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Das jüdische Echo · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. Seite 288

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
Seite 288 (sequence 8)
Language
German
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288 Das Jüdische Echo Nr. 19 Scholle zuriickzukehren und für diese idealistische Bewegung erhält die Bezeichnung „Nationalismus“ ihre höchste ethische Rechtfertigung. Auch das Wort „Militarismus“ wird für grundverschiedene Begriffe gebrauch. Bezeichnet man mit diesem Worte das Bestreben eines Volkes, das andere durch kriegerische Gewalt zu unterdrücken, so dürfte die wirkliche Kulturwelt in der Verurteilung dieser Mentalität einig sein. Wenn aber unsere Kolonien vor Angriffen, Metzeleien und Plünderungen beutegieriger und halbwilder Völker durch einen legalisierten Selbstschutz gesichert werden sollen, so stellt diese Forderung den primitivsten Akt der Selbsterhaltung dar, auf die kein Volk verzichten kann, das seine physische Existenz behaupten will. Den Worten Jabotinskys folgte brausender Beifall. Er hatte alle, auch die, die gekommen waren, ihn nur als Politiker zu hören, in ihrer Seele gepackt und ergriffen Dieser Abend hat unserer Bewegung in München viele neue Freunde zugeführt. Für die russisch-jüdischen Flüchtlinge Anläßlich der Anwesenheit von Staatsrat Jakob Teitel, des Vorsitzenden des Verbandes russischer Juden in Deutschland, fand am Samstag., 2. Mai, vormittags, ein Empfang in den Räumen der israelitischen Kultusgemeinde statt. Flerr Teitel, sowie seine Begleiter, Rechtsanwalt Dr. A. Goldenweiser und Herr Dr. S. Spiegel wurden von dem Vorsitzenden des Vorstandes der Gemeinde München und des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden, Herrn Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, im Namen der Gemeinde und des Verbandes der bayerischen israelitischen Gemeinden herzlich begrüßt. Staatsrat Teitel, sagte Dr. Neumeyer, sei in München ein willkommener Gast und sein Werk finde hier das vollste Verständnis. Anläßlich des Besuches des Herrn Teitel in München hat die Münchener Gemeinde beschlossen, einen angemessenen Betrag für das Hilfswerk des von ihm geleiteten Verbandes zur Verfügung zu stellen. Herr Teitel wurde auch von dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung Dr. Ernst Wilmersdörfer, ferner von Justizrat Dr. Elias Straus, Justizrat Dr. Karl Oestreich, Dr. Alfred W'erner und Rabbiner Dr. Leo Baerwald begrüßt. Ein Begrüßungsabend, zu dem ein größeres Komitee eingeladen hatte, fand am 2. Mai, abends, im Saale der Concordia statt. Namens des Komitees begrüßte Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer in herzlichen,, anerkennenden Worten den Gast als einen Anwalt der Unterdrückten, vor dessen Persönlichkeit und dessen Werk man Ehrfurcht haben und dessen Sache man helfen müsse. Weitere Begrüßungsreden hielten Rabbiner Dr. Baerwald, Studienprofessor Dr. Klugmann (namens der München Loge). Rechtsanwalt Dr. Werner (namens der Jesaia Loge), Justizrat Dr. Max Feuchtwanger. Staatsrat Dr. Teitel fand warme Worte des Dankes für die ihm zuteil gewordene Begrüßung und appellierte an die Anwesenden, sich für die aus Rußland vertriebenen Flüchtlinge einzusetzen; genauere Daten über das besonders schlimme Los dieser, meist kultivierten, in geistigen Berufen stehenden Menschen, denen es unmöglich ist, an die öffentliche Wohlfahrt zu appellieren., gab Dr. A. Goldenweiser, der Syndikus ihres Verbandes. Er wies darauf hin, daß es auch dem Verband nicht leicht werde, um Hilfe zu bitten; 8 Jahre habe er sich auf die Organisierung einer Selbsthilfe beschränkt, der es auch gelungen seir auf den verschiedensten Gebieten bemerkenswerte Leistungen zu vollbringen. Er hat durch Darlehen vielen Menschen geholfen neue Berufe zu finden; er hat für die Ausbildung der Jugend gsorgt, im besonderen die studierende Jugend unterstützt, er hat Rechtshilfe geleistet und auch mit dem zuständigen Ausschuß des Völkerbundes zur Regelung der Flüchtlingsfragen gearbeitet und noch heute deckt er aus jener Anstrengung von dem jährlich RM. 200 000.— betragenden Budget über die Hälfte. Das Fehlende müsse er von der jüdischen Öffentlichkeit erbitten. Just \?i rat Dr1. Elias Straus erinnerte daran, daß man in dem Schicksal der russischjüdischen Flüchtlinge unmittelbar das Schicksal des jüdischen Volkes erblicken müsse, das nicht zur Ruhe kommen könne. Dieses unerhört schwere Schicksal müsse zu brüderlicher Hilfe mahnen. Es sei nötig, an der Lösung dieses „Problems einer Generation“ mitzuarbeiten und man dürfe angesichts der Schwierigkeiten der vorliegenden Fragen, insbesondere der Staatenlosen, die völlig rechtlos und den Schikanen der Behörden aller Länder ausgesetzt seien, auch eine eigene Hilfsorganisation durchaus für notwendig und zweckmäßig ansehen. Wer sich mit jüdischem Schicksal verbunden fühle, müsse hier mitarbeiten. In später Stunde beschloß Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer die Veranstaltung, deren unmittelbares Resultat ist, daß sich das einladende Komitee als „Ortsausschuß München für jüdische Flüchtlingshilfe“ konstituiert und dem Reichsausschuß für russisch-jüdische Flüchtlingshilfe angeschlossen hat. Es hat sich mit folgendem Aufruf an die jüdische Öffentlichkeit gewandt. Der Reichsausschuß für russisch-jüdische Flüchtlingshilfe, der sich aus Vertretern aller Richtungen des deutschen Judentums zusammensetzt, wendet sich an die jüdischen Gemeinden, Organisationen und an jeden einzelnen deutschen Juden, Männer und Frauen, mit dem dringenden Appell, unseren Glaubensbrüdern aus Rußland, die als Opfer des KriegeJs und der Revolution na'ch Deutschland fliehen mußten, mit aller Kraft zur Seite zu stehen. Die Flüchtlinge, die wir meinen, sind die Angehörigen der höheren wirtschaftlichen und intellektuellen Kreise des früheren Rußlands, die durch Judenpogrome, politische Umwälzungen und den Sturz der alten Wirtschaftsordnung vertrieben wurden und im Westen, zumal in Deutschland, eine Heimat suchten. Einst Führer und Kulturträger der russischen Judenheit, sind sie heute in die Verborgenheit einer unverdienten Armut hinabgesunken, einst Reiche und Wohltäter weit über die Grenzen ihres Landes hinaus, leiden sie heute bittere Not und darben jm Geheimen. Keiner kennt sie, keiner weiß davon, weil sie nie die öffentliche Wohltätigkeit in Anspruch nahmen und kein Wohlfahrtsamt je ihren Namen erfuhr. Bisher war es der Verband Russischer Juden in Deutschland, der seit neun Jahren ganz allein die Lasten dieser verschämten Armen trug und mit seinem Etat von 185 000 RM. jährlich ein Werk der Selbsthilfe vollbrachte, wie es in der Geschichte der jüdischen Wohlfahrtspflege einzigartig dasteht und stehen bleiben wird. Der Reichsausschuß für russisch-jüdische Flüchtlingshilfe, der in dem Augenblick, da dem Verband Russischer Juden die Kräfte ausgingen, gegründet

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