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Das jüdische Echo · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. Seite 284

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
Seite 284 (sequence 4)
Language
German
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281 Das Jüdische Echo Nr. 19 durchzufiihren, um auf diese Weise festzustelleu, wieviel Boden in Palästina für Neueinwanderer verfügbar wäre, wenn zunächst die Bewohner des Landes, deren Wirtschaftslage als kritisch bezeichnet wurde, mit Boden versehen sind. Gegen diese These wandte sich der Protest der Jewish Agency. Es wurde darauf hingewiesen, daß ein Anspruch von Einwohnern eines Landes, mit Boden beteilt zu werden, in keinem anderen Lande anerkannt ist, daß auch ohne die Kapitalzufuhr der jüdischen Einwanderung eine zweckmäßige Verwendung der große Investitionen erfordernden Böden unmöglich sei; und schließlich, daß eine solche Politik in klarem Widerspruch zu Art. 6 des Mandates steht, der die Regierung unzweideutig verpflichtet, die jüdische Kolonisation zu erleichtern, ohne daß die Rechte und die Lage der gegenwärtigen Bevölkerung verschlechtert wird. Ohne die Verpflichtung der Regierung, für die arabischen Einwohner eine konstruktive Aufbaupolitik zu treiben, in Abrede zu stellen, betonte die Jewish Agency in ihrem Memorandum die zwingenden Vorschriften des Mandats und machte geltend. daß im Sinne des Art. 6 des Mandates eine Sonderbehandlung nur für jene Araber am Platze sei, deren Lage durch die jüdische Siedlung wirklich „verschlechtert“ worden ist, also derjenigen Elemente, die durch Übergang des früher von ihnen gepachteten Bodens in jüdische Hände „landlos“ geworden sind. Dieser Gesichtspunkt wurde in dem Brief des Primeministers an Dr. Weizmann vom 13. Februar akzeptiert, ln § 9 dieses Briefes heißt es ausdrücklich, daß die Bestimmungen des Weißbuches über landlose Araber sich nur auf solche Araber beziehen, „bei denen gezeigt werden kann, daß sie von den von ihnen okkupierten Ländereien infolge des Überganges der Böden in jüdischen Besitz verdrängt wurden und die weder anderen Boden, auf dem sie seßhaft werden konnten, noch eine andere gleiche Beschäftigung finden konnten. Die Anzahl dieser so dislozierten Araber muß sorgfältig festgestellt werden. Den landlosen Arabern dieser Kategorie gegenüber fühlt die Regierung sich verpflichtet, ihre Ansiedlung auf dem Lande zu fördern. Die Anerkennung dieser Verpflichtung ist keineswegs eine Abweichung von den weiter gesteckten Zielen der Landentwicklung, welche die Regierung als das durchgreifendste Mittel für die Förderung der Errichtung eines Nationalheimes für die Juden ansieht.“ Die Jewish Agency war auf Grund dieser unzweideutigen Erklärung der Meinung, daß der Fonds der Landentwicklungsanleihe von zweieinhalb Millionen Pfund auf der einen Seite für die Ansiedlung dieser landlosen Araber, weiter für andere Zwecke der wirtschaftlichen Hebung der Fellachen, sowie der allgemeinen Landesentwicklung (wissenschaftliche Bodenuntersuchung, hydrographische Aufnahme, Bewässerung) verwendet werden wird, auf der anderen Seite aber für jene positiven Verpflichtungen des Art. 6 zur Ansiedlung von Juden auf dem Lande, die die Regierung in dem Macdonaldbrief neuerlich in solenner Form anerkannt hat. Die Jewish Agency vermochte sich in ihrer Auffassung auf ein weiteres sehr wichtiges offizielles Dokument zu stützen, nämlich auf den Bericht des von der Palästina- Regierung eingeladenen Sachverständigen C. F. Strickland, dessen Vorschläge in der „Jüdischen Rundschau“ bereits mehrfach besprochen wurden (der wichtigste Abschnitt des Berichtes war in Nr. 13 der „J.R.“ abgedruckt). Die Vorschläge der Jewish Agency haben offenbar darauf abgezielt, diese Art der Verwendung des Fonds von vornherein sicherzustellen. Die Regierung aber hat eine andere Methode vorgeschlagen. Sie will zunächst eine eigene Landentwicklungs-Kommission ernennen, in deren Hand der aus der Anleihe resultierende Fonds zur freien Verfügung gelegt wird. Trotz der „Sparpolitik“, die zur Entsendung der O’Donell-Kommission geführt hat, will man ein neues kostspieliges Amt (der Vorsitzende soll 2000 Pfund Gehalt und freie Wohnung sowie Spesen erhalten!) einrichten. Diese Kommission soll machen können was sie will, ohne klare Richtlinien der Londoner Regierung. Man muß annehmen, daß die Haltung der Regierung durch die Stellungnahme des High Commissioner Sir John Chancellor, der mit den Arabern verhandelt hat, beeinflußt ist. Bevor nicht genauere Informationen und eine offizielle Mitteilung der Jewish Agency vorliegen., ist es nicht möglich, sich ein endgültiges Urteil zu bilden. Doch muß es der Regierung klar sein, daß sie den Landentwicklungsplan ohne aktive Teilnahme der Juden ebenso wenig durchführen kann, wie ohne Teilnahme der Araber. Eine Ignorierung der jüdischen Ansprüche wäre eine eklatante Verletzung der Mandatsverpflichtung. Wenn die Regierung den Macdonald-Brief als einen Fetzen Papier behandelt, dann würde von neuem das Vertrauen zu ihr auf das Schwerste erschüttert werden. Die Frage der zionistischen Leitung Sitzung des Landesexekutivkomitees der Zionistischen Organisation Amerikas N e u y o r k , 28. April. (JTA.) Am Sonntag, dem 26. April, fand in Neuyork, unter Teilnahme zionistischer Führer aus allen Teilen der Vereinigten Staaten eine Sitzung des Landesexekutivkomitees der Zionistischen Organisation Amerikas statt. Gegenstand der Beratungen bildeten die wichtigsten Probleme, die voraussichtlich dem 17. Zionistenkongreß gestellt werden. Es wurden eine Reihe von Resolutionen gefaßt, in denen der Wunsch nach stärkerer Betonung der wirtschaftlichen Seite des Aufbaus des jüdischen Nationalheims in Palästina und nach Erschließung des Landes in vollkommener Zusammenarbeit mit der arabischen Bevölkerung zum Ausdruck gebracht wird. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, auf dem Zionistenkongreß zu beantragen, daß die Befugnisse, die bisher dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation zustanden, einem Kollegium übertragen werden. Das Landesexekutivkomitee brachte in einer weiteren Resolution den innigen Wunsch nach Herstellung harmonischer Beziehungen zur arabischen Bevölkerung Palästinas auf der Basis der uneingeschränkten Anerkennung der Balfour-Deklaration und des Palästinamandates sowohl durch die Juden als auch durch die Araber zum: Ausdruck. Schließlich wurde die Forderung nach Wiedervereinigung Transjordaniens als eines integralen Teils Palästinas mit dem Gebiete westlich des Jordans erhoben und auf die Notwendigkeit der Bildung eines Rates für wirtschaftliche Entwicklung hingewiesen, der die wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas gründlich erforschen und Pläne für die Entwicklung von Handel und Industrie im, Lande ausarbeiten soll.

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