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Das jüdische Echo · 1931-05-22 · 21 (22.5.1931) · p. Seite 315

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
21 (22.5.1931)
Date
1931-05-22
Page
Seite 315 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21 Das Jüdische Echo 315 * vorn September vergangenen Jahres gewesen war, nochmals zu erörtern, die Forderungen des deutschen Misrachi an die kurz vor Beginn des XVII. Kongresses stattfindende Weltkonferenz des Misrachi festzulegen und Delegierte fiir diese Konferenz zu bestimmen. Ferner sollten die Probleme des kommenden Zionistenkongresses durchberaten werden und die misrachistische Kongreßwahlliste aufgestellt werden. Dr. Oskar Wolfsberg, der vor wenigen Tagen von einer Palästinareise zuriickgekehrt war, leitete die Tagung mit einem kurzen Bericht über seine Eindrücke im Lande ein. Alexander Adler hielt das Referat über die Situation im Misrachi und die Forderungen der deutschen Landsmannschaft an die Weltorganisation. Er legte dar, wie es zu der heutigen scharfen oppositionellen Haltung des deutschen Misrachi gekommen ist. schilderte die jahrelangen Bemühungen um Reorganisation des Merkas und seiner Finanzen und die dauernden Mißerfolge auf diesem Gebiet bis zur Wiener Waad Haroschi- Sitzung, auf der es offenbar wurde, daß bei den im Misrachi herrschenden Majoritätsverhältnissen, die der deutsche Misrachi entscheidend zu ändern nicht in der Lage sei, kein Verständnis für die Notwendigkeit durchgreifender Reformen zu erwarten ist. Au$ der sich entspinnenden Debatte ging klar hervor, daß der gesamte deutsche Misrachi, ohne jegliche Ausnahme, sich in der Beurteilung der Situation einig ist. Die Herren Dr. Rabin und Dr. Grünberg vertraten den Standpunkt derer, die schärfste Opposition gegen die Weltorganisation und den jetzigen Merkas befürworteten, aber die Möglichkeit eines Austritts aus der Organisation auf das Entschiedenste von sich wiesen. Die von der Landeszentrale im Anschluß an das Referat Adler vorgelegten sachlichen Forderungen an die Weltkonferenz des Misrachi wurden einstimmig angenommen. In der Abstimmung über die aus einer evtl. Ablehnung zu ziehenden Konsequenzen stimmten 24 Delegierte für die Vorschläge der Landeszentrale, während 8 Mitglieder dagegen stimmten und eine endgültige Beschlußfassung hierüber einem neuen, nach dem Kongreß einzuberufenden Delegiertentag übertragen sehen wollten. Drei Delegierte hatten sich der Abstimmung enthalten. Die von der Tagung akzeptierten Forderungen an die Weltkonferenz, deren finanzieller und organisatorischer Teil ultimativen Charakter tragen sollen, stellen fest, daß das Hauptarbeitsgebiet des Misrachi in religiöser und geistiger Richtung liege und die politischen Fragen hinter diesen Aufgaben zurückstehen müssen. Es sei Aufgabe des Misrachi, ini Gegensatz zur Überbewertung der politischen Fragen dem Primat der kulturellen Arbeit und praktischen Aufbautätigkeit wieder zum Siege zu verhelfen. In der Golah habe religiös-nationale Propaganda und direkte Leistung für den Aufbau im misrachistischen Sinne im Mittelpunkt misrachistischer Tätigkeit zu stehen. Die Bestrebungen des Hapoel-Hamisrachi sind als wesentlicher Faktor zur Durchdringung des Palästina-Aufbaus mit dem Geiste der Thora anzuerkennen. Die Weltorganisaton muß auf den Grundsatz des Franktionszwanges in allen religiöse Fragen nicht direkt betreffenden Angelegenheiten verzichten. In der Nachmittagssitzung erstattete Lazarus Barth ein Referat über das Thema: Die Situation des Misrachi beim Kongreß. Zionistisches Jugendtreffen in Nürnberg Das Zionistische Jugendtreffen in Nürnberg am 17. Mai hatte eine unerwartet große Beteiligung aufzuweisen. Es waren jugendliche Zionisten aus München, Wlirzburg, Bamberg, Kissingen, Regensburg erschienen; das größte Kontingent stellte selbstverständlich Nürnberg selbst. Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Referendar Hans Wolf-Veith behandelte Herr Dr. Werner Bloch in seinem Referat die wichtigsten Probleme der zionistischen Jugend in Deutschland: er gab zunächst einen Überblick über die Situation der Weltjudenheit, kennzeichnete im besonderen die Lage der deutschen Juden und zeigte die Wichtigkeit des Palästinaaufbauwerks. Er kritisierte die Passivität der zionistischen Jugend, die es freilich in manchem schwerer habe, in manchem aber auch leichter als die vorangegangene Generation. Ihr sei der Weg in die Zukunft vorgezeichnet. sie brauche ihn nicht erst mühsam zu suchen: das dürfe sie nicht hindern, sich voll und ganz dem Zionismus hinzugeben; ein „Auchzionismus“ wie man ihn in manchen Gruppen der deutschen jüdischen Jugend konstatieren könne, beweise zwar die große Wirkung der zionistischen Bewegung, weil er ohne deren Arbeit gar nicht denkbar sei; er genüge aber dem nicht, der das jüdische Problem wirklich verstanden habe. Es sei daher eine besondere Aufgabe der zionistischen Jugend sich Kenntnisse anzueignen und sie dann aktiv in der Bewegung zu verwerten. Nach dem beifällig aufgenommenen Referat von Herrn Dr. Bloch fand eine angeregte Debatte statt; dank der ausgezeichneten Vorbereitung der Nürnberger konnten alle Anwesenden im Jugendheim, wo auch das Referat stattgefunden hatte, zu Mittag verpflegt und sofort nachher auf Lastwagen nach Wendelstein gebracht werden, wo eine Reihe von Spielen und Wettkämpfen veranstaltet wurden. Gegen Abend fand man sich zu hebräischem Gesang zusammen; Herr Schapira, der Nürnberger hebräische Lehrer, gab mit blendender sprecherischer Begabung einige hebräische Vorträge zum Besten, die denn auch großen Beifall fanden. Das Nürnberger Jugendtreffen hat sicherlich zur Intensivierung der zionistischen Arbeit beigetragen und neue Impulse gegeben; es wurde vereinbart, ini Herbst in Nürnberg ein neues abzuhalten. Aus der jüdischen Welt Schändung des Friedhofes der jüdischen Gemeinde Kitzingen Berlin, 15. Mai. Der Friedhof der jüdischen Gemeinde Kitzingen (in Rödelsee), der bereits im Jahre 1929 von unbekannt gebliebenen Tätern geschändet worden war, wurde Ende April abermals heimgesucht. Zwei Grabsteine wurden umgeworfen. Die Nachforschungen nach den Tätern sind noch im Gange. Ein abgelehntes und ein aufgehobenes Schächtverbot Berlin, 12. Mai. (JTA.) Ein von Nationalsozialisten in der Stadtverordnetenversammlung zu Plauen im Vogtlande eingebrachter Antrag, das Schächten zu verbieten, wurde am 6. M<ai mit überragender Mehrheit a b g e 1 e h n t. Am gleichen Tage wurde in Zwickau ein bereits .im Mai v. J. beschlossenes Schächtverbot aufgehoben.

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