Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1931-05-01 · 18 (1.5.1931) · p. Seite 277

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
18 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 277 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103087-9176171--11689-9083760
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 18 277 Das Jüdische Echo Die auf der Pariser Weltausstellung des Jahres 1878 gezeigte Sammlung Strauß ist von Baron Rothschild dem Musee Cluny geschenkt worden und befindet sich nun dort. In Bayern ist bislang die jüdische Eigenart im Kulturleben des Landes noch nicht ihrer Bedeutung nach unter musealen Gesichtspunkten zum Ausdruck gekommen. Vor allem die beiden Hauptsammlungen, das Bayerische Nationalmuseum und das Germanische Nationalmuseum lassen fast alles in dieser Hinsicht zu wünschen übrig. Das Münchener Institut birgt zwar im ersten Stock unter den Fachsammlungen in zwei Glaskästen seinen bescheidenen Bestand an jüdischem Kultgerät, aber die gezeigten Gegenstände sind unglücklicherweise ohne künstlerische Bedeutung. Im Germanischen Museum ist vielleicht zahlenmäßig noch weniger vorhanden, dafür ist aber ein Teil von großem künstlerischem und kulturellem Wert: die Bibliothek des Museums verwahrt die beiden sog. Nürnberger Haggadoth, die beide in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts geschrieben und geziert worden sind. Besonders die sog. zweite Haggadah ist wegen der zwar flüchtigen, aber sehr eigenwilligen und einei witzigen Veranlagung entsprungenen Darstellungsweise von größtem Interesse. Daß diese beiden Stücke der allgemeinen Besichtigung durch das Publikum entzogen sind, ist vielleicht durch die Einteilung des Museums bedingt, weniger einverstanden darf man aber sein mit der Tatsache, daß die übrigen Gegenstände jüdischen Belangs zur Zeit magaziniert sind. Diese Erscheinung, die m. W. auf die kulturpolitische Einstellung einzelner leitender Persönlichkeiten zurückzuführen ist, sollte meines Erachtens Veranlassung geben, die Gründung eines eigenen Museums auch unter allgemein politischen Gesichtspunkten zu betreiben. ln dem kleinen Heimatmuseum zu Uffenheim, das größtenteils dem Sammeleifer des verewigten Oberlehrers Strauß sein Zustandekommen verdankt, hat der eifrige Altertums- und Kunstfreund ein sehr nettes Zimmerchen „Klause eines jüdischen Gelehrten“ eingerichtet. Zum Schlüsse möchte ich noch die Erinnerung an die vorjährige „Ausstellung jüdischer Kult- Geräte und Einrichtungen für Synagoge und Haus“ wachrufen. Viele der dort gezeigten Gegenstände werden sicher als Leihgaben einem werdenden Museum nicht vorenthalten werden. Vor allem trifft diese Vermutung zu für die im Besitz des Verbands Bayerischer Gemeinden befindlichen Reste der Golmberger Synagogenmalereien des Elieser Susmann C. Z. Überhaupt gestattet die Tatsache, daß dem Verein seitens des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden volle Förderung gewährt wird, die erfreuliche Aussicht, daß gerade die größeren und kostspieligeren Gegenstände vom Verein in Obhut genommen werden dürfen, sobald die Lage der Herkunftsgemeinde einen weiteren Verbleib nicht mehr ratsam erscheinen läßt. Um aber den Privatbesitz an der Ausgestaltung des kommenden Museums zu interessieren, bedürfen wir der Werbung in allen Kreisen der bayerischen Judenheit. Wie davon das Wachstum des Vereins abhängt, so ist dies wieder Voraussetzung für eine kulturpolitische Außenwirkung, wie sie die vorjährige Ausstellung erfreulicherweise gehabt hat. * (Beitrittserklärungen zum „Verein für jüdische Museen in Bayern e. V. sind an die Geschäftsleitung, München, Augustenstraße 53/11, zu richten; jährlicher Mindestbeitrag für Einzelpersönlichkeiten RM. 10.—.) Gemeinden- und Vereins-Echo Staatsrat Dr. Teitel in München. Dieser Tage ist der Vorsitzende des Verbandes Russischer Juden in Deutschland, der wirkliche Staatsrat Jakob Teitel in Begleitung von Dr. A. Goldenweiser und Dr. S. Spiegel in München eingetroffen. Anläßlich der Anwesenheit dieses - hochverdienten Mannes findet am Samstag, dem 2. Mai 1931, abends 9 Uhr, im Saale der Concordia, Prannerstraße 4, ein Ehrenabend statt. Dem Komitee hierfür haben sich angeschlossen: Oberstlandesgerichtsrat Dr. A. Neumeyer, Justizrat Dr. Elias Straus, Justizrat Dr. Carl Oestreich, Oberrabbiner Dr. Baerwald, Rabbiner Dr. Ernst Ehrentreu, Studienprofessor Dr. Klugmann, Rechtsanwalt Dr. Alfred Werner, Rechtsanwalt Dr. Ernst Wilmersdoerffer, Kommerzienrat Dr. Ludwig Wassermann, Justizrat Dr. Max Feuchtwanger. Staatsrat Dr. Teitel war der einzige jüdische Richter im zaristischen Rußland. Sein ganzes Leben hat er der Fürsorge für jüdische Notleidende gewidmet. Vor kurzer Zeit wurde in Berlin sein 80jähriger Geburtstag unter großer Anteilnahme des deutschen und russischen Judentums gefeiert. Jüdischer Vortragsabend Herr Bernhard R e n k a , der bekannte und geschätzte Münchener jüdische Vortragskünstler, veranstaltet am Samstag, 9. Mai 1931, abends 8.30 Uhr, im Portia-Saal des Museums, Prannerstraße, einen jüdischen Vortragsabend, an dem er Ernstes und Heiteres aus den Werken von Bialik, Buber, Berthold Feiwel, M. Rosenfeld, M. Acher, Schalom Asch und Scholem Alejchem zu Gehör bringen wird. Herr Renka wird auch eine Szene aus „Jaakobs Traum“ von Richard Beer-Hofmann, sowie eine bisher unveröffentlichte Dichtung von Manfred Sturmann sprechen. Dem Abend ist voller Erfolg zu wünschen. Palästinawanderer. Eine Gruppe von 30 litauischen Chaluzim berührte am Dienstag, 28. April* auf der Reise nach Palästina München; sie wurden vom Vertreter des Palästinaamts begrüßt. Die Reichsbahn stellt der Gruppe einen Sonderwaggon nach Triest. Hebräische Sprachkurse München. Am Montag, den 4. Mai, abends 8.30 Uhr, beginnt ein neuer Anfängerkurs. Weitere Anmeldungen hierzu werden auch noch an diesem Abend im Unterrichtslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, entgegengenommen. Ebenso telephonisch unter Nr. 29 74 49. Jüdisches Jugendheim München. Der nächste Jugendheim-Abend findet am Montag, den 4. Mai, abends 8L> Uhr im Jüdischen Jugendheim, Herzog- Rudolf-Straße 1/1, statt. Einer Rundschau über aktuelle Ereignisse wird die Besprechung eines anregenden Zeitungsartikels folgen. Alle, die sich für diese Veranstaltung interessieren, sind willkommen. Der Arbeitsausschuß des Jiid. Jugendheims Jüd. Kulturverein J. L. Perez. Samstag, den 2. Mai, abends 9 Uhr, findet im Lessingsaal, Herzog- Rudolf-Straße L ein Diskussionsabend über den Vortrag von Vladimir Jabotinsky statt. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.