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Das jüdische Echo · 1931-06-05 · 23 (5.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
23 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 23 5. Juni 1931_18. Jahrgang Vor den Kongreßwahlen Um Weizmann Die Stellung des Allgemeinen Zionismus Auf jedem der letzten Kongresse stand Weizmann im Mittelpunkt des Kampfes, und jedesmal fand sich zum Schlüsse eine Mehrheit für ihn, die keineswegs homogen war, aber durch die Erkenntnis zusammengehalten wurde, daß ein Verzicht auf seine Führerpersönlichkeit und eine Abkehr von seiner Politik dem Zionismus schweren Schaden bringen würde. Derl7. Zionistenkongreß befindet sich in einer wesentlich anderen Lage als seine Vorgänger. Weizmann ist zum Zeichen des Protestes gegen das letzte Weißbuch der englischen Regierung zurückgetreten, er hat erklärt, daß er die Präsidentschaft nicht übernehmen werde. Soll dies das letzte Wort bleiben? Und soll ein Wechsel in der Führung auch eine grundlegende Änderung der zionistischen Politik bedeuten? Das sind die schicksalsschweren Fragen, vor die sich der kommende Kongreß gestellt sieht. Es sind Bestrebungen im Gang, insbesondere unter den englischen Zionisten, Weizmann zu halten, während nicht wenige seiner treuesten Anhänger eine abermalige Kandidatur Weizmanns entschieden widerraten, weis sie seinen Gegnern nicht weiterhin die Möglichkeit bieten wollen, dem Mann, der die Balfour-Deklaration errungen und für ihre Verwirklichung mit vollem Einsatz seiner außerordentlichen Persönlichkeit gekämpft hat, weiterhin als Verräter anzuprangern, oder — bei milderer Beurteilung — als schwächlichen Opportunisten hinzustellen. „Sollen die anderen einmal an die Reihe kommen und zeigen, wieviel von ihren großartigen Versprechungen sie einlösen werden.“ Das ist etwa der Gedankengang derjenigen, die sich mit Weizmann durchaus solidarisch fühlen, aber doch seinen endgültigen Rücktritt billigen, um die so sehr vergiftete zionistische Atmosphäre zu bereinigen. Eine Bereinigung ist in der Tat notwendig. Sie darf aber nicht leichtherzig mit dem Verzicht auf eine Persönlichkeit erkauft werden, welche die Attribute des wahren Politikers — Leidenschaft, verbunden mit Augenmaß und Sachlichkeit <— in solch einzigartiger Weise vereinigt wie Chaiin Weizmann. Die Klarheit muß daher so geschaffen werden, daß der Kongreß sich zunächst eindeutig für oder gegen die Politik von Weizmann entscheidet und dann je nach dem Ausfall dieser Entscheidung den Präsidenten der zionistischen Organisation wählt Verwirft der Kongreß die Politik, Weizmanns, so ist dessen Wiederwahl selbstverständlich ausgeschlossen. Bekennt sich aber eine überzeugende Mehrheit zur Weizmannschen Politik, so ist Weizmann auch in Zukunft deren gegebener Träger, es muß also in diesem Fall konsequenterweise die Leitung wieder ihm übertragen werden, wenn er gewillt ist, sie zu übernehmen. Der Kongreß, und damit jeder Wähler, hat also in erster Linie eine sachliche — politische — Entscheidung zu treffen, aus der sich dann die persönlichen Folgerungen mit Notwendigkeit ergeben. Jeder Schekelzahler muß sich daher über die für eine zionistische Politik bestehenden Möglichkeiten vollständig klar zu werden versuchen und sich die Frage beantworten, ob der Weg von Weizmann oder der von Jabotinsky sicher zum Ziele führt. Ziel des Zionismus ist nach dem Basler Programm die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, d. h. nach Auffassung der allgemeinen Zionisten „eines Nationalheims, das getragen werden soll von einem in Erez-Israel in nationaler und politischer Freiheit lebenden, mit allen Merkmalen eines normalen Volkslebens ausgestatteten Juschow, dessen Vergrößerung durch neue Alijah den Hauptinhalt der zionistischen Arbeit bildet.“ Den Revisionisten genügt diese Zielsetzung nicht, sie glauben nur durch eine großartigere Parole, nur durch die Proklamation des „Judenstaates“ das jüdische Volk zu der notwendigen äußersten Kraftanstrengung aufpeitschen zu können. Es gab Zeiten, wo man es gerade von heute maßgebenden Führern des Revisionismus, von Jabotinsky und Lichtheim, anders hörte. Als Jakobus Kann in seinem Buche Erez Israel ein Programm ungefähr im Geiste des heutigen Revisionismus entwickelt hatte, da verlangte Jabotinsky ■— damals Leiter des zionistischen Pressezentrums in Konstantinopel — das Ausscheiden von Jakobus Kann aus dem engeren Aktionskomittee und erklärte, als er diese Forderung nicht durchsetzen konnte, selbst seinen Rücktritt, weil in Kanns Buch „ein Judenstaatsbegriff zu schädlichem Ausdruck gelangt sei, der vielleicht zu dem Judenstaatsgedanken am Anfang seiner Entwicklung in der Westjudenheit paßte, dem aber schon damals die Mehrheit der Zionisten nicht zugestimmt habe, und der jetzt der zionistischen Weltanschauung, wie sie so oft auf Kongressen und in Volksversammlungen offiziell erörtert worden sei, vollkommen widerspreche.“ (Vgl. Ernst Simon J.R. vom 24. 12. 1929.) Nach dem Kriege noch hat Lichtheim in ausgezeichneter Weise auseinandergesetzt, daß die Idee des Judenstaats nicht wörtlich genommen werden dürfe, vielmehr nur einen „Grenzbegriff“ bilde. Heute haben Jabotinsky und Lichtheim diese weise Beschränkung vergessen, heute nützen sie das Vorrecht der Opposition, die Unverantwortlichkeit, zur Aufstellung extremer Forderungen aus. Was ist in Wirklichkeit damit gedient, wenn wir in die Welt hinausschreien, daß ein nationales Zentrum in Palästina bedeutungslos sei, daß der Zionismus seinen Sinn verliert, wenn er nicht den Judenstaat bringen kann. Die Shaw-Kommission hat ausgerechnet, daß bei einer Einwanderung von

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