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Das jüdische Echo · 1931-05-22 · 21 (22.5.1931) · p. Seite 316

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
21 (22.5.1931)
Date
1931-05-22
Page
Seite 316 (sequence 8)
Language
German
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316 Das Jüdische Echo Nr. 21 Nationalsozialistische Wahl in Oldenburg Berlin, 18. Mai. (JTA.) Die am gestrigen Sonntag stattgefundenen Wahlen zum Oldenburger Landtag haben gezeigt, daß die nationalsozialistische Welle, die während der letzten Reichstagswahlen so steil angestiegen war, nicht nur nicht zum Stillstand gekommen ist, sondern weiter ansteigt. Oie Nationalsozialisten haben in Oldenburg ihre Stimmenzahl gegenüber den Reichstagswahlen um ein weiteres Drittel, von 76 310 auf 101 490, und ihre Landtagsmandate seit der letzten Landtagswahl von 5 auf 19 erhöhen köuen. Die Mittelstandsparteien, mit Ausnahme des Zentrums, das seinen Besitzstand erhalten konnte, haben im Durchschnitt die H'älfte ihrer früheren Stimmen- und Mandatszahl eingebüßt. Die Sozialdemokraten haben eine beträchtliche Zahl Stimmen an die Kommunisten verloren. Die Hoffnung der Nationalsozialisten, in Oldenburg eine Regierung bilden zu können, hat sich nicht erfüllt: von den 49 Landtagsmandaten verfügen Nationalsozialisten und Deutschnationale über 21. Von folgenschwerer Bedeutung wäre das Ergebnis dieser Wahl, wenn man es als Gradmesser für die politische Stimmung in ganz Deutschland betrachten wollte. Die fortschrittliche Presse ist aber der Ansicht, daß die Dinge in Oldenburg anders liegen als im übrigen Deutschland. In diesem industriearmen, kleinbürgerlichen und bäuerlichen Lande hätten sich die neuen nur dem Großgrundbesitz zugute kommenden Agrarzölle so verhängnisvoll ausgewirkt, daß ein großer Teil der Bevölkerung in das radikale Lager abgetrieben worden ist. Julius Simon zum Präsidenten der Palestine Economic Corporation gewählt Neuyork, 15. Mai. (JTA.) Auf der Jahresversammlung der Palestine Economic Corporation wurde Julius Simon als Nachfolger des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Bernard Elexner zum Präsidenten gewählt. Bernard Elexner bleibt Vorsitzender des Direktoriums. Zum Ehrenpräsidenten wurde Eelix Warburg, zu Vizepräsident wurden Vizegouverneur Herbert H. Lehmann und der Präsident der Zionistischen Organisation Ametikas, Robert Szold, gewählt. Dem Rcchenschaftsoeiicht war zu entnehmen, daß die Aktiven der Corporation seit der Gründung im Jahre 1926 um 1 650 000 Dollar auf 2 575 000 Dollar gestiegen sind. Professor Albert Abraham Michelson 78jährig verstorben Sau Er an Cisco, 10. Mai. (JTA.) Am Samstag, dem 9. Mai, abends, verstarb in Pasadena auf der Höhe seines Ruhmes Prof. Dr. Albert Abraham Michelson, der größte amerikanische Physiker, Träger des Nobel-Preises, im Alter von 78 Jahren. Die letzten Wochen, Tage und Stunden des großen Gelehrten waren von Tragik überschattet: der einzig seinen Forschungszielen hingegebene Gelehrte war, obwohl er sich seit mehreren Wochen in einem hohen Grade unpäßlich fühlte, ununterbrochen mit Messungen der Lichtgeschwindigkeit beschäftigt, was ihn über seine Kräfte hinaus anstrengte. Vor einiger Zeit brach er während der Arbeit plötzlich bewußtlos zusammen. Als er wieder zu sich kam, teilten ihm seine Assistenten mit, daß sein Experiment gelungen sei. Seiner großen Schwäche nicht achtend, begann der Gelehrte, vom Bett aus eine Beschreibung seiner Versuche zu diktieren. Die Aufregung war jedoch zu viel für seinen geschwächten Körper, er erlitt kurz darauf einen Gehirnschlag, der ihn völlig lähmte und dem er nun erlegen ist. Mit der Gelehrtenwelt betrauert ihn auch das amerikanische Judentum. Weitere Verschärfung der Lage in Mexiko Mexico City, 11. Mai. (JTA.) Die antisemitische Bewegung in Mexico breitet sich zusehends aus und) wird immer ungehemmter in der Wahl ihrer Methoden. Zahlreiche jüdische Kaufleute haben Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgefordert werden, das Land innerhalb 24 Stunden zu verlassen, sonst würden „ihre Leichen in ihre Heimatländer zurückbefördert werden.“ Die Erregung und Verzweiflung der mexikanischen Judenheit ist angesichts dieser zügellosen Agitation aufs Äußerste gestiegen. Die Intervention des amerikanischen Botschafters hat sich bisher noch nicht fühlbar gemacht, und die Juden amerikanischer Staatszugehörigkeit sehen mit ungeduldiger Spannung der erwarteten Hilfsaktion der amerikanischen Juden entgegen. Eine jüdische Delegation, die beim Präsidenten von Mexiko Vorstellungen erheben wollte, wurde von diesem nicht empfangen. Berichten zufolge, die bei der amerikanisch-jüdischen Handelskammer aus Vera Cruz eingelaufen sind, wurden mehrere jüdische Händler verhaftet, und, nachdem sie den Nachweis ihres rechtmäßigen Aufenthaltes erbracht hatten, zwar freigelassen, aber mit einer Steuer von 48 Pezos monatlich belastet, was im Hinblich darauf, daß das durchschnittliche Betriebskapital eines jiidisichen Markthändlers etwa 200 Pezos beträgt, gleichbedeutend mit wirtschaftlicher Vernichtung ist. Die Kolonie-Scheuer von Nathania abgebrannt Jerusalem, 8. Mai. (JTA.) Die Scheuer der zu Ehren des verstorbenen Nathan Strauss Nathania benannten Kolonie im Gebiete Vadi Havarith ist mit der gesamten diesjährigen Getreideernte der Kolonie abgebrannt. Es besteht der Verdacht, daß Araber den Brand, der vier Stunden lang wütete, gelegt haben. Der Schaden ist außerordentlich groß. Der Präjsident der Arabischen Exekutive zurückgetreten J e r u s a 1 e m , 14. Mai. (JTA.) Wie „Al Hayat“ meldet, ist Muza Kazim Pascha mit Rücksicht auf sein hohes Alter vom Präsidium der Arabischen Exekutive zurückgetreten. Es verlautet, daß nicht Alters- und Gesundheitsrücksichten, sondern politische Differenzen bezüglich des Standpunktes der Arabischen Exekutive gegenüber dem Landentwicklungsplan für den Rücktritt Muza Kazim Paschas maßgebend waren. Neuer Versuch einer Drosselung der jüdischen Einwanderung in Palästina Statt 1450 nur 500 Zertifikate — Proteste der Jewish Agency Jerusalem, 18. Mai. (JTA.) Anstelle der von der Exekutive der Jewish Agency angeforderten 1450 Einwanderungszertifikate hat die Palästinaregierung bloß 500 Zertifikate bewilligt, die an Angehörige von den in Palästina ansässigen Juden und Personen, die auf Grund eines Touristen-Visums nach Palästina gekommen sind, und die Absicht haben, sich dauernd im Lande niederzulassen,

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