Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 21 (22.5.1931)
- Date
- 1931-05-22
- Page
- Seite 314 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Nr. 21 Das Jüdische Echo Bekämpfung des Antisemitismus berufenen Organisationen gedankt wird, wurde zugestimmt, desgleichen den vom Verbandstag zum Haushaltsplan gefaßten Beschlüssen. Dem Rat lag eine große Reihe weiterer Beschlüsse des Verbandstages vor, denen er im allgemeinen beitrat. Es handelt sich insbesondere um das Verfahren bei den Einbürgerungen, um die Regelung des Rechtes der Staatenlosen, um die Unterstützung des Weltverbandes Schomre Schabbos, um die Bekämpfung der Bestrebungen zur Abänderung des Kalenders, soweit die Einführung eines sogenannten Blankotages geplant wird, um die materielle Unterstützung sowie die seelische und geistige Fürsorge für die jüdischen Erwerbssolen. Zur Vorbereitung der von allen Seiten angeregten Änderung der Verfassung des Landesverbandes, durch die eine wesentliche Vereinfachung und Verbilligung der Organisation herbeigeführt wird, wurde ein Ausschuß eingesetzt. Einen breiten Raum nahm in den Verhandlungen die Beratung über die zur Behebung oder wenigstens Milderung des besonders unter den Juden herrschenden wirtschaftlichen Notstandes ein. Hier kommt insbesondere der Ausbau und die Sicherung des jüdischen Arbeitsnachweiswesens und zur Erhaltung des gefährdeten gewerblichen, handwerklichen und kaufmännischen Mittelstandes die Begründung von Darlehenskassen in örtlich abgegrenzten Bezirken, möglichst unter Mitwirkung staatlicher Stellen, und die Bereitstellung von Kapitalien zur Verbilligung der für die ausgegebenen Darlehen zu zahlenden Zinsen in Betracht. Ein sofort eingesetzter Sonderausschuß soll unter Zuziehung von Sachverständigen die zu ergreifenden Maßnahmen prüfen und in die Wege leiten. Wie fast in allen bisherigen Sitzungen des Rates waren die Verhältnisse der zur Ausbildung jüdischer Lehrer bestehenden Anstalten Gegenstand einer gründlichen Aussprache. Ferner wurde das Verhältnis des Landesverbandes zu den drei theologischen Bildungsanstalten besprochen. Es wurde beschlossen, in die Kuratorien der Anstalten je zwei Vertreter des Landesverbandes abzuordnen. Die Sitzung, welche vormittags um 9.30 Uhr begonnen hatte, wurde nach Erledigung aller sonstigen auf der umfangreichen Tagesordnung stehenden Angelegenheiten um 7.15 Uhr abends geschlossen. Preußischer Landesverband und Rechtsschutz der Juden Berlin, 15. Mai. (JTA.) Über die gestrige Sitzung des Rates des Preußischen Landesverbandes geht uns von volksparteilicher Seite noch folgende Mitteilung zu: Der Sitzung des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden vom 14. d. M. lag eine Entschließung des Verbandstages vor, in der der Preußische Landesverband den zur Bekämpfung des Antisemitismus berufenen Organisationen für ihre tatkräftige Arbeit dankt. Im Namen der volksparteilichen Mitglieder des Rates wandte sich Dr. Sandler gegen diese Danksagung, die eine Anerkennung der Tätigkeit des Centralvereins einschließe. Er stellte den Bekämpfungsmethoden des Centralvereins die von der Volkspartei geforderten Methoden gegenüber und bestritt dem C.-V., als einer Parteiorganisation, die in den inneren jüdischen Kampf eingreife, das Recht, die Interessen der deutschen Gesamtjudenheit zu vertreten. Er gab im Namen seiner Freunde folgende Erklärung zu Protokoll: „Wir bestreiten den privaten Organisationen, die sich mit der Bekämpfung des Antisemitismus befassen, das Recht, gegenüber der deutschen Öffentlichkeit und gegenüber den Behörden die Interessen der deutschen Gesamtjudenschaft zu vertreten. Eine private Organisation, solange sie von ausgesprochenem Parteicharakter ist, und deren Bekämpfungsmethoden wir nicht billigen, können wir als die Wortführerin der deutschen Juden nicht anerkennen. Wir verlangen, daß die iegitimen Vertretungen der deutschen Judenheit, Landesverbände, und späterhin der Reichsverband, den Schutz der uns verfassungsgemäß zustehend eil bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte übernehmen. Der Preußische Landesverband hat die gesamten Interessen der preußischen Juden gegenüber den Organen der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung wahrzunehmen. Er hat den wirtschaftlichen Antisemitismus zu bekämpfen und demgemäß die sozialpolitischen Arbeiten in allen ihren Formen auszubauen und die jüdische Wirtschaftshilfe zu fördern.“ Der Rat nahm hierauf die folgende Resolution an, die von der letzten Verbandstagung abgelelmt worden war: „Der Preußische Landesverband .jüdischer Gemeinden hat die Rechte der in Preußen lebenden Juden zu schützen und deren gesamte Interessen gegenüber den Organen der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung wahrzunehmen.“ Krise im Weltmisrachi Delegiertentag des deutschen Misrachi Berlin, 6. Mai. (JTA.) Die seit längerer Zeit bestehende innere Krise im Weltmisrachi hat jetzt ihren Höhepunkt erreicht und drängt einer Lösung zu. Die Meinungsverschiedenheiten grundsätzlicher und taktischer Art sowohl in politischer als auch in finanz- und verwaltungstechnischer Hinsicht, die zwischen dem deutschen Misrachi, dem holländischen Misrachi. einem wesentlichen Teil der Misrachisten in der Tschechoslowakei, kleineren Misrachigruppen in anderen Ländern, sowie erheblichen Teilen des Zeire Misrachi und des Hapoel Hamisrachi einerseits und der Leitung des Weltmisrachi anderseits bestanden und die sich schon anläßlich der vom Merkas olami vorgenommenen Zurückziehung der Misrachivertreter aus der Weltexekutive der Zionistischen Organisation zugespitzt hatten, haben sich' seither weiter vertieft und nun in den den Charakter eines Ultimatums an den Weltmisrachi tragenden Beschlüssen des Delegiertentages des deutschen Misrachi, der am vergangenen Sonntag in Berlin stattgefunden hat, ihren prägnantesten Ausdruck gefunden. Wie die Entscheidung fallen wird, ob der Weltmisrachi sich nun der Erfüllung der Forderungen der Opposition geneigter zeigen wird als bisher, oder ob es zu einer Spaltung des Weltmisrachi und zur Schaffung eines neuen misrachistischen Verbandes kommen wird, ist heute noch nicht endgültig zu übersehen. Die letzte Auseinandersetzung wird auf der dem XVJI. Zionistenkongreß vorangehenden Weltkonferenz des Misrachi stattfinden. Über den Verlauf des Delegiertentages wird berichtet: Am 3. Mai fand in Berlin ein Delegiertentag des deutschen Misrachi statt, an dem 38 Delegierte teilnahmen. Die I agung war einberufen worden, um die innermisrachistische Situation, die bereits Gegenstand der Beratung des Delegiertentages