Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 17 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- Seite 259 (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 17 259 Das Jüdische Echo den aschkenasischen Oberrabbiner Kook, den sephardischen Oberrabbiner Jacob Meir und das Oberhaupt der palästinensischen Agudah Rabbi Sonnenfeld. Rabbi Sonnenfeld gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Besuch des Erzbischofs im Heiligen Lande zur Förderung des Friedens in der Welt beitragen werde. Oberrabbiner Jacob Meir stattete dem Erzbischof von Canterbury einen Gegenbesuch ab. Ein Gegenbesuch des Oberrabbiners Kook mußte infolge der Trauer anläßlich des Todes seiner Mutter unterbleiben. Dem Großmufti von Jerusalem hat der Erzbischof von Canterbury persönlich einen Besuch in der Omar-Moschee abgestattet. Vor der Ankunft des Erzbischofs hatte die Palästinaregierung in einem offiziellen Kommuniquee mitgeteilt, daß dessen Besuch rein informativer Natur sei. Der Lehrerstreik in Palästina beendet Jerusalem, 20. April. (JTA.) Nach einwöchiger Dauer wurde der palästinensische Lehrerstreik beendet. Die Lehrerschaft hat auf Grund eines Versprechens des Waad Leumi, die Forderungen der Lehrer in dem ihm gerecht erscheinenden Ausmaße vor der Jewish Agency zu vertreten, der Übernahme der Vermittlung zwischen Jewish Agency und Lehrerschaft durch den Waad Leumi zugestimmt. Alle von der Jewish Agency erhaltenen Schulen in Palästina wurden am Sonntag, dem 19. April wieder eröffnet. Über die Entstehung des Streiks informiert folgende Meldung des Jewish Agency Bulletins: Die Schulen der Jewish Agency, die am 12. April nach den Pesach-Feiertagen wieder eröffnet werden sollten, wurden von den Lehrern nicht eröffnet. Über die Gründe zu diesem Lehrerstreik unterrichtet eine Erklärung der Exekutive der Jewish Agency, die am 12. April in der Sitzung des Waad Leumi abgegeben wurde, ln dieser Erklärung bezieht sich die Exekutive auf die Beschlüße des Zionistischen Aktions-Comitees über die Durchführung umfangreicher Ersparnismaßnahmen im allgemeinen und speziell über die Herabsetzung der Gehälter aller Angestellten-Kategorien. Im Sinne dieser Beschlüsse und der Vorschläge der Ersparniskommision nahm die Exekutive Beschlüsse über einen progreßiven, die hohen Gehälter am stärksten treffenden Gehälterabbau an. Die Lehrer. lehnten jede Kürzung ihrer Gehälter mit der Begründung ab, daß die Beamten gehaltmäßig besser gestellt seien alssie und daß sie bereits 1924 freiwillig auf 10—13 Prozent ihres Gehaltes verzichtet hätten. Die Exekutive erklärte sich daraufhin bereit, die Lehrergehälter in der für die Lehrer wichtigsten Gehaltsklasse um 2,5 Prozent weniger zu kürzen und bei der in Vorbereitung begriffenen neuen allgemeinen Gehälter^ Skala, die Frage des Ausgleichs der Lehrer- und Beamtengehälter ernst zu prüfen. Die Lehrer lehnten diese Vorschläge ab und drohten mit dem Streik. Die Interventionen des Waad Iachinuch, der Vorsitzenden des Waad Hachinuch, Frau Persitz, und der Exekutive des Waad Leumi, die sämtlich unter der Bedingung, daß kein Streik stattfinde, ihre Vermittlung anboten, blieben ergebnislos. Ein Vorschlag der Lehrer, sie würden die Schulen öffnen, wenn sich die Agency einem Schiedsgericht zu unterwerfen verpflichte, mußte von dieser abgelehnt werden, da es sich um eine administrative, ihr überdies vom A.C. besonders übertragene Angelegenheit handelt. Nach Abgabe dieser Erklärung und einer längeren Diskussion erklärte sich der Waad Leumi in Bestätigung des Beschlusses seiner Executive zur Vermittlung unter der Voraussetzung bereit, daß die Schulen sofort geöffnet würden. Die Jewish Agency ist nach Wiedereröffnung der Schulen ebenfalls zur Wiederaufnahme der Verhandlungen bereit. Der Merkas Hamorim wird in einer auf den 14. April einberufenen Sitzung über den Abbruch des Streiks beraten. (JAB) Palästinensische Revisionisten für Austritt aus der Zionistischen Organisation Dr. von Weisl wendet sich in einem heftigen Artikel im „H a a m“ vom 9. April gegen die revisionistische Z entrale in London und gegen die deutschen Revisionisten, die sich gegen die Taktik der palästinensischen Revisionisten ausgesprochen haben und auf den Widerspruch dieser Taktik zu den Beschlüssen der revisionistischen Weltkonferenzen hingewiesen hatten. Weisl erklärt, daß die kommende revisionistische Weltkonferenz ebenso mit dem offiziellen Zionismus wie mit den Opportunisten im revisionistischen Lager Schluß machen werde. Die Zionistische Organisation bestehe nicht mehr, es gäbe nur noch einen Beamtenapparat und Almosensammlungen. Deshalb müßten die Revisionisten aus der Organisation austreten und rücksichtslos ihre eigene Politik führen. (JAB) Feuilleton Zur Geschichte der Münchener Juden Die Entwicklung der Münchener jüdischen Bevölkerung in den Jahren 1875—1905 wurde von Jakob Segall in einer 1910 erschienenen vorbildlichen Monographie eingehend untersucht; bis zu diesem Zeitpunkt waren die Schicksale der Münchener Judenschaft in der Neuzeit im wesentlichen noch nicht erforscht. Prof. Arthur Cohen von der Technischen Hochschule München hat es nun unternommen, in einer in der Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland veröffentlichten bevölkerungs- und wirtschaftspolitischen Studie „Die Münchener Judenschaft 1750—1861“ den Tatsachen nachzugehen — einige seiner interessanten Ergebnisse seien hier wiedergegeben. Die Geschichte der Münchener Juden beginnt —nachdem eine ältere "Judengemeinde am 12. Oktober 1285 ein schauriges Ende gefunden hatte und nachdem die Juden 1450 überhaupt aus München und Bayern vertrieben worden waren — wieder im Jahre 1750, in welchem sich 20 Juden in München befanden. Im Jahre 1798 war diese Zahl auf 220 angewachsen. Das Recht zum Aufenthalt konnte auf zweierlei Weise erworben werden: durch einen Schutzbrief oder durch polizeiliche Erlaubnis gegen einen Leibzoll für vorübergehenden Aufenthalt. Die jüdische Bevölkerung in München trug den Typus einer reinen Einwanderungsbevölkerung, sie zählte im Anfang nur wenig Frauen und Kinder, fast alle waren anderwärts geboren, die meisten kamen aus Kriegshaber bei Augsburg. Ein Ghetto bestand nicht; die Juden pflegten aber bestimmte Absteigequartiere vorzuziehen, die meist in der Gegend