Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 17 (24.4.1931)
- Date
- 1931-04-24
- Page
- Seite 255 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103087-9176170--11666-9083737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 17 Das Jüdische Echo 255 einviertel Millionen Schweizer Franken hinterlassen, dessen Erträgnis zur Förderung von Jeschwot in Osteuropa unter eventueller Berücksichtigung der handwerklichen Ausbildung der Zöglinge bestimmt ist. Der Hebräischen Universität in Jerusalem wurden zur Einführung eines deutschen Sprachkursus und dem Misrachi-Lehrerinnenseminar für obligatorischen deutscheu Sprachunterricht Mittel beigesteuert. Schließlich wurden rund 30 000 RM. dem Fürsorgewerk für die Ukraine-Waisen, die seit 1922 unter der Obhut des Hilfsvereins stehen, und für notleidende jüdische Studierende aus dem Ausland, die deutsche Anstalten besuchen, zugeführt. Die Ausführungen des Redners machten auf die Versammelten einen starken Eindruck. Er unterstrich den überparteilichen Charakter der Organisation, durch den sie erklärt, daß die Sympathien für den Hilfsverein in den weitesten Kreisen der deutschen Judenheit dauernd wachsen. Dr. Sigmund Wassermann erstattete in Vertretung von Herrn Joachimsohn den Finanzbericht. Nachdem Rechtsanwalt Heinrich Stern den Dank und die Bewunderung der Versammlung für das erfolgreiche Wirken der Leitung des Hilfsvereins und seines Generalsekretärs zum Ausdruck gebracht und Geheimrat Goldfeld-Breslau namens der Mitglieder aus der Provinz dem Vorsitzenden des Hilfsvereins, Dr. James Simon, besonders gedankt und die Pflicht aller Mitglieder zu verstärkter Arbeit betont hatte, wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. Es folgten Ansprachen von Dr. Bernhard Kahn über die Geschichte des Hilfsvereins, Bankier Max M. Warburg über die geplante Simon-Stiftung und Justizrat Blau, der im Namen des Hilfskomitees für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt und der Jewish Colonisation Association in Paris sprach. Makkabiah 1932 Der Sinn der Makkabiah Die Makkabivereine in der ganzen Welt beginnen mit den Vorbereitungen für die Makkabiah. Eine kühne, seltsame Idee. Außergwöhnlich wie die Geschichte und die Situation des jüdischen Volkes ist auch dieser Gedanke. Von den Enden der Welt soll die Jugend des tausendjährigen Volkes im Lande der Urväter Zusammentreffen, um im frohen Wettkampf Zeugnis abzulegen für die Zusammengehörigkeit eines Volkes, das Jahrtausende blutiger Unterdrückung und Zerstreuung in alle Länder der Welt nicht haben verschwinden lassen. Zweitausend Jahre ist es her, daß Rom in die Geschichte des jüdischen Volkes eingriff, zweihundert Jahre währte das blutige Ringen des kleinen tapferen Volkes mit dem übermächtigen gewalttätigen Rom und endete mit der völligen Vernichtung der Nation. Am Tisch’abeaw des Jahres 5692 wird es genau 1800 Jahre her sein, daß der Führer des letzten Aufstandes gegen die Römer, Bar Kochba, und mit ihm die ietzte Festung, Bettiar, fiel. Damals feierte Rom den abschließenden Sieg eines zweihundertjährigen Kampfes. Das jüdische Volk, aus seinem eigenen Lande vertrieben und dezimiert, war dem sicheren Untergänge geweiht. Doch die Geschichte entschied anders. Der geistige Nationalismus des jüdischen Volkes war durch rohe Gewalt nicht zu besiegen. Die spärlichen Reste des jüdischen Volkes in dem Diasporah ersetzten die .staatliche Gemeinschaft durch eine geistige und sorgten so für den Fortbestand des Volkes. Heute nach 1800 Jahren erleben wir eine seltsame Wiedergeburt des Volkes und seines Landes. Das kleine unterjochte Volk der Juden ist auf dem Wege, sich wieder ein normales Leben auf eigenem Boden zu erkämpfen. Spätes Urteil der Geschichte. Der Glanz des alten Rom ist lange dahin. Babylon, Ägypten, die einst so mächtigen Reiche, auch sie haben ihren Glanz lange verloren. Nur das von Land zu Land vertriebene und gehetzte Volk der Juden besteht noch und mit ihm seine alte Kultur. Noch ist die Kette der Generationen, die Verbundenheit der Tradition nicht zerissen, ja sogar der einheitliche nationale Wille nicht erloschen. Das jüdische Volk lebt und baut an einem neuen Fundament für seine Zukunft. Aus allen Ländern kommen die Pioniere, ihr altes Lied wieder aufzubauen. Aus allen Ländern soll nun auch die übrige jüdische Jugend zu einem Fest kommen, das Zeugnis ablegen wird von dem ungebrochenen Lebenswillen des jüdischen Volkes. Eine seltsame Wallfahrt. Es gibt kein Beispiel und kein Vorbild für dieses Beginnen, ein Fest, das sich in keine Norm bringen läßt. Die Jugend kommt zu frohen Spielen und frischen Wiettkämpfen. Turnen, Sport und Spiel ist der äußere Rahmen unseres Festes. Die jüdische Jugend wird miteinander um den Sieg ringen, und Meisterschaften werden verliehen werden. Auch hier eine seltsame Ironie der Geschichte. Einst traten die Makkabäer aus nationalem Interesse dem griechischen Sport als Assimilationserscheinung in den Gymnasien entgegen, heute kommt die jüdische Jugend aus allen Ländern der Welt unter dem Namen derselben Makkabäer zusammen zu einem großem Sportfest, dessen Sinn gerade in dem nationalen Willen der Teilnehmer liegt. Es ist ein Fest des Makkabi-Weltverbandes. Seine Aufgabe und sein Ziel tritt hier offen zu Tage. Wo kann man die nationale Verbundenheit des jüdischen Volkes besser erleben als auf dem historischen Boden Palästinas, als auf einem Fest, zu dem die jüdische Jugend aus allen Ländern der Erde zusammenkommt. Das Gelingen der Makkabiah bedeutet nach außen eine kraftvolle Demonstration der jüdischen Jugend für den Aufbau Erez-Israels, ein Beweis für die tief wurzelnde Kraft des zionistischen Gedankens und ist dadurch eine ernsthafte zionistische Aktion. Nach innen bedeutet die Makkabiah ein Erlebnis für tausende junger Juden. Sie lernen das Land der Väter kennen, sehen mit eigenen Augen, was in wenigen Jahren geschaffen wurde und welche Bedeutung der Aufbau des Landes für das ganze jüdische Volk hat. Ihr Empfinden wird außerordentlich angeregt werden, und wir werden viele hingebende Mitstreiter erwecken. Die erste Makkabiah ist ein einmaliges historisches Erlebnis. Ein Fest, das zeitlich eine Epoche überbriickt, die achtzehn Jahrhunderte tiefster nationaler Unterdrückung umfaßt, das anknüpft an die Zeit der nationalen Selbständigkeit des jüdischen Volkes, die ihr Ende fand in der fast beispiellosen heroischen Tragödie des nationalen Widerstandes. Ein Fest das aber auch gleichzeitig örtlich die Brücke bildet für die in alle Länder der Erde zerstreute Judenheit. Ort und Zeit, beide in ungeheurem Ausmaß zusammengerafft und komprimiert in den Rahmen eines Festes das ist der Sinn der Makkabiah. Wo kann es ein größeres Erlebnis geben? Wer von uns möchte da fehlen? N. K.