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Das jüdische Echo · 1931-04-24 · 17 (24.4.1931) · p. Seite 252

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
18 (1931)
Issue
17 (24.4.1931)
Date
1931-04-24
Page
Seite 252 (sequence 4)
Language
German
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252 Das Jüdische Echo Nr. 17 trächtigste aller zum Wohle der Juden unternommenen Aktionen ansehen. Leider sind diese von der einzig den Bestand und die Erhaltung des Judentums garantierenden Erkenntnis getragenen jüdischen Kreise noch eine Minderheit im jüdischen Volke, das über seine Alltagsgeschäfte, Alltagssorgen und Alltagsvergnügungen hinaus, sich keine ernsten Gedanken über seine Zukunft zu machen pflegt. Jetzt aber ist die spezifische Not der Juden und die Gefährdung des Judentums durch die allgemeine Entwicklung in der Welt allgemein offenbar geworden. Man müßte nun meinen, daß Einsicht im jüdischen Volke Platz gegriffen hätte und daß die Juden nach dem Rettungsanker greifen werden, den ihnen die Idee der geschlossenen jüdischen Siedlung, die Idee des jüdischen Nationalheims in Palästina, bietet. Es ist leider nicht in dem Grade der Fall, den man als natürlich und wünschenswert erwarten dürfte. Lethargie, Gleichgültigkeit, Ablehnung und Widerstand sind die Äußerungen weiter jüdischer Schichten besonders in Deutschland auf den einzig konstruktiven großzügigen Plan jüdischen Aufbaus und jüdischer Wiedergeburt. Hat man da nicht recht mit der Fragestellung, ob auch die Lehrmeisterin Not versagt und mit dem Urteil, daß die Juden zur Sorte der unbelehrbaren Nationen gehören? m.w. Jüdische Darlehnskassen in Deutschland Jüdische Darlehnskassen gibt es in Deutschland seit vielen Jahrzehnten. Einzelne Gemeinden und auch freie Organisationen haben es sich auch schon in der Vorkriegszeit zur Aufgabe gemacht, geschwächten, wirtschaftlichen Existenzen zu helfen und wirtschaftliches Selbständigwerden zu ermöglichen. Daß es diese Institutionen nur sehr vereinzelt gab, und daß auch ihre Kapitalkraft keine sehr bedeutende zu sein brauchte, zeugt dafür, daß es dem deutschen Judentum in wirtschaftlicher Beziehung durchaus gut ging. Das Nachkriegsjahrzehnt hat hierin einen völligen Wandel geschaffen. Die wirtschaftlichen Umwälzungen und Krisenerscheinungen haben den jüdischen Mittelstand, das Massiv des jüdischen Wirtschaftens, aufs schwerste erschüttert. Konzentration der Wirtschaft und des Kapitals haben die Entwicklung des selbständigen Handels geschädigt und unterbunden und seine weitere Entwicklung in Frage gestellt. Der jüdische Mittelstand, ein anderer als vor dem Kriege, kapitalarm, existenzbedroht, konkurrenzumgeben, sucht nach Hilfsmöglichkeiten, die ihm die Fortführung seiner wirtschaftlichen Position, wenn auch in weit engerem Bezirk als früher, gestatten. In solcher Situation gewinnen nicht nur alle Kreditmöglichkeiten, die vorhanden sind, an Bedeutung, sondern sie werden vielfach zur Lebens- und Existenzfrage einzelner wirtschaftlictier Berufe und Gruppen überhaupt. Die Zusammenballung des Kapitals in riesenhaften Bankinstitutionen macht es dem um seine Existenz ringenden kleinen Kaufmann und Händler unmöglich, Kredite zur Fortführung seines Geschäftes zu erhalten. Deshalb kann in den letzten Jahren ständig steigernd festgestellt werden, daß die Notwendigkeit einer wirksamen jüdischen Wirtschafts- und Darlehnshilfe zu beobachten ist. Und zwar nicht nur für einzelne größere Gemeinden, sondern insbesondere für die mittleren und ganz besond'ers> für die verstreuten kleinen Gemeinden, die aus wiirtscüaftspolitischen und sonstigen Gründen nicht in der Lage sind, sich selbständig Kreditmöglichkeiten! zu eröffnen. Es gibt heute in den Gemeinden! die verschiedensten Formen und Möglichkeiten, die darauf abzielen, dem schwer bedrängten Mittelstand wirtschaftliche Hilfe zu bringen. Viele jüdische Gemeinden geben unmittelbar durch) ihre Wohlfahrtsämter, wo solche existieren, Darlehen an wirtschaftlich schwache Personen. Diese Darlehen werden aber zumeist gegeben, um eine unmittelbare Wohlfahrtsunterstützung zu. vermeiden, nicht aber deshalb, um eine dauernde und produktive Wirtschaftshilfe zu bringen- Die Höhe der Darlehen ist in den allermeisten Fällen viel zu gering, um durchgreifend wirken zu können. Der unmittelbare Zusammenhang mit der Wohlfahrtspflege ist auch diesen Darlehnsnehmern zumeist nicht besonders gut bekommen, wird auch von: Menschen, die auf die selbständige Fortführung ihrer wirtschaftlichen Existenz Wert legen, abg.elehnt. Deshalb sind in den letzten Jahren eine ganze Anzahl neuer jüdischer Darlehnskassen entstanden, die, wenn sie sich auch von wohlfahrtspflegerischen Aspekten nicht immer ganz frei machen können, dennoch Wert darauf legen, selbständig zu wirken und, in der Tendenz jedenfalls, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ihre Arbeit zu führen. Das Kapital dieser Darlehnskassen ist allerdings zumeist kein genügend ausreichendes, und auch die Bedingungen, unter denen Kapital gegeben wird* sind nicht in allen Fällen für die Darlehnsnehmer tragbar. Die erforderlichen Bürgschaften werden zwar aufgebracht, doch verengt sich der Kreis der Bürgschaft Leistenden immer mehr, da die Personen, die hierfür in Frage kommen, insbesondere in Kleingemeinden, nicht sehr zahlreich sind. Das schwierigste Problem aber, die Versorgung der kleinsten Gemeinden mit produktiven wirtschaftlichen Darlehen, kann durch die vorhandenen Darlehnskassen nicht erfüllt werden, da ihr Aktionsradius kaum in einem einzigen Fade über den Kreis der Mitglieder ihrer Gemeinde hinausgeht. In letzter Zeit ist die Entwicklung jüdischer Genossenschaftsbanken zu beobachten, vorerst in einigen jüdischen Großgemeinden. Sie basieren auf dem auf lange Sicht allein tragbaren Prinzip der Selbsthilfe der einzelnen Genossen durch Zusammenfassung ihrer Kapitalkraft Sie erfassen den einzelnen Genossen nicht nur im Augenblick, wenn er darlehnsbedürftig ist, sondern in seiner ganzen wirtschaftlichen Existenz, so daß sich die Mittel dieser Genossenschaften vervielfachen. Die bisherigen Genossenschaften leiden darunter, daß die Idee einer jüdischen genossenschaftlichen Selbsthilfe in weiten jüdischen Kreisen bisher jedenfalls allzu wenig Anklang gefunden hat. Deshalb sind auch die Bedingungen, unter denen eine Wirtschaftshilfe im Augenblick von den Genossenschaftsbanken geleistet wird, nicht in allen Fällen wirtschaftlich und produktiv tragbar. Die Organisationsform der jüdischen Darlehnskassen ist eine recht verschiedene., Manche sind reine Gemeindeinstitutionen (z. B. Leipzig), manche sind völlig freie Vereinigungen, die ihr Kapital aus Vereinsbeiträgen aufbringen (z. B. Bocholt), manche sind Darlehnskassen auf genossenschaftlicher Grundlage mit kleinen Genossenschaftsanteilen (z. B. Königsberg) andere wie-

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