Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 20 (15.5.1931)
- Date
- 1931-05-15
- Page
- Seite 304 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Bas Jüdische Echo Nr. 20 zionistische unterstützen müsse. Er wies auf die großen Opfer hin, die die Jüdenheit für den Palästina-Aufbau gebracht hat. Lord Cecil entwickelte in der Beantwortung der Ansprache James de Rothschilds seine Auffassung vom Zionismus als einem der bedeutendsten Elemente für die Sicherung der Weltwohlfahrt. Vielfach, erklärte Lord Cecil, herrsche die Vorstellung, daß jede revolutionäre Bewegung ihre jüdischen Teilnehmer habe. Wenn er auch selbst diese Vorstellung nicht teile, müsse er doch darauf hinweisen, daß eine Revolution das Ergebnis der Volksverzweiflung ist, und daß in vielen Teilen der Welt die Juden allen Anlaß haben, verzweifelt zu sein. Aus ideellen und praktischen Gründen sollten daher alle, die für den Frieden, die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Wohlfahrt in Europa eintreten, auf das Gedeihen des Zionismus bedacht sein. Der Wunsch nach Verständigung zwischen Juden und Arabern sei zu begrüßen; er werde die Bestrebungen, den Frieden zwischen Juden und Arabern herbeizuführen, in vollstem Maße unterstützen. Der ehemalige Unterstaatssekretär für die Kolonien, Ormsby-Gore, sprach den Toast auf das Jüdische Nationalheim. Das gegenwärtige Stadium des Zionismus stelle bloß die Grundlage für das Jüdische Nationalheim dar. Erst nach einigen Generationen werde sich die jüdische Nation in einer eigenen jüdischen Sphäre entwickeln, in der ihr Gepräge so jüdisch sein wird, wie England englisch und Schottland schottisch ist. Das jüdische Volk werde in einem Lande zusammen mit anderen Volksstämmen, die einer wahren jüdischen Kultur nicht feindlich gegenüberstehen, ein bodenständiges Leben führen. Das Jüdische Nationalheim ist nicht nur eine palästinensische Angelegenheit, es steht nicht allein im Brenpunkt des Interesses von 15 Millionen Juden, sondern es geht die ganze Welt an. Auf die Rede Ormsby-Gore’s antwortete der Präsident der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann. Er führte u. a. aus: Wenn ich auch nicht glaube, daß das Jüdische Nationalheim jenen astronomischen Umfang erhalten wird, von dem manche Leute träumen, glaube ich auch nicht, daß es auf jenen mikroskopischen Umfang reduziert werden kann, an den manche jüdische „Gönner“ denken. Das Jüdische Nationalheim werde etwas darstellen müssen, das einen entsprechend großen Umfang besitzt und das mächtig genug ist, um die Grundsätze, auf denen es aufgebaut ist, und die Hoffnungen, die an seine Errichtung geknüpft werden, zu verwirklichen. Acht Millionen Juden leben in Gebieten, wo ihre Existenzbasis erschüttert ist. Da ihnen keine anderen Einwanderungsländer offen stehen, bildet Palästina ihre einzige Hoffnung. Obwohl Neuyork allein zehnmal mehr Juden hat als Palästina, erweckt Palästina doch das größere Interesse im Hinblick darauf, daß dort ein neues Leben mit einer eigenen Kultur geschaffen wird, ohne daß die Juden in das Leben eines anderen Volkes eindringen. Er. Dr. Weizmann, habe den Eindruck, daß das Jüdische Nationalheim, obwohl Palästina gerade jetzt eine sehr schwere Zeit durchzumachen habe, jenen Grad der Entwicklung erreicht hat, der sein Fortbestehen sichert, sogar wenn die Zionistische Organisation und die Jewish Agency verschwinden sollten. Wir erwarten nicht, erklärte Dr. Weizmann zum Schluß, daß das Jüdische Nationalheim morgen oder in der Zeit der nächsten Generation vollendet sein wird. Es wird sich fortentwickeln, solange Juden in der Welt leben. Nachdem Philip Guedalla den Toast auf die Mandatarniacht gesprochen hatte, hielt Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Sliiels eine Ansprache, der die Anwesenden mit großer Spannung folgten. Aus der jüdischen Welt Zwei weitere Friedhofsschändungen — Die Zahl 120 überschritten Berlin, 7. Mai. (JTA.) Auf dem über 150 Jahre alten israelitischen Friedhof in Dransfeld (Hannover) wurden, vermutlich in den Ostertagen 12 Grabsteine umgeworfen. Der Friedhof ist bereits 1924 einmal geschändet worden, ohne daß es damals gelang, der Täter habhaft zu werden. Wie die „C.-V.-Zeitung“ mitteilt, sind die Ermittlungen über die neuen Verwüstungen noch im Gange. Das .i,Isr. Familienblatt“ bezeichnet die Eriedhofsschändung in Dransfeld als die 120. in der Reihe der in den letzten Jahren vorgekommenen Schändungen jüdischer Friedhöfe. Wie dem Central-Verein weiter mitgeteilt wird, ist die Tannenhecke, die den israelitischen Friedhof in Freistett (Baden) umzäunt, von .zwei 19jährigen Burschen in Brand gesteckt worden, der Haupttäter ist ein eifriger Anhänger der Nationalsozialisten. Die Gendarmerie hat Anzeige wegen fahrlässiger Brandstiftung erstattet, der Friedhofverwalter Strafantrag wegen Sachbeschädigung gestellt. Reichsminister Wirth für strengste Bestrafung von Friedhofschändern Berlin, 6. Mai. (JTA.) Der Reichsinnenminister hat in der Frage der Verhütung der Schändung von Friedhöfen folgendes Schreiben an die Landesregierungen gerichtet: „Nach zuverlässiger Mitteilung sind im Deutschen Reich in den letzten Jahren nicht weniger als 100 Fälle von Schändungen jüdischer Er ea~ höfe vorgekommen. Unter Hinweis hierauf darf ich den Landesregierungen erneut nahelegen, die Landesbehörden anzuweisen, um die Aufklärung und Verfolgung von Störungen des Gräberfriedens nachdrücklichst bemüht zu sein. Ich halte schärfstes Einschreiten gegen solche verabscheuungswürdigen Straftaten für nötig und bin nach den Erfahrungen der letzten Jahre der Auffassung, daß es nicht möglich ist, ihnen ohne empfindliche Strafen mit Erfolg zu begegnen.“ Zehn Jahre Jüdische Telegraphen-Agentur Berlin, 10. Mai. (JTA.) Es sind jetzt zehn Jahre vergangen, seitdem die Jüdische Telegraphen-Agentur ihre Tätigkeit begonnen hat und durch ihren täglichen Nachrichtendienst die jüdische und die nichtjüdische Presse über die jüdische Lage in den einzelnen Ländern und die Vorgänge in allen Teilen der Jüdenheit informiert. Jüdische Zeitungen in großen Zentren jüdischen Lebens haben die Tatsache des zehnjährigen Bestehens der JTA. zum Anlaß genommen, um in längeren Aufsätzen auf das Wirken der Jüdischen Telegraphen-Agentur und den Nutzen ihres weit-