien und der gesamten Organisation für das Palästinawerk und die Gewinnung der Judenheit fruchtbar machen. Sie gewährleistet vor allem auch eine Fortsetzung der zielklaren, durch Erkenntnis der politischen Möglichkeiten geleiteten Politik Weizmanns, die allein den Zionismus vor verhängnisvollen Irrwegen bewahren kann. Wer im Interesse dieser Politik eine starke Mitte für notwendig hält, dessen Platz ist innerhalb des Allgemeinen Zionismus. Meinhold Nußbaum. Kongreß-Programm der Allgemeinen Zionisten in Deutschland I. 1. Unser politisches Ziel ist die volle Verwirklichung des Baseler Programms: die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Das jüdische Nationalheim soll getragen werden von einem in Erez-Israel in nationaler und politischer Freiheit lebenden, mit allen Merkmalen eines normalen Volkslebens ausgestatteten Jischuw, dessen Vergrößerung durch neue ALijah den Hauptinhalt der zionistischen Arbeit bildet. Wir bekämpfen jeden offenen und versteckten Revisionismus, weil er zu politischen Enttäuschungen führen muß, weil seine Methoden unsere Bewegung durch Abgleiten in reaktionäre nationalistische Strömungen diskreditieren und weil sie den Zusammenhang der zionistischen Idee mit allen großen Freiheitstendenzen gefährden. 2. Die entscheidende Bedingung für den Umfang und das Tempo unseres Werkes in Palästina ist heute und in Zukunft die eigene Leistung des jüdischen Volkes. Nur die Befestigung und Ausdehnung unserer wirtschaftlichen Positionen im Lande kann dauernde politische Garantien für die Existenz und die

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