Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. Seite 290

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
Seite 290 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9072829-9103087-9176172--11703-9083774
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

290 Das Jüdische Echo Nr. 19 Verein für Krankenpflege, Bestattungswesen und religiöse Belehrung (Chewra Kadischa) E.V. in München gegründet wurde. Aus diesem Anlaß wurde am Sonntag, dem 3. Mai, auf dem (alten) israelitischen Friedhofe an der Talkirchner Straße eine Gedenkfeier abgehalten. Anschließend fand ein Rundgang an den Grabstätten von Frauen und Männern vorbei, die sich um den Verein verdient gemacht haben, statt. Aus der jüdischen Welt Endgültige Feststellung des Wahlergebnisses für die Repräsentanten-Versammlung Berlin, 5. Mai. (JTA.) Auf Verfügung des Polizeipräsidenten, der für die Bestätigung der jüdischen Gemeindekörperschaften zuständig ist, mußte der Wahlprüfungsausschuß, bestehend aus den Vorsitzenden der mehr als 100 Wahlbezirksvorstände, nochmals zusammentreten. Die Sitzung fand am 4. Mai unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers Fandgerichtsrat Dr. Filienthal statt, den der Polizeipräsident zum Wahlkommissar bestellt hat, nachdem der bisherige Kommissar James Goldschmidt infolge Erkrankung zurückgetreten war. Beanstandet wird, daß in einigen Bezirken Personen gewählt haben, die nicht in den Fisten standen. Hier wurden allen Parteien ihrer Stärke in den betreffenden Bezirken entsprechende Abzüge gemacht. Ferner mußten die Wahlzettel nochmals geprüft werden,, deren Ungültigkeit sich nicht eindeutig aus den Wahlprotokollen ergab, und über die bei der ersten gemeindeamtlichen Prüfung am 1. Dezember 1930 nur in einem summarischen Verfahren Beschluß gefaßt war. Das Ergebnis der neuerlichen Prüfung ist folgendes: Abgegebene gültige Stimmen: 77 302. Fiste 1 (Liberale) 41 736; Liste 2 (Jüd. Volkspartei) 25 811; Liste 3 (Mittelpartei) 1787; Liste 4 (Konservative) 1410; Liste 5 (Poale Zion) 1930; Liste 6 („Deutsche Liste“) 1335; Liste 7 („Kelal Jisroel“) 114; Liste 8 (Überpart. Vereinigung) 2336; Liste 9 (Positiv Liberale) 722; Liste 10 (Ostjüd. Demokr.) 121. An Mandaten erhalten — ebenso wie nach der ersten Zählung — Liberale 24, Jüd. Volkspartei 14, Mittelpartei, Poale Zion und Überpart. Vereinigung je 1. An Stelle des inzwischen verstorbenen Kommerzienrats Gerson Simon wird als auf der Liste der Mittelpartei gewählt Dr. Alfred Wiener, Syndikus des C. V., festgestellt. Im allgemeinen rechnet man mit baldiger Bestätigung und Amtseinführung der am 30. November 1930 Gewählten. Tagungen der Jewish Agency und des Keren Hajessod in Deutschland Berlin, 29. April. (JTA.) Im Zusammenhang mit der Einberufung des Councils der Jewish Agency für den 16. Juli nach Basel, wird eine Tagung des Initiativkomitees der Jewish Agency in Deutschland am Sonntag, den 14. Juni, in Berlin unter Vorsitz von Herrn Direktor Oscar Wassermann stattfinden. Für den gleichen Tag ist die diesjährige Landesversammlung des Keren Hajessod in Aussicht genommen. Siegmund Freud 75 Jahre Wien, 5. Mai. (JTA.) Professor Sigmund Freud, der in Wien lebende berühmte Gelehrte, Begründer der Psychoanalyse, wird am Mittwoch., dem 6. Mai, 75 Jahre alt. Sigmund Freud, Privat-Dozent (Tit. o. Prof.) flür Neuropathologie an der Wiener Universität, wurde 1856 in Freiberg (Mähren) geboren, war Schüler von Charcot in Paris und nahm regen Anteil an der Erforschung und therapeutischen Anwendung des Hypnotismus. Sein Weltruhm aber knüpft sich an die Schöpfung und Ausbildung der Psychoanalyse, der er eine große Zahl Schriften gewidmet hat, die in der ganzen Welt große Beachtung gefunden haben. 1928 erschien „Die Zukunft einer Illusion“, worin er die Entstehung der Religion, psychoanalytisch begründete. Seine Auffassung hat heftige Kritik, auch von jüdischer Seite, hervorgerufen. Freuds Gesamtwerk ist zusammengefaßt in elf Bänden „Gesammelte Schriften“ (Psychoanalytischer Verlag). Freud wird von gewissen Kreisen als „Materialist“ und „Naturalist“ bekämpft, der alle höheren geistigen Phänomene auf physische bzw. psychophysische Vorgänge zurückführt. Dieses Argument hat sich besonders eine bestimmte antisemitische Schule zu eigen gemacht (z. B. Hans Blüher), die in Freud ähnlich wie in Einstein einen Exponenten des destruktiven jüdischen Geistes sieht. Andere sehen in Freud neben Albert Fm*—**- eine der genialsten Figuren, die die Welt dem Judentum zu danken hat. Freud selbst hat zu seinem Judentum mehrfach und immer voll bejahend Stellung genommen. Er steht auch der zionistischen Aufbauarbeit in Palästina mit Sympathie gegenüber und ist Mitglied des Kuratoriums für die Hebräische Universität in Jerusalem. — Über die Psychologie des jüdischen Volkes und seiner Religion finden sich in Freuds Schriften Hinweise, die sein Schüler Theodor Reik auszubauen bemüht war. Synagogeneinbruch aus politischen Motiven? Tilsit, 29. April. (JTA.) In die Tilsiter Synagoge wurde ein Einbruch verübt. Die Täter haben die Heilige Lade mit einem Stemmeisen erbrochen und den dahinter liegenden Raum durchwühlt. Da von dem dort aufbewahrten Thorasilber nichts gestohlen wurde, wird vermutet, daß die Tat aus politischen Motiven verübt wurde. Friedhofschändung auch in Polen Warschau, 29. April. (JTA.) Am vergangenen Sonntag wurde der jüdische Friedhof in Diwin, Kreis Kobrin, von unerkannt gebliebenen Tätern geschändet. 14 Grabsteine wurden umgeworfen, 11 Grabdenkmäler, darunter 6 von Rabbinergräbern, wurden vollkommen zertrümmert. Die Überschwemmungskatastrophe in Polen Ein Todesopfer Wilna, 29. April. (JTA.) Infolge der Hochwasserkatastrophe ist in Wilna eine Typhusepidemie ausgebrochen. Zur Bekämpfung der weiteren Ausbreitung der Epidemie haben die Behörden die Schließung und Siegelung der Brunnen in den äußeren Stadtbezirken angeordnet. Die Bevölkerung wurde vor dem Genuß ungekochten Wassers gewarnt. Die Hochwassergefahr im Bezirk Grodno ist fortdauernd ernst. Der Djemen ist um 6 Meter gestiegen. In der Stadt Grodno selbst sind viele Straßen überschwemmt. Wie „Nasz Przeglad“ meldet, wurde in Wilna unter dem Vorsitz des Wojwoden ein Hilfskomitee gegründet, unter dessen 70 Mitgliedern sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.