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Das jüdische Echo · 1931-04-24 · 17 (24.4.1931) · p. Seite 254

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
17 (24.4.1931)
Date
1931-04-24
Page
Seite 254 (sequence 6)
Language
German
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254 Nr. 17 Das Jüdische Echo der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß diese Maßnahmen geeignet sein werden, der jüdischen Darlehnskassenbewegung im ganzen Reich einen neuen Antrieb zu geben. Eine produktive Mittelstandsfürsorge in Form einer wirksamen Kredithilfe ist, so wird wenigstens aus allen zugänglichen Berichten ersichtlich, eine dringende Notwendigkeit. Deshalb ist es Aufgabe aller in Frage kommenden jüdischen Körperschaften, dafür zu sorgen, daß überall Darlehnskassen entstehen, und daß die größeren Gemeinden der Bezirke sich verantwortlich fühlen für die im Umkreis liegenden Klein- und Kleinstgemeinden und die Initiative ergreifen, um durch Bezirksdarlehnskassen diese Gemeinden mit Krediten zu versorgen. (Aus „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik“ März-Aprilheft, das. dem Gedächtnis Eugen Casparys gewidmet ist.) 30 Jahre Hilfsverein der deutschen Juden Eine James-Simon-Stiftung für das Schulwerk des Hilfsvereins Berlin, 20. April. (JTA.) Die diesjährige Generalversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden, die am Sonntag, dem 19. April, unter dem Vorsitz von Dr. James Simon im Hotel „Kaiserhof“ zu Berlin stattfand, trug als 30. Jahresversammlung des Vereins einen besonders festlichen Charakter. Unter den Anwesenden bemerkte man neben den zahlreich erschienenen Mitgliedern des Vereins aus Berlin, Breslau, Frankfurt am Main, Hamburg, Königsberg. Leipzig, Nürnberg, Potsdam, Swinemünde, Stettin, Wiesbaden und anderen Städten eine Reihe führender Persönlichkeiten des deutschen Judentums. Die Jewish Colonisation Association hatte ihren Generaldirektor Louis Oungre zur Versammlung entsandt. Das Auswärtige Amt war durch die Legationsräte Dr. Th. Böhme und Prof. Dr. M. Sobernheim vertreten. In den auf der Tagung gehaltenen Referaten wurde ein anschauliches Bild des 30jährigen Wirkens des Hilfsvereins entrollt, wobei bemerkenswerte Schlaglichter auf die politischen Verhältnisse und die Lage der jüdischen Bevölkerung in den osteuropäischen Ländern, insbesondere in Rußland, Polen, Litauen und Rumänien fielen. Die innige Zusammenarbeit des Hilfsvereins mit anderen großen jüdischen Organisationen, insbesondere mit der Jewish Colonisation Association, auf dem Gebiete der Auswandererhilfe kam vor allem in den Ansprachen Dr. James Simons und Dr. Mark Wischnitzers zum Ausdruck. Tiefen Eindruck auf die Versammlung machte die Mitteilung Max M. Warburgs, daß Freunde Dr. James Simons im Begriffe stehen, zu Ehren des verdienten Vorsitzenden des Hilfsvereins, der am 17. September 1931 seinen 80. Geburtstag feiert, einen James-Simon-Fonds für die Schulzwecke des Hilfsvereins zu schaffen, für den bereits 140 000 RM. gezeichnet sind. In seiner Eröffnungsansprache erklärte der Vorsitzende Dr. James Simon, daß sich die Lage der Juden, besonders in den östlichen Ländern, im Laufe der 30 Jahre des Bestehens des Hilfsvereins dauernd verschlechtert habe und eine Aussicht auf Besserung der Verhältnisse nicht bestehe. Schon im ersten Jahre seines Bestehens mußte der Hilfsverein angesichts geplanter Maßnahmen der "rumänischen Regierung, durch 'die die dortigen jüdischen Handwerker vom Verlust ihrer Existenz bedroht waren, intervenieren, wobei es gelang, Milderungen des Gesetzentwurfes durchzusetzen. Heute seien in Rumänien ähnliche Bestrebungen im Gange, es bestehe aber weniger Aussicht, sie wirksam bekämpfen zu können. Im Hinblick auf die jüdische Not im Osten gewinne die Arbeit des Hilfsvereins, dessen Organisation nach dem Kriege neu aufgebaut werden mußte, besondere Bedeutung. Die Anerkennung, die seinem Wirken in der Öffentlichkeit zuteil wurde, finde in der von keiner anderen jüdischen Organisation erreichten Zunahme an Mitgliedern ihren Ausdruck. Im Jahre 1930 allein wurden 44 neue Gruppen in Deutschland geschaffen. Dies berechtige zu der Hoffnung auf eine immer stärkere Anteilnahme des deutschen Judentums an der Arbeit des Vereins. Den im Jahre 1930 verstorbenen Mitarbeitern und Förderern des Hilfsvereins hielt Dr. Simon einen warm empfundenen Nachruf, der von der Versammlung stehend angehört wurde. Anläßlich der Besprechung der vom Hilfsverein in den einzelnen osteuropäischen Ländern geleisteten Arbeit brachte der Redner sein Bedauern darüber zum Ausdruck, daß die Regierung in Polen kein Verständnis für die Lage der jüdischen Bevölkerung aufbringt und bei keiner Gelegenheit eine Bereitschaft zur Hebung der physischen und moralischen Lage der Juden Polens bewiesen hat. Auch in Rumänien, wo die Juden als Staatsbürger nicht nur zweiter, sondern fünfter Klasse behandelt werden, sei bei den wechselnden Regierungen keine Neigung, der jüdischen Bevölkerung zu helfen, festzustellen gewesen. Generalsekretär Dr. Mark Wischnitzer erstattete den Tätigkeitsbericht für das Jahr 1930. Durch die von den überseeischen Immigrationsländern getroffenen Einwanderungsrestriktionen erwuchsen der Emigrantenfürsorge-Organisation besonders schwierige Aufgaben. Unter der Fürsorge des Hilfsvereins passierten im Jahre 1930 den Schlesischen Bahnhof in Berlin 22 886 Aus- und Rückwanderer, unter diesen 7363 Nichtjuden. Im Büro der Zentrale des Hilfsvereins fanden 1500 Personen Beratung und Hilfe. Durch die Zusammenarbeit mit HJCEM (Hiasjca-Emigairek) in Paris und seinen Zweigstellen in Europa und Übersee sowie anderen Organisationen war die Möglichkeit zur Durchführung kombinierter Aktionen gegeben. Für die Emigrantenhilfe wurden 140 000 RM. aufgewendet, wodurch jüdische Gemeinden und Wohlfahrtsämter in hohem Maße entlastet wurden. Die schweren Ausschreitungen gegen die Juden in Rumänien im Sommer 1930 veranlassten das Präsidium des Hilfsvereins, ein Protestschreiben an den damaligen Ministerpräsidenten Dr. Maniu zu richten. Die Zahl der Schüler in den vom Hilfsverein subventionierten Anstalten beträgt über 3000. Durch eine besondere Aktion wurden beträchtliche Mittel für den Neubau des vor eineinviertel Jahr niedergebrannten jüdischen Kinderhauses in Kowno aufgebracht. In Polen stellte der Hilfsverein 60 000 RM. für fünf Sommerferienkolonien, sowie Mittel für das Kindersanatorium in Miedzeszny das Kriegswaisenhaus in Bialystock und die Tachkemoni-Schule in Wilna bei. In den jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen in Rußland wurden 1930, bzw. Anfang 1931 zwei Ambulatorien erbaut. Der am 25. Oktober 1930 verschiedene, berühmte Bakteriologe Prof. Waldemar Haffkine hat dem Hilfsverein ein Kapital von rund ein-

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