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Das jüdische Echo · 1931-05-08 · 19 (8.5.1931) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
19 (8.5.1931)
Date
1931-05-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 19 8. Mai 1931 18. Jahrgang Schwierigkeiten In London Ernste Differenzen zwischen Jewish Ägency und der englischen Regierung London, 30. April. (JTA.) Die Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der jewish Agency sind auf einem toten Punkt angelangt. Während die Vertreter der Jewish Agency auf sofortiger Festlegung der Landentwicklungspolitik sowie auf der Forderung bestehen, daß die für die Erschließung Palästinas bestimmten staatlichen Mittel zu gleichen Teilen zur Förderung der jüdischen und der arabischen Interessen verwandt werden sollen, beabsichtigt die Regierung, die geplante Landentwicklungskommission als Departement der Palästina-Regierung zu organisieren und der Kommission die Entscheidung über die Verwendung der zur Durchführung des Landentwicklungsplans bestimmten Gelder zu überlassen, ein Plan, dem die Jewish Agency nicht zustimmen kann. Die Verhandlungen wurden unterbrochen, und es wurde vorläufig keine weitere Besprechung zwischen den Vertretern der englischen Regierung und den Unterhändlern der Jewish Agency anberaumt. Die Meinungsverschiedenheiten wurden u. a. darauf zurückgeführt, daß die Kommission unter dem Eindruck der in Jerusalem abgehaltenen inoffiziellen Besprechungen zwischen dem High Commissioner und der arabischen Exekutive stand. Die ursprünglich im Vordergrund der Verhandlungen stehende Frage der Zusammensetzung der Landentwicklungskommission ist auf der letzten Besprechung zwischen den englischen Regierungsvertretern und der Jewish Agency vollständig hinter die Erörterung der grundsätzlichen Frage, welches das Ziel des Landentwicklungsplans sein soll, zurückgetreten. Die Regierungskommission nahm den Standpunkt ein, daß die Araber in erster Reihe, wenn nicht ausschließlich, Nutznießer des Planes sein sollen. Sie machte ferner geltend, daß es gegenwärtig unmöglich sei,, die Zahl der von ihrem Boden verdrängten Araber festzustellen, es handle sich aber jedenfalls, wie auch Dr. Shiels im Unterhause erklärt habe, um viele Tausende, etwa 29 Prozent der Bevölkerung. Augenblicklich könne nur die Art der Zusammensetzung der der Palästina-Regierung anzugliedernden Landentwicklungskommission erörtert werden. Dagegen müsse die Bestimmung über die Verwendung der zur Durchführung des Landentwicklungsplans bestimmten Gelder der künftigen Landentwicklungskommission selbst überlassen bleiben. Demgegenüber bestanden die Vertreter der Jewish Agency darauf, daß die Richtlinien der Landentwicklungspolitik in den gegenwärtigen Verhandlungen festgelegt werden. Sie erklärten, daß die Zahl der unmittelbar durch jüdische Bodenkäufe von ihrem Landbesitz verdrängten Araber, die allein auf Grund der Bestimmungen des Mac Donald Briefes Anspruch darauf haben, bei der im Landentwicklungsplan vorgesehenen Bodenzuweisung berücksichtig zu werden, nur wenige Hundert betrage. Die Mittel des Landentwicklungsfonds müßten daher zur Hälfte zugunsten der verdrängten Araber und zur Entwicklung der arabischen Landwirtschaft im allgemeinen, sowie zu Krediten für arabische Siedler, zur anderen Hälfte aber zur Förderung der jüdischen Kolonisation und zur Erteilung von Krediten an die bestehenden jüdischen Kolonien verwandt werden. Die arabische Exekutive hat an die Regierung die Forderung gestellt, daß die Bestimmungen des Macdonald-Briefes völlig außer acht gelassen und daß die Mittel des Entwicklungsfonds zunächst zur Ansiedlung aller landlosen Araber verwandt werden. Im Hinblick darauf, daß ihre Pläne sowohl bei den Arabern als auch bei den Juden auf Opposition stoßen, wird die Regierung wohl ihre Absicht, der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes auf ihrer Tagung im Juni d. J. einen von beiden Parteien gebilligten Landentwicklungsplan vorzulegen, aufgeben müssen. * Aus den vorstehenden Meldungen geht hervor, daß in den Beziehungen der Jewish Agency zur englischen Regierung von neuem eine schwere Krise ausgebrochen ist. Die Sachlage ist folgende: Schon bei der Tagung der Permanenten Mandatskommission im Juni 1930 wurde die englische Mandatsverwaltung scharf kritisiert, weil sie in Palästina lediglich die Rolle des untätigen Zuschauers und Schiedsrichters gespielt hat, statt eine Politik der aktiven Landesentwicklung zu betreiben, die eine bessere Ausnützung der Bodenfläche ermöglicht, den Standard der Araber gehoben, dadurch die Niveau-Differenz zwischen Juden und Arabern verkleinert und damit auch die Gegensätze gemildert hätte. Durch eine solche Politik wäre nach Meinung der Mandatskommission auch der Sache des Jüdischen Nationalheims der größte Dienst erwiesen worden. Die englische Labour-Regierung, die noch keine Möglichkeit zur Formierung einer Palästina-Politik gehabt hat, weil unmittelbar nach ihrem Antritt die August- Unruhen 1929 ausbrachen und seither die Krise nicht aufgehört hat, gab ihre Bereitwilligkeit kund, auf diesen Gedanken einzugehen und versprach, nach Fertigstellung des Berichtes des von ihr entsandten Sachverständigen, Sir John Hope Simpson, ein positives Programm der Landentwicklung auszuarbeiten und hierfür auch Mittel zur Verfügung zu stellen. Bekanntlich vollzog sich das später in der Form, daß eine Anleihe von zweieinhalb Millionen Pfund in Aussicht gestellt wurde. Nach dem Bericht Hope Simpsons, dem sich das Weißbuch vom Oktober 1930 anschloß, hatte man den Eindruck, die Regierungspolitik ziele darauf ab. zunächst eine Innenkolonisation der Araber

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