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Das jüdische Echo · 1931-05-01 · 18 (1.5.1931) · p. Seite 274

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
18 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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274 Das Jüdische Echo Nr. 18 Die katastrophalen Überschwemmungen in Ostpolen — Große Not unter den betroffenen Hunderten jüdischen Familien Warschau, 26. April. (JTA.) Die katastrophalen Überschwemmungen, von denen Ostpolen mit Wilna betroffen worden ist, haben die Not dert von jüdischen Familien bewohnte Häuser ins Ungeheure gesteigert. In Wilna und in mehreren meist von Juden bewohnten Städten und Städtchen der Umgebung wurden mehrere hundert von jüdischen Familien bewohnte Häuser und zahlreiche von Juden betriebene Gewerbe und Industrieanlagen, darunter große Gerbereien, die zahlreiche jüdische Arbeiter beschäftigen, überschwemmt und zum großen Teil vernichtet. Die meisten der betroffenen Familien konnten nur das nackte Leben retten. Die Not ist unbeschreiblich groß. Die Warschauer Tageszeitung „Haint“ stellt fest, daß die Lage der jüdischen Opfer der Überschwemung weit schlimmer ist als die der christlichen, da die öffentlichen Hilfsaktionen, die Regierung und Gesellschaft Polens für. die Opfer durchführen, den Juden fast garnicht zugute kommen. Die Zeitung fordert die jüdische Gesellschaft auf, ihrerseits eine speziell jüdische Rettungsaktion einzuleiten, damit auch die Hunderte Wilnaer jüdischen Familien und die zahlreichen Juden in den benachbarten Städten, die von der Katastrophe betroffen wurden, nicht ganz ohne Hilfe bleiben. Die jüdische Nationalität bei der Volkszählung in Jugoslavien anerkannt Belgrad, 16. April. (JTA.) Bei der Volkszählung die jetzt in ganz Jugoslavien durchgeführt wird, ist auch die jüdische Nationalität anerkannt. Das jüdische Blatt „Zidov“ (Zagreb) fordert die Juden auf, die Rubrik „Nationalität“ mit „jevrejska“ (jüdisch) auszufüllen. Die amtliche Weisung über diesen Punkt lautet: Jede Person kann frei erklären, welcher Nationalität und Muttersprache sie angehört. Die durchführenden Organe der Volkszählung dürfen in keiner Beziehung einen Druck ausüben. Die neue rumänische Regierung und die Juden Bukarest, 21. April. (JTA.) Der neue rumänische Ministerpräsident, Prof. Jorga, der hervorragende Historiker und Rektor an der Bukarester Universität, der soeben eine unparteiische Regierung der Fachleute gebildet hat, hat Gelegenheit genommen, bei dem am 20. April, abends, stattgefundenen Empfang der ausländischen Pressevertreter sich auch über das Verhältnis der neuen Regierung zu der jüdischen Bevölkerung des Landes zu äußern. Ministerpräsident Prof. Jorga sagte im Verlauf seiner Ausführungen: Die Juden sind Menschen genau so wie wir. Wir werden uns ihnen gegenüber menschlich benehmen, wenn sie sich uns gegenüber menschlich benehmen werden. Gerade im heutigen Ministerrat haben wir Maßnahmen getroffen zur Unterdrückung jedweder anarchischen Manifestation gegen irgend eine Bevölkerungsschicht. Alle jene, die solche Bewegungen inszenieren, werden auf die strengste Weise bestraft werden. Es ist auch unstatthaft, daß gewisse Leute sich als Vertreter der gesamten Nation aufspielen und dabei nur Verhetzung predigen, (Professor Jorga tritt seit vielen Jahren im Parlament und in der Presse, zuletzt auch in Amtshandlungen als Rektor der Bukarester Universität, der cuzistischen Hetze, die er als kulturlos und den rumänischen Interessen schädlich bezeichnet, entgegen.) V - Weizmann in Manchester Manchester, 21. April. (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Organisation und der jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, weilte am Sonntag, dem 19. April, in Manchester, wo er bekanntlich früher als Hochschullehrer lebte. Auf dem Bahnsteig war eine Ehrenwache aufgestellt, gebildet aus ehemaligen jüdischen Soldaten, von denen die meisten am Palästina-Feldzug teilge*- nommen hatten. Nachmittags fand ein Empfang zu Ehren Dr. Weizmanns statt. Abends sprach Dr. Weizmann in einer Massenversammlung im Paramount Theater über die Rolle der englischen Regierung beim Palästina- Aufbau und die Möglichkeit einer Ausdehnung der jüdischen Siedlung in Palästina. Am Montag, dem 20. April, veranstaltete der Bürgermeister von Manchester einen Empfang für Dr. Weizmann im Rathaus. Wirtschaftsantisemitismus in Amerika New York, 26. April. (JTA.) In einer Sitzung des vom American Jewish Congress eingesetzten Landeskomitees zum Studium des Wirtschaftsantisemitismus berichtete Rabbi J. Cohen von der New Yorker Free Synagoge u. a., eine antisemitische Woge überflute augenblicklich die großen Industriezentren der Vereinigten Staaten. Für jüdische Arbeitslose sei es so gut wie ausgeschlossen, in einem christlichen Hause Stellung zu finden. Eine Reihe von Arbeitsvermittlungsbüros hat in ihren Warteräumen Anschläge folgenden Inhalts angebracht: ,,,Arbeitsangebote von Juden werden derzeit nicht entgegengenommen.“ In dem Büro einer Stadt im Westen der Vereinigten Staaten war die merkwürdige Aufschrift zu lesen: „Buchhalter und Juden werden ersucht, wegzubleiben.“ Von den jüdischen Arbeitsuchenden, erklärte Rabbi Cohen, wird die Frage nach dem Glaubensbekenntnis am meisten gefürchtet. Anscheinend sei für die christlichen Arbeitgeber nicht Ausbildung und Erfahrung eines Angestellten, sondern sein Glaubensbekenntnis von ausschlaggebender Bedeutung. Gewisse Arbeitsvermittlungsbüros verwenden Ziffern zur Kennzeichnung der Religion des Arbeitsuchenden: 1 bedeutet Protestant, 2 Katholik, 3 Jude; mitunter wird auch die Konfession des Arbeitsuchenden durch ein Geheimzeichen in einer Rubrik des Fragebogens angedeutet. Gründung eines jüdischen Braille-Institutes in Amerika New York, 16. April. (JTA.) Anläßlich der gegenwärtig in New York tagenden Weltkonferenz für Blindenfürsorge wurde die Gründung eines amerikanisch-jüdischen Braille-Institutes, das für die kulturellen und religiösen Bedürfnisse der jüdischen Blinden in Amerika Sorge tragen soll, beschlossen. Das Institut wird eine Monatsschrift in der Brailleschen Blindenschrift für die englisch lesenden Juden der ganzen Welt herausgebeip Ferner soll das Institut einen internationalen hebräischen Braille-Kodex schaffen und Werke deV hebräischen Literatur in diesem System gedruckt herausgeben. Für die älteren jiddisch sprechenden Blinden, die das komplizierte Braille-System nicht erlernen, können, sollen Schriften in dem einfacheren Moon-System herausgegeben werden. Wie der Direktor des Wiener Israelitischen Blindeninstituts, Siegfried Altmann, auf der Welt- I

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