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Das jüdische Echo · 1931-05-01 · 18 (1.5.1931) · p. Seite 271

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
18 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 271 ihr Bedauern darüber ausgedrückt, daß die Delegierten der anderen Länder kein klares Bild über den Antisemitismus in ihrer Heimat und an ihren Universitäten gegeben haben. Der 5- Tag der internationalen Studentenkonfercnz über Antisemitismus war der Fortsetzung der Länderberichte und der Besprechung der Lage der jüdischen Studenten an den Universitäten verschiedener Länder gewidmet. Die Richtlinien — Einsetzung eines Ausschusses aus drei Juden und drei Nichtjuden zur Behandlung der Judenfrage innerhalb des Weltstudentenwerks Die Studentenkonferenz ist am 18. April, abends, zu Ende gegangen. Allgemein geht die Ansicht der Teilnehmer dahin, daß die Konferenz der ihr vorgezeichneten Aufgabe, nichtjüdischen und jüdischen Studentenvertretern Gelegenheit zu einer gegenseitigen Aussprache und Anknüpfung von Beziehungen zu geben, im allgemeinen gerecht geworden ist. Im Sinne dieser begrenzten Aufgabe wurden formelle Beschlüsse und Resolutionen nicht angenommen. Die Leitung der Konferenz hat den Teilnehmern lediglich einige Richtlinien unterbreitet, die das Gemeinsame, das sich aus den Diskussionen ergab, präzisieren. Diese Richtlinien wurden in einem Resümee zusammengefaßt und von der Konferenz angenommen. Sie lauten: Die Konferenz stellt fest: Es bestehen heute an einer Anzahl von Hochschulen starke Spannungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Studenten. Eine oberflächliche Betrachtung lediglich ihrer äußeren Erscheinungsformen ohne ernsthafte Berücksichtigung der zugrundeliegenden tiefen Ursachen wird den Tatsachen nicht gerecht Die für jeden Lösungsversuch notwendige klare Erkenntnis kann in jedem Lande nur auf dem Wege offener Erörterung in akademischen Formen gewonnen werden. Auf beiden. Seiten sind Gewalt und beleidigende Herabsetzung des Gegners als Mittel der Auseinandersetzung unbedingt abzuleimen. Die Konferenz beauftragte das Sekretariat des Weltstudentenwerks, einen Bericht über den Konferenzverlauf in deutscher, englischer und französischer Sprache in der ihm passend erscheinenden Form zu veröffentlichen. Die Konferenz drückte ferner den Wunsch aus, daß Herr Parkes, der Leiter des Kulturdepartements des Weltstudentenwerks und Verfasser des Buches ,.Der Jude und sein Nachbar“, ein zweites Buch abfassen möge, in welchem die aktuellen Probleme des jüdischen Studenten und besonders des studentischen Antisemitismus genauer umrissen sein sollen. Die Konferenz drückte den Wunsch aus, daß das Weltstudentenwerk in etwa zwei oder drei Jahren die Einberufung einer dritten Konferenz in Betracht ziehen möge, die die vor zwei Jahren in Bierville eingeleitete und jetzt in Nyon fortgesetzte Arbeit weiterführen soll. Das von Parkes zu veröffentlichende neue Buch soll das Studentenwerk Materialien über die Lage der jüdischen Studentenschaft an den Universitäten sammeln und die Wirkungen der Konferenz von Nyon auf die Lage der einzelnen Länder beobachten. Die Konferenz erwartet, daß in den einzelnen Ländern selbst die Aussprache zwischen den jüdischen und den nichtjüdischen Stijdenten fortgesetzt werden wird. Die Konferenz setzte einen Ausschuß, bestehend aus drei Juden und drei Nichtjuden ein, dessen Aufgabe es sein soll, mit dem Sekretariat des Weltstudentenwerkes in allen die Judenfrage berührenden Angelegenheiten zusammenzuarbeiten. Dem Ausschuß gehören von jüdischer Seite Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt, A. Teich und ein noch nicht nominierter, der assimilatorischen Richtung angehörender ungarisch-jüdischer Student an. Die nichtjüdische Vertretung wird sich aus einem Deutschen, einem Polen und einem Rumänen zusammensetzen. Die Konferenzleitung erkannte an, daß ungeachtet der zutage getretenen scharfen weltanschaulichen Gegensätze die gesamte Konferenz in einem Geiste der Verständigungsbereitschaft geführt worden ist. Die nichtjüdischen Studentenvertreter haben die Bezeichnung „Antisemit“ von sich gewiesen und erklärt, ihr Kampf sein ein geistiger und habe \ den Zweck, ihre völkische Kultur rein zu erhalten, er habe mit Radauantisemitismus, den sie verurteilen, nichts zu tun. Hermann Badt über die Nyoner Konferenz Berlin, 26. April. (JTA.) Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt, der auf der Konferenz in Nyon ein bedeutsames Referat gehalten hat, gibt in der „Jüdischen Rundschau“ seine persönlichen Eindrücke wieder. Er gibt ein Resüme der Argumente der „völkischen“ Gruppe, der Vertreter des nichtzionistischen Auffassung und stellt fest, daß bei der „nichtjüdischen völkischen“ Gruppe keine einheitliche Auffassung des „völkischen“ Gedankens geherrscht hat. Einzelne machten aus der Ablehnung gewisser Gedankengänge, die ihr Referent, Dr. Wilhelm Stapel, der Herausgeber der Zeitschrift „Deutsches Volkstum“, vorgetragen hatte, kein Hehl. Sehr viel ehrliches Ringen war bei ihnen festzustellen, aber oft auch eine überraschende Unkenntnis der Tatsachen, so daß Fehldiagnosen unvermeidlich waren. Erfreulich war, in welchem Grade während des Fortschreitens der Konferenz die Aussprache außerhalb des Sitzungssaales zur Klärung beitrug. Oft saß man bis nach Mitternacht zusammen, und wenn man auseinander ging, dann sah das Bild des bisherigen „Feindes“ doch merkwürdig anders aus. Und in fortschreitendem Maße kamen wohl alle zu der gleichen Überzeugung: Gegenseitiges Kennenlernen und offene Aussprache zwischen Juden und Nichtjuden in allen Ländern ist die erste Voraussetzung eines jeden Lösungsversuches. Dr. Hermann Badt gibt zum Schluß eine „schüchterne Anmerkung“: „Daß dieses gegenseitige Sichkennenlernen, diese offene Aussprache zwischen Nichtjuden und Juden notwendig ist, das wird allmählich immer mehr zur communis opinio. Aber wie steht es denn damit bei uns Juden selbst? Sollte nicht vielleicht auch hier — und vor allem bei der Auseinandersetzung zwischen nichtzionistischem und zionistischem Judentum — dieser Weg endlich beschritten werden können? Wo bleibt die immer wieder geforderte permanente Tribüne für eine solche Aussprache? Da sie immer noch fehlt, fürchte ich fast, wir werden eher zur Verständigung mit unseren christlichen als mit unseren jüdischen Gegnern kommen. Und nicht zuletzt darin sehe ich das tragische Moment der gegenwärtigen Situation des deutschen Judentums.“

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