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Das jüdische Echo · 1931-05-22 · 21 (22.5.1931) · p. Seite 313

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
21 (22.5.1931)
Date
1931-05-22
Page
Seite 313 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 Das Jüdische Echo 313 sehen Bevölkerung in ganz speziellen Ausmaßen und Formen auswirkten, sowie eine Reihe von jüdisch-politischen und sozialen Zeitfaktoren, verwandelten dann allgemein das scharf umrissene Bild der deutschen Judenheit der Vorkriegszeit mit den spezifischen Berufen, Stellungen, Einrichtungen, Institutionen, Anschauungen und Gepflogenheiten in einen beweglichen Filmstreifen, der wahrscheinlich noch lange nicht zum Stillstehen kommen wird. Wenn man heute beispielsweise über die wirtschaftliche Lage der deutschen Juden in Kreisen der sozialen Arbeiter zu hören bekommt: Wir haben unter einer dreifachen Krise zu leiden: der Weltkrise, der deutschen Krise und der spezifisch jüdischen Krise — so mag dies dem Soziologen als schematische Darstellung erscheinen. Das Empfinden, das in dieser Feststellung enthalten ist, ist aber leider alles andere als trügerisch. Das beschleunigte Tempo der Intensivierung der Industrie — die Rationalisierung, die Konzentrierungstendenzen der Kapital- und Bankunternehmungen, das Eindringen der Frau ins Berufs, soziale und Gemeindeleben, die neuen Ehe- und Familienverhältnisse, die in allen Lagern der jüdischen Öffentlichkeit sich geltend machenden Forderungen nach neuen Inhalten und Methoden der Jugenderziehung, die gesteigerten und vervielfältigsten Aufgaben der modernen Wohlfahrtspflege und Fürsorge haben bereits eine reiche Auswahl von aktuellen Gegenwartsproblemen geschaffen. Dazu kommt noch fiir die jüdischen Parteien der Kampf gegen den sich immer roher gebärdenden Antisemitismus sowie Fragen, die mit den allgemein-jüdischen Bewegungen im Zusammenhang stehen.“ Auch in dieser Äußerung wird gesagt, daß es Schematismus sei, wenn man die Lage der deutschen Juden als trostlos bezeichnet. Anderseits wird jedoch nicht geleugnet, daß die erschwerenden Momente allzu sehr in die Augen springen. Dann aber wird hervorgehoben, welche Anstrengungen die jüdische Gemeinschaft macht, um der Situation Herr zu werden ... Und darauf kommt es eben an. Zu diesem Zwecke sind von den „Pessimisten“ alle die Festeilungen gemacht worden, welche manchen Kreisen, die über die Lage nichts hören wollen, unangenehm sind. Englands Äufgaben in Palästina Ansprache Shiels auf deni Cecil-Bankett Auf dem vom Anglo-Palestine-Club zu Ehren Lord Cecils veranstalteten Bankett (siehe Bericht in der letzten Nummer des J. E.), hielt der Unterstaatssekretär Dr. Drummond Shiels die folgende bemerkenswerte Ansprache: Die Mandatarmachl ist, vielleicht naturgemäß, die Zielscheibe der Kritik seitens beider Teile der palästinensischen Bevölkerung und ihrer Vertreter hier und anderwärts. Wir sehen ein, daß Kritik unvermeidlich ist, was wir aber verlangen, ist, daß die Kritik konstruktiv und fördernd sei und daß sie verbunden sei mit dem Glauben an den aufrichtigen Wunsch der Regierung, alle Beteiligten gerecht und mit Sympathie zu behandeln. Unsere Instruktionsurkunde macht schwierige Entscheidungen unvermeidlich und läßt sehr verschiedene Ansichten darüber, worin unsere Pflicht in Wirklichkeit bestehe, zu. Wir sind mit den früheren britischen Regierungen in gleicher Richtung geblieben, indem wir die Art, wie wir unsere Mandatspflichlen auffassen, möglichst klar gemacht haben. Das Kolonialaml wurde mitunter beschuldigt, der Entwicklung des Jüdischen Nalionalheims unsympalisch gegenüberzustehen. Ich glaube, daß diese Beschuldigung völlig ungerechtfertigt ist. Wir sind der Auffassung, daß das von uns übernommene Mandat, das wir ehrenhaft und vollständig durchzuführen wünschen, dem Jüdischen Nationalheim einen sehr bestimmten Platz bei der Gestaltung der Zukunft Palästinas anweist. Ebenso müssen wir unserer Verpflichtungen gegenüber den nicht jüdischen Einwohnern eingedenk sein. Es bedeutet die sicherste Garantie dafür, daß wir unsere der Weltjudenheit gegebenen Versprechungen halten werden, wenn wir uns unserer unzweifelhaften Verpflichtungen denen gegenüber, für die wir gleichfalls internationale Verantwortlichkeit tragen, nicht entziehen. Meiner Ansicht nach stellt die Herstellung besserer Beziehungen zwischen der arabischen und jüdischen Bevölkerung Palästinas die dringendste Notwendigkeit in der gegenwärtigen Situation dar. Ich begrüße die Erklärungen Dr. Weizmanns, daß es sein eigener aufrichtiger Wunsch ist, diese Beziehungen gebessert zu sehen, und es kann nur zu Gutem führen, wenn er in dieser Haltung von anderen jüdischen Führern hier und in Palästina gestützt wird. Die Einstellung der arabischen Führer gegenüber dem Mandat hat sich, soweit mir bekannt ist, nicht geändert, doch bin ich sicher, daß sie, sobald sie die Gewißheit erlangt haben, daß die Mandatarmachl ihren Verpflichtungen auch ihnen gegenüber nachzukommen bestrebt ist, einsehen werden, daß die Herstellung eines modus vivendi in ihrem eigenen Interesse ungemein wünschenswert ist. Die Ehrfurcht vor Palästina, von der beide Teile der Bevölkerung beseelt sind, sowie die Ehrfurcht, die die ganze Well dem Heiligen Lande gegenüber hegt, sollte gegenseitige nationale Erbitterung und Hader, durch den seine friedliche und glückliche Entwicklung gehemmt wird, als ungeziemend erscheinen lassen. Ich bin sicher, daß die Mitglieder dieses Klubs teilnehmen werden an den Bemühungen, Palästina zu einem glücklichen und zufriedenen Land zu machen, in dem alle Teile seiner Bevölkerung tolerant und im Bewußtsein gerechter Behandlung Zusammenwirken werden, um zu dem alten Ruhme Palästinas neuen Glanz hinzuzufügen. Neukonstituierung des Rates des Preußischen Landesverbandes Präsident K.G.R. Leo Wolff, Vizepräsidenten Dr. Klee und Dr. Lilienthal Berlin, 15. Mai. (JTA.) Am 14. V. 31 trat in Berlin der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, der aus Vertretern der Großgemeinden und der Wahlkreise, sowie aus den durch den neuen Verbandstag hinzugewählten Mitgliedern besteht, zu einer konstituierenden Sitzung zusammen. Zum Presidenten wurde einstimmig Kammergerichtsrat L '0 Wolff wiedergewählt. Zu stellvt tretenden Präsidenten wurden Rechtsanwalt Dr. lee wieder und Landgerichtsrat Dr. Lilienthal nds gewählt, zum Schriftführer Geheimer Justizrat Goldfeld (Breslau), zum Schatzmeister Direktor Kareski, zum stellvertretenden Schatzmeister Dipl.-Ing. Bruno Woyda, zu Beisitzern Rabbiner Dr. Galliner, Justizrat Dr. Blau (Frankfurt a. M.) und Saltnan Schocken. Den vom Verbandstag am 23. März 1931 gefaßten Entschließungen, in denen zum Kampf gegen die Barbarei der Jüdenhetze aufgerufen, von den Behörden wirksame Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Bevölkerung verlangt und den zur

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