Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 18 (1.5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 276 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Das Jüdische Echo Nr. 18 Harry Sacher, gibt zu schweren Besorgnissen Anlaß. Die Angehörigen Sachers haben sich im Hinblick auf die Schwere seiner Erkrankung entschlossen, einen hervorragenden Internisten aus Ägypten als Konsiliarius zu berufen. Es besteht Besorgnis, daß innere Blutungen eingetreten sind. Eine Bluttransfusion wird in Erwägung gezogen. Feuilleton Jüdisches Museum swesen Der Verein für jüdische Museen in Bayern, e. V., hielt am 22. April in München seine erste ordentliche Mitgliederversammlung ab. Den Bericht des provisorischen Vorstands erstattete Herr Rabbiner Dr. Baerwald; wie sich zeigte, waren zur Gründung des Vereins, zur Werbetätigkeit umfangreiche Vorarbeiten nötig. Der bisher vorläufige Vorstand wurde im wesentlichen bestätigt, er setzt sich nunmehr aus den Herren Rabbiner Dr. Baerwald, Hofrat Dr. Berolzheimer, Frau Kommerzienrat Weil, Rechtsanwalt Martin Flaschner, Bankier Julius Wassermann (Bamberg) zusammen. Nach einer Aussprache über verschiedene Punkte konnten die, zum Teil recht schönen, leider aber wenig zahlreichen Neuerwerbungen vorgelegt werden. Zum Schluß hielt Herr Theodor Harburger, der die Geschäftsleitung des Vereins inne hat, einen hochinteressanten Lichtbildervortrag über „Jüdisches Museeumswesen“, den wir in der Lage sind, im Auszug folgen zu lassen. Nahezu 50 Lichtbilder unterstützten di£ Ausführungen Herrn Harburgers aufs trefflichste. * Die Bestrebungen zur Erhaltung des auf uns überkommenen Kulturgutes setzten gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in stärkerem Maße ein und führten zur Errichtung jüdischer Museen. Die erste derartige Gründung ist m. W. das jüdische Museum in Wien, das von der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums unterhalten wird. Diese Gesellschaft trat bereits im Jahre 1895 ins Leben und kann gemäß der langen Dauer ihres Bestehens auf einen großen Fundus hinweisen. Leider ist durch die in Österreich besonders fühlbare Verschlechterung der Wirtschaftslage die Aufstellung noch immer ungenügend. Infolge der Zusammenpferchung auf wenige und ungünstige Räume kommt die Sammlung, die naturgemäß auch recht bemerkenswerte Stücke besitzt, nicht zur wahren Geltung. Leider ist für die nächste Zeit eine Besserung dieses Zustands nichts zu erwarten. Von großer und über ein lokal begrenztes Gebiet hinaus weittragender Bedeutung ist die Tätigkeit der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler geworden. Gegründet von dem Direktor des Düsseldorfer Kunstgewerbemuseums, Heinrich Frauberger, und dem bekannten Philanthropen Charles L. Hallgarten in Frankfurt a. M., hat sie bereits in der ersten Zeit ihres Bestehens, also im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts begonnen, eine Sammlung anzulegen, daneben noch planmäßig Abbildungen von einschlägigem Kunst- und Kulturgut zu vereinigen und die verdienstvollen Publikationen herauszugeben. Erst im Jahre 1908 schritt die Gesellschaft zur Dauerausstellung ihres Besitzes in Düsseldorf, dem Amtssitz des Musealleiters Frauberger. Der von Anfang an gefaßte Plan, das Museum in Frankfurt a. M., dem Sitz der Gesellschaft, einzurichten, konnte erst im Jahre 1922 durchgeführt werden. In dem ehemaligen Rothschildschen Geschäftshaus, wo jetzt auch die gemeindlichen Büros untergebracht sind, fand die Sammlung ihren Platz unter Einbeziehung der unveränderten Räume der berühmten Bankiers. An Bedeutung die wichtigste Sammlung Deutschlands ist zweifellos die Kunstsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde geworden. Sie geht in ihrem Grundstock auf die im Jahre 1874 begonnene Sammeltätigkeit des Dresdener Privatmanns Albert W o 1 f f zurück, der das Ergebnis seines Sammeleifers der Gemeinde Berlin vermachte. Durch Einrichtung einer Abteilung für Werke lebender jüdischer Künstler bemüht sich die Kunstsammlung auch der Jetztzeit gerecht zu werden. Aus ihren neuerdings auch zu klein gewordenen Räumen im Gemeindehaus an der Oranienburgerstraße mögen einige Abbildungen einen Eindruck übermitteln. Daß auch in Bezirken dichterer Judensiedlungen in Europa Museen entstanden sind, ist besonders erfreulich. Denn dadurch sind die im Osten heimischen Kunstformen, welche nachweisbar meist von jüdischen Kunsthandwerkern geschaffen wurden, vor dem Verfalle bewahrt. Solche jüdische Museen gibt es in Prag, in Warschau, Lemberg und Budapest. Von dem kleinen Museum in Presov in der Slovakei, dem früheren Esperies ist die erfreuliche Tatsache zu berichten, daß es einen Neubau aufführen und im vergangenen Januar eröffnen konnte. In jüngster Zeit nahm die Bewegung zur Erhaltung jüdischer Kunstdenkmäler stärkeren Aufschwung. Im Jahre 1924 wurde in der altehrwürdigen Gemeinde Worms im Dachgeschoß der Frauenschule ein stimmungsvolles Museum eingerichtet. Herr Isidor Kiefer betreut die sich nur auf jüdische Wormatiensia beschränkende Sammlung in vorbildlicher Weise. Kurz nach der Wormser Gründung hat auch die nachbarliche Gemeinde Mainz ihre Kunstschätze gesammelt. Es ist vor allem das Verdienst des Herrn Dr. Ladenburg, dies zuwege gebracht zu haben. Die wichtigste Neugründung der letzten Jahre ist aber sicher das „Jüdische Museum“ in Breslau, das als Werk des im März 1928 gegründeten gleichnamigen Vereins sich rasch entwickelte. Die günstige Stellung in der Hauptstadt einer seit je mit lebendem Judentum erfüllten Provinz, am Sitz des berühmten Rabbiner-Seminars und die Anwesenheit so vieler mit jüdischen Impulsen erfüllter Menschen kam dem neuen Unternehmen zu Gute. Bereits im Frühjahr 1929 konnte der Verein mit einer gut durchgeführten Ausstellung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens“ erfolgreich vor die Öffentlichkeit treten. Schon damals gehörte ein großer Teil der gezeigten Gegenstände dem rührigen Verein. Jetzt ist die Sammlung in ein paar Räumen des „Schlesischen Museums für Kunstgewerbe und Altertümer“ untergebracht. Neben solchen von jüdischer Seite ausgehenden und von jüdischen Trägern erhaltenen Museen sei noch auf die manchen allgemeinen Anstalten angegliederten Sammlungen jüdischer Kunst- und Kulturguts hingewiesen. 0018872605325559725