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Das jüdische Echo · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. Seite 292

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
Seite 292 (sequence 12)
Language
German
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292 Das Jüdische Echo Nr. \9 Ein Lehrgutsbetrieb für die Ausbildung von Chaluzim Der im Oktober 1929 verstorbene Herr Simon Schocken brachte dem Gedanken der Produktivierung jüdischer Menschen ein tätiges Interesse entgegen. Im besonderen förderte er auch die jüdische Landarbeit in mannigfacher Beziehung. Als er vor einigen Jahren das nahe bei Berlin gelegene Gut Winkel erwarb, schuf er auch dort alsbald Arbeitsmöglichkeiten für jüdische Landwirte. Im Frühsommer 1930 eröffnete das Gut Winkel durch die Aufnahme von 10 Chaluzim einen regelrechten Lehrgutsbetrieb. Die Simon Schockenschen Erben haben für diesen Lehrgutsbetrieb ein Kuratorium eingesetzt, das bei der Auswahl der Menschen, bei der Gestaltung der Ausbildung und bei der jüdischen und kulturellen Förderung der Lehrlinge und Praktikanten entscheidend mitwirkt. In der Zusammensetzung des Kuratoriums findet die Tatsache ihren Ausdruck, daß die Allgemeinen Zionisten diesem Lehrgut ihr besonderes Interesse entgegenbringen. Das Lehrgut betrachtet es als seine spezielle Aufgabe, auch Menschen, die die Absicht haben, mit kleinem Kapital als Pflanzer nach Palästina auszuwandern, Gelegenheit zur Ausbildung zu geben. Als Vertreter der zionistischen Interessen haben die Testamentsvollstrecker des Simon Schockenschen Nachlasses die Herren Dr. Bileski, Feuerring, Dr. Salli Hirsch, Dr. Kanowitz, Max W. Kober, Br. Moses, Dr. Julius Rosenfeld in das Kuratorium berufen. Für die jetzt beginnende Saison ist eine weitere Vermehrung der Ausbildungsstellen für Chaluzim geplant. Insbesondere können in den nächsten Wochen noch 1 Hauswirtschaftslehrling und etwa 6 Praktikanten aufgenommen werden. Bewerbungen sind an die Gutsverwaltung Winkel, Spreenhagen (Mark), zu richten. Feuilleton Raehel Wir entnehmen die verständnisvolle Würdigung der vor kurzem von uns gegangenen hebräischen Dichterin dem deutschen „Dawar“. Es kam uns anfangs merkwürdig vor, daß gerade Rachel, — eine der unseren — die hebräische Dichterin sein sollte, der ganze Geschlechter geharrt hatten; genau so wie es merkwürdig war, daß gerade unsere Jungen und Mädchen es waren, deren das Volk geharrt hatte. Rachels Zusammentreffen mit Erez Jisrael war, wie das der ganzen zweiten Alijah — ein Zusammentreffen von historischem Gehalt. Im abgelegenen Norden Rußlands geboren, abgeschnitten von jedem Eigenausdruck der Nation — nicht nur von der alten Sprache der Väter, sondern auch von der jüdischen Muttersprache, — wurde sie hier zur Meisterin eines bezauberndem Hebräisch, zur Sängerin von der Liebe zur Heimat und zur Erde. Rachels Lied. Seinesgleichen hatten wir nicht. Und jetzt ist es verklungen. R.K. Früh fühlte Rachel sich vom Tode berührt. Nach den glücklichen, jubelnden Jugendjahren, da sie in Kinereth arbeiten durfte, wußte sie,, als sie, verhältnismäßig spät, hebräisch zu dichten begann, daß ihr kein langes Leben gegönnt sei. Rachel Bluwstein wurde am 20. September 1890 in Viatka in Nord-Rußland geboren, absolvierte das Gymnasium in Poltawa, ging 1909 nach Erez Jisrael, lernte ein Jahr lang hebräisch und arbeitete dann auf dem Lehrgut für junge Landarbeiterinnen in Kinereth. 1913 fuhr sie nach Europa, um sich in Frankreich in der Landwirtschaft auszubilden, der Weltkrieg hielt sie dort fest, aber mit dem ersten Schiff, das 1919 von Odessa nach Erez Jisrael fuhr, kam sie hierher, und begann in Daganiah zu arbeiten. Aber in Europa war sie an Tuberkulose erkrankt, und es zeigte sich bald, daß sie die Arbeit nicht fortsetzen konnte. Sie lebte nun in der Stadt, schwere Jahre, die ihren Ausdruck in ihrem Liede fanden. Seit Kinereth war sie dem Lande, der Arbeit, der Arbeiterbewegung aufs tiefste verbunden, und dieses Band wurde nie gelockert. .J)awar“ veröffentlichte von ihr zwei Gedichtbändchen, das erste von ihnen, „Ssafiach“, 1927, in ihrem 37. Lebensjahre erschienen, enthält neben ganz vollendeten Gedichten noch manches Unausgeglichene, in der Form Suchende und Unsichere, das zweite Bändchen, „Mineged“, 1930 erschienen, ist als Ganzes reif und tief. Der Inhalt dieser Bändchen ist mit ein paar Worten zu umreissen: Krankheit, der nahende Tod, Natur, Heimat, Nachklang von Glück und Liebe und Enttäuschung, Freundschaft, und, bei aller Liebe, die sie umgab, tiefste Einsamkeit. Aber auch die Gedichte, die nicht zuinnerst auf den Ton der Resignation gestimmt sind, offenbaren, und sie vielleicht am tiefsten, die Seele der Dichterin: wie alle Frühlingsfreude und Freundschaft und Jugenderinnerung bald leise, bald lauter, bald ausgesprochen, bald verhüllt, der Ton des „Vorbei“ und „Umsonst“ und „Noch einmal!“ begleitet. Dieses wehe Lächeln ist ergreifender als alle Klage. Unverwischbar: der Rhythmus ihrer Gedichte. Nicht sowohl das Auf- und Ab des Versmaßes; es gibt im Hebräischen leichtere, graziösere, spielendere, elegantere Verse. Zwar haben Rachels Verse auch als Verse ihren eigenen Zauber; gesättigt von Wohlklang., weder stürmisch noch auch gleichmäßig, voll schweren Duftes, ohne doch irgendwie zu berauschen, nicht selten im Versmaß leicht überraschend, — Harmonie nicht so sehr des Taktes wie der Pause. Aber der Rhythmus Rachels ruht vor allem in dem Gedichte als geistigem Ganzen: meist leise, ganz leise beginnend, langsam anschwellend und sich steigernd, zuweilen noch einmal sich senkend, und dann, zum Schluß, eine neue Wendung, rückblickend und neu deutend, nicht etwa pointenhaft, antithetisch, das liegt ihrem Wesen ganz ferne, sondern völlig im Rahmen der lyrischen Stimmung. Natürlich ist das kein festes Schema; zuweilen wird jene Schlußwendung schon in den ersten Zeilen vorweggenommen, und wirkt dann umso stärker, wenn sie nachher wiederkehrt, zuweilen liegt die Wendung gerade darin, daß der jubelnde Anfang allmählich zur Ruhe sich senkt, manchmal erhebt sich Welle nach Welle, zweimal,dreimal, — aber immer, auch in den kleinsten Gedichten, ist jene leise, oft kaum spürbare Bewegung vorhanden, die für Rachels Lyrik charakteristisch ist. Es sei der Versuch gemacht, ein paar Gedichte,

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