Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 17 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- Seite 257 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103087-9176170--11668-9083739- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 17 Das Jüdische Echo 257 Ortsgruppen des Jüdischen Frauenbundes Wilmersdorf, Grunewald und Dahlem gelungen, ein neues Heim in Fangschleuse bei Erkner einzurichten, das am 1. Mai 1931 eröffnet werden wird. Das Haus bleibt das ganze Jahr geöffnet und hat freundliche zwei bis dreibettige und vier einbettige Zimmer. Es liegt direkt am Werlsee, fünf Minuten vom Walde entfernt und hat eine Liegewiese und großen Garten. Die Verpflegung ist streng rituell. Meldungen sind zu richten an die Geschäftsstelle des Verbandes Berlin des Jüdischen Frauenbundes, Berlin-Grunewald, Königsallee 11a. Professor Hermann Dessau gestorben Berlin, 15. April. (JTA.) In Berlin verstarb im Alter von 75 Jahren der Professor für alte Geschichte an der Berliner Universität Hermann Dessau. Professor Hermann Dessau, einer der Mitbegründer der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und Vorsitzender des Forschungsinstituts der Akademie war ein Historiker von hohem Rang. Er arbeitete an Mommsens „Corpus Inscriptionem Latinarum“ mit und gab in der Inschriftensammlung der Berliner Akademie der Wissenschaften die „Inscriptiones Latinae selectae“ heraus. Von seinen Werken ist ferner eine „Prosopographia imperii Romani“ zu erwähnen. Zuletzt arbeitete er an der Herausgabe einer umfassenden Geschichte der römischen Kaiserzeit. Im Jahre 1917 wurde ihm das juristische Ehrendoktorat der Universität Erlangen verliehen. Der Anteil der Juden an der deutschen Reichswehr Berlin, 16. April. (JTA.) In der „C.V.-Ztg.“ vom 17. April veröffentlicht Dr. Leo Löwenstein unter dem Titel „Deutschlands Wehrkraft“, einen Artikel, in dem er sich u. a. mit dem Anteil der Juden an der deutschen Reichswehr befaßt. In dem Artikel wird ausgeführt: Man staunt darüber, daß sich in unserer Reichswehr nur ganze acht jüdische Soldaten befinden, obschon unserem Anteil an der deutschen Bevölkerung 34 Offiziere und 864 Mann entsprechen würden. Goebbels wegen Beleidigung des Polizeipräsidenten Dr. Weiß zu 1500 RM. Geldstrafe verurteilt Berlin, 15. April. (JTA.) Am Dienstag, dem 14. April hatte sich der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Goebbels vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte gegen eine Anklage wegen Aufreizung zum Ungehorsam und wegen Beleidigung des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß zu verantworten. In der Verhandlung wegen Aufreizung zum Ungehorsam wurde Goebbels zu 200 RM. Geldstrafe verurteilt. In dem gleich danach verhandelten Beleidigungsprozeß, den der Polizeivizepräsident Dr. Weiß ■ gegen Dr. Goebbels angestrengt hatte, wurde Goebbels zu 1500 RM. Geldstrafe verurteilt. Berlin, 19. April. (JTA.) Dr. Goebbels hatte sich am 17. April wieder wegen Beleidigung des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg zu verantworten. Gleichzeitig wurde gegen ihn wegen Aufreizung zum Klassenhaß verhandelt. Goebbels hatte im „Angriff“ vom 25. Juni 1928, in dem er antisemitische Angriffe gegen Dr. Weiß gerichtet hatte, auch ein Gedicht veröffentlicht, in dem die Bevölkerung gegen die Juden aufgereizt wird. Das Gericht verurteilte Goebbels wegen Beleidigung des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 RM., für die im Nichtbetreibungsfalle für je 50 RM. ein Tag Gefängnis tritt und wegen Aufreizung zum Klassenhaß laut § 130 des Strafgesetzbuches zu 500 RM. Geldstrafe. Nationalsozialistische Friedhofschänder verurteilt Breslau, 15. April. (JTA.) Vor dem Schöffengericht in Gels wurde am 15. April gegen drei Nationalsozialisten, von denen zwei der Angeklagten, A. Weiß und Schreiber vor Gericht in Hitler- Uniform erschienen waren, wegen Schändung des jüdischen Friedhofs in Trebnitz verhandelt. Es wurde den Angeklagten zur Last gelegt, daß sie die Grabsteine des Friedhofs mit roter Farbe beschmiert und zum Teil niedergeworfen hatten, außerdem hatten sie die Leichenhalle erbrochen und verunreinigt. Zwei der Angeklagten wurden zu drei bzw. zwei Monaten Gefängnis verurteilt, der dritte mußte mangels Beweises freigesprochen werden. Die Weltkonferenz des Brith Trumpeldor in Danzig Danzig, 16. April. (JTA.) Vom Montag, dem 13. bis Mittwoch, dem 15. April, fand in Danzig die Weltkonferenz des Brith Trumpeldor statt. In das Präsidium wurden gewählt Koppel (Österreich), Adiri (Palästina), Katz (Litauen), Gold ‘Polen), Gläser (Danzig) und Vertreter aus Lemberg und Lettland. Das Mitglied der Executive Hoffmann erstattete den Bericht über die Tätigkeit und die Entwicklung des Weltverbandes. Delegierter Lubarski erstattete ein Referat über die Zukunftsaufgaben des Brith Trumpeldor, in dem er die Organisation als eine Verbindung von Schule und Armee bezeichnete, deren Ziel es sei, verantwortungsbewußte Bürger des Judenstaates heranzuziehen, die jederzeit zur Verteidigung ihres Landes bereit sind. Jabotinsky wurde zum obersten Führer wiedergewählt. Der Verband demokratischer Zionisten Österreichs schließt sich dem Revisionismus an Wien, 15. April. (JTA.) Nachdem sich die Führerschaft des Verbandes demokratischer Zionisten Österreichs bereits im Februar für den Anschluß an die Revisionistische Weltunion ausgesprochen hatte, wurde dieser Anschluß nunmehr durch einen mit überwiegender Mehrheit gefaßten Beschluß der Plenarversammlung des unter der Führung des Oberbaurates Ing. Robert Stricker stehenden Verbandes vollzogen. Der Beschluß wurde der Londoner revisionistischen Executive zur Kenntnis gebracht. Bekanntlich gehörte der Verband Jahre hindurch dem Weltverband radikaler Zionisten an, von dem er sich nach der A.C.-Sitzung im August 1930 im Zusammenhang mit der Rede Weizmanns über den Judenstaat loslöste. Oberbaurat Stricker begibt sich demnächst auf eine Tournee durch die baltischen Länder, Polnisch-Schlesien und wahrscheinlich auch Jugoslavien, um in den jüdischen Zentren dieser Länder Propagandavorträge über den Revisionismus zu halten. Das Attentat in der Budapester Hauptsynagoge Polizeiliche Erhebungen Budapest, 14. April. (JTA.) Der jüdische Restaurateur Abraham Knoll hat der Polizei angezeigj, daß ihm 6 Tage vor dem Attentat im Haupttempel der Journalist Joseph Palich mitgeteilt habe, eine Gesellschaft, die im Lande einen politischen Umsturz herbeiführen wolle, habe in einer Beratung am 22. März beschlossen, in einem