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Das jüdische Echo · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. Seite 285

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
Seite 285 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 285 Die die Leitungsfrage betreffende Resolution hat folgenden Wortlaut: Das Exekutivkomitee würdigt die historischen Verdienste Dr. Weizmanns um die Sache des Zionismus. Mit Hingabe und Geschick hat er die Verhandlungen geführt, deren Ergebnis die Erlassung der Balfour-Deklaration und ihre Erhebung zu einem Bestandteil des internationalen Rechts durch ihre vom Völkerbund vorgenommene Verankerung in dem England übertragenen Palästinamandat war. Mit gleicher Hingabe hat er sich der Organisierung des Keren Hajessod und der Aufbringung von Mitteln für Palästina gewidmet. Seine unermüdliche Energie hat in hohem Maße dazu beigetragen, daß sich der Jischuw ungeachtet der großen politischen und finanziellen Schwierigkeiten entwickeln konnte. Seine nie nachlassenden Bemühungen, die den Juden auf Grund des Mandats zustehenden Rechte in der Zeit seit den Ereignissen im August 1929 gegenüber großen Schwierigkeiten und einer mächtigen Gegnerschaft zu verteidigen, verdient unsere volle Anerkennung. Wir bedauern es, daß Umstände eingetreten sind, die Dr. Weizmann zu dem Entschluß bewogen haben, sein Amt als Präsident der Zionistischen Weltorganisation nicht weiter auszuüben. Wir vertrauen jedoch darauf, daß sein Rat und seine Dienste seinem Volke und unserer gemeinsamen Sache weiter zur Verfügung stehen werden. Dr. Weizmanns Rücktritt als Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation macht die Frage der Leitung zu einer dringenden und sofort zu lösenden. Im Hinblick auf die tiefen Spaltungen, die heute im Zionismus bestehen, treten wir für die Wahl einer mehrgliederigen Leitung ein, die mit der Durchführung der vom Kongreß zu beschließenden politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen beauftragt und kollektiv mit den bisher dem Präsidenten der Weltorganisation zugestandenen Befugnissen ausgestattet werden soll, Befugnissen, die sie zeitweilig nach Belieben einem einzelnen oder mehreren Mitgliedern der Leitung übertragen kann. Ablehnung eines Schächtverbotes im badischen Landtag Karlsruhe, 1. Mai. (JTA.) In der letzten Sitzung des badischen Landtags berichtete der Zentrumsabgeordnete Kuhn über den nationalsozialistischen Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes. Der Ausschuß hatte die Ablehnung des Antrags beschlossen und damit ein Gesuch des Oberrates der Israeliten Badens für erledigt erklärt. Abg. Kraft (Natsoz.) begründete seinen Antrag mit der Behauptung,,, die badische Sozialdemokratie sei deshalb Gegner des Schächtverbotsantrags, weil sie Angst vor den Juden und dem Zentrum habe. (Große Heiterkeit.) Die förmliche Anfrage wird von Ministerialrat Jung beantwortet. Abg. Ewald (Ev. V.) wendet sich gegen das Schächten und verlangt zum mindesten eine scharfe Kontrolle. Abg. Dr. Mattes (D.V.) setzte sich für ein allgemeines Schächtverbot ein. Abg. Dr. Wolfhard (Dem.) spricht gegen den nationalsozialistischen Antrag. Der sozialdemokratische Abg. Kurz meint, die Schächtfrage müsse vor dem Reichstage geklärt werden. Die Frage des Schächtens sei schon vor 20 Jahren hier behandelt worden, als es noch keine Nationalsozialisten gab. Sie sei eben keine-Parteiangelegenheit. Wenn sich die Nationalsozialisten mit dieser Frage beschäftigen, so beherrsche sie nur der Haß gegen die Juden oder ihre Angst vor den Juden. Ein einzelner Landtag sollte sich überhaupt mit dieser Frage nicht beschäftigen. Wenn die Nationalsozialisten von Humanität reden, so könne man ihnen nicht glauben, denn sie seien die unbedingtesten Anhänger des Krieges. Im Grunde* sei jede Tötung unhuman. Wenn die orthodoxen Juden auf dem Schächten beständen, so wolle man sich gar nicht dagegen wenden. Nürnberg habe durch das Schächtverbot großen Schaden gehabt. Orthodoxe Juden seien die bayerischen Kunden gewesen. Die Heeresverwaltung habe vor dem Kriege nur geschächtetes Fleisch für die Konserven verwandt, weil ausgeblutets besser haltbar sei. Kontrolle durch Gendarmerie sei unnötig. Der Fleischbeschauer sei Kontrolle genug. Die Sozialdemokraten lehnen den Antrag ab. Der Antrag des Ausschusses auf Ablehnung des nationalsozialistischen Antrags wurde schließlich angenommen, weil sich die große Mehrheit des Landtags auf den Standpunkt stellte, daß die Schächtfrage nur reichsgesetzlich gelöst werden könne. Antisemitische Exzesse an der Berliner Universität Berlin, 4. Mai. (JTA.) Aus jüdischen Studentenkreisen gehen Mitteilungen über schwere Ausschreitungen zu, die sich in den Mittagsstunden des Samstags, 2. Mai, an der Berliner Universität abgespielt haben, und über welche in der Presse nur andeutungsweise berichtet wurde, ohne daß der wahre Charakter der Exzesse aus diesen spärlichen Mitteilungen erkennbar wird. Die Vorgänge haben sich nach den uns aus den Kreisen der Betroffenen zugegangenen Mitteilungen von folgt abgespielt: Am 1. Mai wehte auf der Universität für einige Augenblicke eine Sowjetfahne. Wer den Streich verübt hat, ist noch nicht festgestellt worden. Der Zwischenfall führte zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen rechts- und linksgerichteten Studenten. Es kam zu Zusammenstößen, bei welchen die nationalsozialistischen Studenten schlecht abgeschnitten haben. Sie kündigten an, daß sie am nächsten Tage .,an den Juden Rache nehmen“ werden. Diese Ankündigung verwirklichten sie in der folgenden Weise: Am Sonnabend, dem 2. Mai, gegen 10 Uhr vormittags, besetzten Trupps nationalsozialistischer Studenten die Eingänge der Universität und faßten alle Kommenden und Gehenden scharf ins Auge. Studenten und Studentinnen, die als Juden erkannt wurden, wurden unter den Rufen „Juda verrecke!“ beschimpft und verprügelt. Dabei wurden einige ausländische jüdische Studenten nicht unerheblich verletzt, ein niedergeschlagener jüdischer Student mußte mit der Bahre ins Krankenhaus befördert werden. Die Universitätsbehörden wurden auf die skandalösen Vorgänge aufmerksam gemacht, allein sie unternahmen nichts, um die Ordnung wieder herzustellen und die Mißhandelten und Bedrohten zu schützen. Die Polizei wurde nicht verständigt. Die Exzesse dauerten bis 2 Uhr nachmittags. Nachdem die nationalsozialistischen Studententrupps Hitlerlieder gesungen und judenfeindliche Rufe ausgestoßen hatten, leisteten sie gegeneinander den Fa-

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