Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 18 (1.5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 272 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Das Jüdische Echo Nr. 18 Die Beratungen über den Landentwicklungsplan für Palästina Verhandlungsbeginn gleichzeitig in London und in Palästina London, 23. April. (JTA.) Die Beratungen über den auf der Basis der Vorschläge von Sir Hope Simpson aufgestellten Landentwicklungsplan für Palästina haben am Mittwoch, dem 22. April, gleichzeitig in London und in Jerusalem begonnen. Während an den Londoner Verhandlungen die Vertreter der Jewish Agency und ein interministerielles Komitee teilnehmen, dem ein Vertreter des Kolonialamtes, ein Vertreter des Schatzamtes und der Lordadvokat für Schottland, Craigie Aitchison, jedoch kein Vertreter des Außenamtes angehören, werden die Parallelverhandlungen in Jerusalem zwischen dem High Commissioner und den Vertretern der Araber geführt. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, werden in diesen Verhandlungen zunächst bloß die allgemeinen Fragen des Landentwicklungsplans behandelt werden, während die Frage des Landentwicklungsfonds erst beraten werden dürfte, wenn das Unterhaus die erforderlichen Mittel bewilligt haben wird. In politischen Kreisen hatte man erwartet, daß noch am Dienstag, dem 21. April, in der Abendsitzung des Unterhauses, auf deren Tagesordnung ein Amendement zum Palästina- und Ostafrika- Anleihe-Garantiegesetz vom Jahre 1926 stand, eine Diskussion über die geplante Palästina-Landentwicklungsanleihe stattfinden werde. In der Sitzung begründete jedoch der Finanzsekretär des Schatzamtes, Pethick Lawrence, die Notwendigkeit eines Amendements zum Gesetz bloß im Zusammenhang mit der Aufnahme einer zweiten Anleihe für die Landentwicklung Qn Tanganjika, ohne auf Palästina Bezug zu nehmen. Jerusalem, 23. April. (JTA.) In einem offiziellen Communiquee dementiert die Palästina- Regierung die Londoner Meldung, daß Sir John Hope Simpson als Vorsitzender der Landentwicklungskommission in Aussicht genommen sei und daß Dr. Weizmann der Ernennung Sir Johns zugestimmt habe. Die Regierung hat der Jewish Agency ihre Vorschläge übermittelt London, 26. April. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur aus zuverlässiger Quelle erfährt, wurde die zweite Besprechung zwischen dem interministeriellen Regierungskomitee und den Vertretern der Jewish Agency für Mittwoch, den 29. April, festgesetzt. Die Regierung hat der Jewish Agency ihre Vorschläge bezüglich des Landentwicklungsplans für Palästina zukommen lassen, um ihr Gelegenheit zu geben, sich in der Zwischenzeit bis zur nächsten Sitzung mit dem Projekt zu befassen. Der Entwurf ist gleichzeitig auch der arabischen Exekutive zugegangen. Trotz der offiziellen Verlautbarung des Kolonialamtes, daß gleichzeitig mit den Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency in London Besprechungen mit der arabischen Executive in Jerusalem aufgenommen wurden, erscheint es zweifelhaft, ob tatsächlich die Verhandlungen mit den Arabern bereits begonnen haben, da sich der High Commissioner, Sir John Cancellor, seit dem 22. April in Haifa aufhält. Es ist ebenso unwahrscheinlich, daß die Verhandlungen mit den Arabern in Haifa,, als daß sie in Jerusalem ohne Teilnahme des High Commissioners begonnen haben sollten. In zionistischen Kreisen Londons ist man der Ansicht, daß einer Zustimmung der palästinensischen Regierung zur Eröffnung von Verhandlungen mit der arabischen Executive eine Modifizierung der Forderungen vorangehen müßte, die diese in ihren dem High Commissioner übermittelten Resolutionen aufgestellt hat. Man hält es für höchst unwahrscheinlich, daß die Regierung dem arabischen Verlangen, den Brief Macdonalds bei den Verhandlungen unberücksichtigt zu lassen, entsprechen werde. Hat der High Commissioner jüdisch-arabische Besprechungen vereitelt Jerusalem, 24. April. (JTA.) Ittamar Ben Avi veröffentlicht im „Doar Hayom“ unter dem Titel „I’accuse“ eine Serie von Artikeln, in deren erstem er der Palästina-Regierung den Vorwurf macht, Dr. Weizmann genötigt zu haben, von seiner geplanten Zusammenkunft mit Emir Abdullah in Amman Abstand zu nehmen. Ben Avi zitiert in diesem Zusammenhang einen an Dr. Weizmann gerichteten Brief des Chefsekretärs der Palästina-Regierung Young, in dem erklärt wird, der Zeitpunkt für einen Besuch in Amman sei ungeeignet. Die Regierung könne auch weder jetzt noch später eine Verantwortung für Weizmanns persönliche Sicherheit in Transjordanien übernehmen. Weiters wird in dem Artikel ausgeführt, auch aus anderen Tatsachen sei zu ersehen, daß der High Commissioner, Sir John Chancellor, den Weg zu jüdisch-arabischen Besprechungen verrammelt habe. Jerusalem, 26. April. (JTA.) Des gesamten Jischuw hat sich infolge der von Ben Avi im „Doar Hayom“ gegen die Regierung erhobenen Beschuldigung, eine Fühlungnahme zwischen Juden und Arabern sabotiert zu haben, beispiellose Erregung bemächtigt, die auch in der hebräischen Presse aller Richtungen zum Ausdruck kommt. Das Organ der jüdischen Arbeiterschaft „Dawar“ zitiert den im „Doar Hayom“ wiedergegebenen Wortlaut des vom Chefsekretär der Palästina-Regierung, Young, an Dr. Weizmann gerichteten Briefes, in dem Weizmann aufgefordert wurde, seinen Plan einer Reise nach Transjordanien aufzugeben, und erklärt, die Regierung müsse nunmehr den „Doar Hayom“ gerichtlich belangen und die Unrichtigkeit seiner Information nachweisen, sonst werde sie in der ganzen Welt wegen ihres leeren Geredes von einer Round Table-Konferenz, während sie gleichzeitig die Basis für eine Verständigung zerstört habe, mit Recht der Heuchelei geziehen werden. Aus der jüdischen Welt Neue Friedhofschändung — Insgesamt 119 Berlin, 23. April. (JTA.) Das „Isr. Familienblatt“ schreibt: „Die Friedhofsschänder haben scheinbar eine neue Methode erfunden. Schon zum zweitenmal wird von einem Inbrandstecken eines jüdischen Friedhofs berichtet, und zwar handelt es sich diesmal um den Friedhof in Freistett bei Kehl. Dort wurde, ebenso wie erst vor 8 Tagen in Ziegenhain bei Kassel, die tannene Umzäunung des Israelitischen Gemeindefriedhofs in Brand gesteckt. Von der 100 Meter betragenden Front des Zaunes wurden so 40 Meter vollkommen zerstört. 1 h l