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Das jüdische Echo · 1931-05-01 · 18 (1.5.1931) · p. Seite 270

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
18 (1.5.1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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270 Das Jüdische Echo Nr. 18 des deutschen Kulturlebens einzudringen, was eine natürliche Reaktion beim deutschen Volke, das die Reinheit seines Volkstums erhalten will, hervorgerufen hat. Obwohl Schmadel den Antisemitismus für begründet hält, spricht er sich doch gegen jeden gewalttätigen Antisemitismus aus und verurteilt die Überfälle auf die jüdischen Studenten. Der Kampf der deutschen Studenten gegen die Juden sei ein geistiger Kampf, der mit geistigen Waffen geführt werden müsse. Auf die Frage, warum deutsche Studenten ihren jüdischen Komilitonen ritterliche Genugtuung verweigern, antwortete Schmadel, dies dürfe von den jüdischen Studenten nicht als Beleidigung und Diffamierung aufgefaßt werden, da der Zweikampf eine rein deutsche Sitte und nur zwischen deutschen Studenten berechtigt sei. Die ungarischen nichtjüdischen Studenten sind auf der Konferenz nicht vertreten. Die Verhältnisse an den ungarischen Universitäten wurden von einem jüdischen Studenten assimilatorischer Richtung dargestellt, der bemüht war, nachzuweisen, daß es an den ungarischen Hochschulen überhaupt keinen Antisemitismus gäbe. Am dritten Tage der Studentenkonferenz in Nyon hielt der deutschvölkische Redakteur der Zeitschrift „Das deutsche Volkstum“, Dr. Stapel, ein zweistündiges Referat über das Thema „Die Stellung der Juden in der Politik“. Ausführliche Korreferate hielten das Vorstandsmitglied des Zentralvereins, Dr. Friedrich Brodnitz und der Zionist Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt. Der Hauptreferent Dr. Stapel begann seinen Vortrag mit einer Skizzierung seiner staatsrechtlichen und politischen Konzeption. Er lehnt die Auffassung des Liberalismus und das Gleichheitsprinzip als Grundlage einer richtigen Staatstheorie ab. Im Staat erblickt Stapel nicht eine Institution, deren Aufgabe es ist, die Wohlfahrt des Volkes zu fördern, sondern er findet seinen tiefen Sinn in einem metaphysischen Ruhmesbegriff. Politik sei für ihn nicht identisch mit Wirtschaft, wie es der Auffassung des Sozialismus und des „Juden Rathenau“ entspreche. Zum eigentlichen Thema übergehend, erklärte Stapel, er wolle die Frage der Stellung der Juden in der Politik nicht von einem moralischen, historischen oder psychologischen Standpunkt aus, sondern auf Grund biologischer Betrachtung behandeln. Jedes Volk, behauptete der Redner, habe ein bestimmtes Plasma. Die plasmatische Kapazität sei bei den einzelnen Völkern verschieden. Es gebe Völker mit differenziertem und weniger differenziertem Plasma. So habe das deutsche Volk im Gegensatz zum jüdischen ein wenig differenziertes Plasma. Das Zusammenleben von plasmatisch gering differenzierten Völkern mit solchen von hoher plasmatischer Differenzierung sei aber sehr schwer. Daraus erkläre es sich, daß der etwa in Frankreich, wo auch die nichtjüdische Bevölkerung eine starke plasmatische Defferenzierung aufweist. Auf überpolitischem Gebiet seien die Juden überall die treuesten Anhänger des Liberalismus und Förderer des Sozialismus. Sie bekämpfen den Neokonservatismus und Nationalismus. Den Juden fehle die naive Beziehung zum Staat. Der Redner bespricht sodann der Reihe nach die jüdischen Parteien Deutschlands. Bezüglich der Neumann-Gruppe, die eine Verbindung mit dem Gesamtjudentum überhaupt leugne, erklärt er, es sei eine Unverschämtheit, von anderen die Aufgabe ihres Volkstums zu verlangen. Den Anhängern des Zentralvereins, die er als Bindestrich-Deutsche bezeichnet, hält er entgegen, daß die Juden keine Religionsgemeinschaft, sondern ein Volkstum darstellen, von den Zionisten erklärt er, daß sie selbst zugeben, die Juden lebten in der Galuth. Infolge ihrer Neigung zum Sozialismus seien alle Jude*n antideutsch. Der Pazifismus sei nur für die Besitzenden vorteilhaft, Deutschland sei aber heute besitzlos. Einen weiteren Übelstand erblickt Dr. Stapel darin, daß die Juden Verbindungen in allen Ländern haben, was zu politischen Intrigen ausgenützt werden könne. Dr. Friedrich Brodnitz verteidigte in längerer Rede den Standpunkt jenes Teils der jüdischen Bevölkerung Deutschlands. Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt erklärt, die biologische Methode sei die ungeeignetste für eine objektive wissenschaftliche Analyse. Wie könne festgestellt werden, ob das Plasma bei einem Volk stärker oder weniger stark differenziert ist. Warum sollte man annehmen, daß die Deutschen plasmatisch weniger differenziert seien als Franzosen oder Engländer? Viel richtiger sei die Anwendung der historischen Methode. Der Redner wendet sich gegen die Behauptung, daß ein bewußter Jude kein vollwertiger und treuer Bürger des deutschen Staates sein könne. Er selbst bekenne sich seit 25 Jahren zum Zionismus und während seiner ganzen Laufbahn als preußischer Staatsbeamter habe er niemals einen Konflikt zwischen seinen Pflichten als deutscher Staatsbürger und als Jude empfunden. In diesem Zusammenhang erwähnte Dr. Badt auch Lord Reading, Lord Melchett und Herbert Samuel, die als Juden auf die höchsten englischen Staatsposten berufen waren. Sodann gab Dr. Badt eine ausführliche Darstellung des Zionismus, seiner Ideologie und seiner Leistungen. Er wies auf den in Palästina geschaffenen neuen jüdischen Typus hin, der die beste Widerlegung der Theorie von der „plasmatischen Differenziertheit“ des jüdischen Volkes darstelle. Die Ausführungen Dr. Badts machten auf die Versammlung einen tiefen Eindruck. Der Vorsitzende sah sich veranlaßt festzustellen, daß auch die „Feinde“ den Worten des Redners Beifall gezollt haben. Auf der Tagesordnung der vierten Sitzung stand die Beratung der Stellung der Juden im kulturellen Leben. Das Referat über dieses Thema hielt Dr. Nahum Goldmann. In der Diskussion polemisierten die Herren Dr. Brodnitz und Lenhoff gegen die Ausführungen Dr. Goldmanns. Die assimilatorisch eingestellten Vertreter aus Ungarn und der Tschechoslowakei wandten sich scharf gegen Dr. Goldmanns Darlegung und betonten, daß sie sich als Ungarn, bzw. als Tschechen fühlen. Schließlich ergriff ein Vertreter der deutschen sozialistischen Studenten das Wort. Er erklärte, innerhalb der deutschen Studentenschaft gäbe es breite Schichten, die nicht antisemitisch eingestellt sind und nicht völkisch empfinden. Dem Zionismus, erklärte der Redner, stehe er sympathisch gegenüber. Auch gegen die Assimilanten habe er nichts einzuwenden, nur sei bei ihnen häufig ein krankhafter Übernationalismus festzustellen. Im Hinblick darauf, daß in den bisherigen Verhandlungen dem Antisemitismus in Deutschland die größte Aufmerksamkeit geschenkt wurde, haben die Vertreter der deutschen Studentenschaft

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