Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 18 (1931)
- Issue
- 16 (17.4.1931)
- Date
- 1931-04-17
- Page
- Seite 245 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 245 Das Jüdische Echo 1918 erschienen) eine gewisse Sympathie für den Zionismus äußert, den er früher mit den häßlichsten Worten abgelehnt hatte, ist, wie Nathansen richtig bemerkt, nur als eine Äußerung seines feinen Sinnes für die Windrichtung und Strömung des Augenblicks zu werten. Kein Argument kann die Bedeutung des zionistischen Gedankens für die Westjudenheit eindringlicher bestätigen, als die Schilderung dieses Lebens. Und es hat nichts mit nationaljüdischer Propaganda zu tun (wenn auch Nathansen Nationaljude und Zionist ist), sondern ist nur die notwendige und überzeugende Konsequenz aus der psychologischen Betrachtung dieses großen Vertreters des modernen Assimilationsjudentums, wenn Nathansen feststellt: „Ein einziges Mittel hätte das Leiden zur Ruhe zwingen können: ihm zu widerstehen und dadurch den Weg zur Beruhigung zu finden. Man erinnert sich unwillkürlich Goldschmidts, der seinen Lebenslauf mit den ruhigen, stolzen Worten einleitet: Ich bin vom Stamme Levi.“ Das Buch verdient, es sei nochmals gesagt, in zionistischen Kreisen stärkste Beachtung. Es finden sich darin Betrachtungen über das Wesen und die psychologische Situation des modernen Judentums, die zum Geistreichsten und Geprägtesten gehören, was in letzter Zeit darüber gesagt wurde. R.E. Theodor Reik: Gebetmantel und Gebetriemen der Juden. Georg Langer: Die jüdischen Gebetriemen. (Mit Anhang: Verwandtschaft mit afrikanischen Kulturkreisen, Das Feuer, die Schlange.) Beide: Internationaler psychoanalytischer Verlag, Wien. Die psychoanalytische Methode, auf die Geisteswissenschaften angewandt, bringt in die Betrachtung neue Perspektiven und läßt damit neue Resultate gewinnen. Auch in diesen beiden Schriften, die sich mit demselben Gegenstand befassen und trotz strengster Anwendung der Schemata Freuds zu verschiedenen Ergebnissen gelangen, ist dieses Neue fesselnd und anregend. Die Freudsche Schule wird gerade da am meisten Erfolge haben, wo ihrem Ziel: Der Sinndeutung, das bedeutendste Objekt sich bietet in der Symbolik. Es ist hier nicht der Ort, näher auf die Schwierigkeiten einzugehen, die sich dabei ergeben, und auf die notwendigen prinzipiellen Einwände gegen die Psychoanalyse. Jedenfalls aber ist sicher, daß mit den üblichen Methoden der Religionswissenschaft diese neue Deutung jüdischer Ritualgegenstände nicht hätte gewonnen werden können, die die tiefsten menschlichen Urbeziehungen heranzieht. Wer Freuds Wort weder als Dogma noch als Phrase nimmt, wird sicher zu fruchtbarer kritischer Auseinandersetzung durch die Lektüre dieser beiden Schriften angeregt werden. M. H. Personalia Markus Levinger s. A. Am zweiten Tag Pesach verstarb hier im 76. Lebensjahre nach längerer Krankheit der in allen Kreisen der hiesigen jüdischen Gemeinde bestbekannte Kaufmann Markus Levinger, Inhaber der Silberwarenfirma gleichen Namens, deren 50jähriges Gründungsjubiläum der Verlebte erst vor kurzem feiern konnte. Mit dem Heimgegangenen, der in München geboren ist, geht wieder ein altes Stück der Geschichte unserer Gemeinde dahin. In streng-religiösem Sinn erzogen, übernahm er noch in jungen Jahren die Leitung des damals nach der Einführung einschneidender Reformen in der hiesigen Hauptsynagoge begründeten konservativen Gottesdienstes, aus welchem sich später die hier bestehende Adath Jeschurun entwickelte. In dieser Vereinigung bekleidete er ehrenamtlich lange Jahre das Amt des Vorbeters, sowie des finanziellen Verwalters. Besondere Verdienste erwarb sich der Verlebte auch als eines der ältesten und tätigsten Mitglieder der hiesigen Chewrah, deren langjähriger Revisor er bis zuletzt war. Als Mitglied dieses Vereins zeichnete er sich in früheren Jahren besonders dadurch aus, daß er allsabbatlich die jüdischen Kranken in den hiesigen Krankenhäusern besuchte. Er gehörte auch zu den treuesten Mitgliedern und fleißigsten Besuchern der Synagoge Ohel Jakob und fehlte noch im hohen Alter keinen Morgen beim Frühgottesdienst. Er versah dort auch Jahrzehnte hindurch bis zu seinem Tode aas Ehrenamt eines Synagogenkommissars. Im Verein mit seiner Gattin aus dem in allen religiösen Kreisen bekannten Hause Lang in Baden bei Zürich ließ er seinen Kindern die sorgfältigste religiöse Erziehung zuteil werden und hatte die Freude, seinen Sohn Dr. Louis Levinger als einen der hervorragendsten Führer der religiösen Jugend hier sowie über Deutschland hinaus anerkannt zu wissen. Bei der Beerdigung am 8. April zeigte sich eine außerordentliche Teilnahme aus allen Kreisen der jüdischen Gemeinde und wenn auch infolge des Pesachfestes jede offizielle Trauerkundgebung unterbleiben mußte, so haben doch viele der Anwesenden im Privatgespräch dem ausgezeichneten Manne, dessen Verlust eine große Lücke im Kreise der hiesigen Orthodoxie hinterläßt, einen höchst ehrenvollen Nachruf gewidmet. Gemeinden- und Vereins-Echo Aus dem Leben Jabotinsky Vladimir Jabotinsky wird am Samstag, 25. April im „Bayerischen Hof“ einen von der Union der Zionisten-Revisionisten veranstalteten Vortrag über „England, Araber und Juden“ halten. Man kann diesen Mann nicht beurteilen, wenn man nicht weiß,, was alles er erlebt hat. Wir lassen deshalb eine lange Skizze seines Lebens folgen: „Jabotinsky wurde 1880 in Odessa geboren. Er trat schon 1899 publizistisch hervor und erwarb sich in der Folge als glänzender russischer Schriftsteller und Stilist einen bedeutenden Namen. Schon in früher Jugend schloß er sich der zionistischen Bewegung an und nahm später an mehreren Zionistenkongressen und an der Helsingforser Konferenz der russischen Zionisten teil. Zu Beginn des Krieges begründete er in Kopenhagen die Zeitschrift „Die Tribüne“, in der er die Idee verfocht, Juden müßten in freiwilligen Formationen für die Befreiung Palästinas vom türkischen- Joch kämpfen. Aus den von Dschemal Pascha aus Palästina vertriebenen Juden bildete Jabotinsky 1915 in Alexandrien ein Freiwilligenkorps, das England als besondere Formation mit eigener Fahnen, die den „Magen David“ trug, übernahm und zunächst bei den Kämpfen auf Gallipoli als Maultier-Korps („Zion Mule Corps“) verwendete. In London bildete Jabotinsky aus russisch-jüdischen Freiwilligen in Whitechapel ein Regiment, die „Judeans“, dem er selbst als Leutnant angehörte. Diese „Legion“ (Gedud) wurde an der Pa-